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Ursula Poznanski: Saeculum

26. Februar 2012

Medizinstudent Bastian ist verliebt in Sandra. Deswegen begleitet er sie zu einem Mittelaltermarkt, obwohl er sich dafür eigentlich nicht übermäßig begeistern kann, und lässt sich überreden, mit ihrer Mittelaltergruppe Saeculum über Pfingsten an einer Convention (Con) teilzunehmen. Das bedeutet, fünf Tage in einem abgelegenen Waldstück zu verbringen und nur Dinge zu verwenden, die es im Mittelalter schon gab. Nach einer anstrengenden Anreise kommt die Gruppe am Spielort an. Alle Teilnehmer werden durchsucht, „Neuzeitliches“ muss abgegeben werden – beispielsweise auch Bastians Brille.

Was zunächst als harmloses und fröhliches Spiel beginnt, nimmt schnell bedrohliche Züge an. Eine alte Legende berichtet von einem Fluch, der auf dem Ort liegen soll. Immer mehr ereignet sich, was sich als Erfüllung des Fluches interpretieren lässt. Geheimnisvolle Nachrichten werden gefunden und schließlich verschwinden nach und nach drei der Mitspieler. Während einige an den Fluch glauben, sind andere davon überzeugt, dass es sich um Zufälle handeln muss, so auch Bastian. Doch dann spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und Bastian gerät in ernsthafte Gefahr.

Sehr gut entwickelt Poznanski, wie schnell sich in einer Notsituation eine Gruppe gegen einen „Sündenbock“ richten kann, wie Angst zu Hass führt und Egoismus sich durchsetzt. Die anfänglich fröhliche, freudig-erwartende Stimmung schlägt nicht nur bei den Teilnehmern des Rollenspiels schnell in ein beklemmendes Gefühl um. Die Angst konnte bzw. musste ich teilweise richtig körperlich mitempfinden, so realistisch und nachvollziehbar wirkt vieles (manches allerdings auch ein wenig überzogen). Die Charaktere sind gut herausgearbeitet und überzeugend. Die Spannung steigert sich immer mehr bis zum überraschenden vorläufigen Höhepunkt, als sich auf einmal viele Dinge klären. Doch auch dann bleibt es weiter spannend, bis der Leser merkt, dass er immer noch einer falschen Fährte gefolgt ist. Lediglich der Schluss war in mancher Hinsicht etwas ernüchternd, manch einer ist etwas zu gut weggekommen und die Erklärung für seine Taten war nicht befriedigend. Wenn jeder, der in der Jugend benachteiligt wurde, so reagieren würde … Aber man darf nicht vergessen, dass es sich um ein Buch für Jugendliche handelt. Wäre es ein Thriller für Erwachsene gewesen, hätte es vermutlich etliche Tote gegeben. Poznanski zeigt, dass nicht haufenweise Leichen erforderlich sind, um genügend „thrill“ beim Lesen zu erzeugen.

Das Cover passt hervorragend zum Buch, schwarze, erhabene Schrift und schwarze Äste auf weißem Grund, wie im Wald ein Blick Richtung Himmel. Dazu der schwarze Schnitt, das trifft die Atmosphäre perfekt.

Ein würdiger Nachfolger von Erebos, wie ich finde. Empfohlen ab 14, je nach Sensibilität des Jugendlichen sollte man vielleicht auch noch ein Jährchen länger warten, sonst drohen schlaflose Nächte.

Ursula Poznanski: Saeculum. Loewe 2011. 496 Seiten, Euro 14,95. ISBN 978-3-7855-7028-9

Kinderbibeln 1 – Rachel Elliot: Meine kleine Bibel

26. Februar 2012

„Immer wieder sonntags …“ möchte ich hier in Zukunft einen Blick auf Kinderbibeln werfen. Den Anfang macht eine Bibel für ganz Kleine: 12 Geschichten wurden hier kürzestmöglich zusammengefasst, auf jeweils weniger als 100 Wörter. Links steht jeweils die Geschichte, recht ein Bild dazu. Unter der Geschichte steht jeweils eine kleine Aufforderung, beispielsweise wird in „Noach und die Arche“ nach dem Lieblingstier des Kindes gefragt. Die Bilder sind bewusst einfach gehalten, um die Kleinen nicht zu überfordern, und in überwiegend zarten Farben gehalten.

Im Vorwort werden die Eltern dazu aufgefordert, beim Vorlesen mit ihrem Kind zu kuscheln (Braucht es dazu eine Aufforderung? Aber gut, falls es für jemanden nicht selbstverständlich sein sollte …) und mit ihm über die Geschichten zu sprechen. Auch das ergibt sich ja meist von alleine. Die dicken Pappseiten garantieren, dass das Buch viele Vorleserunden und kindliches Ich-kann-allein-blättern unbeschadet übersteht.

Fazit: Die Geschichten sind wirklich auf ihren Kern zusammengeschrumpft, aber sicherlich für den Einstieg bei den ganz Kleinen (2-4 Jahre) gut geeignet.

Rachel Elliot: Meine kleine Bibel. Illustriert von Caroline Williams. Parragon 2011. 14 dicke Pappseiten, Euro 3,99, ISBN 978-1-4454-3977-8

Inhalt: Der Anfang der Welt, Adam und Eva, Noach und die Arche, Josef und seine Brüder, Baby Mose, David und der Riese, Daniel und die Löwen, Jona und der große Fisch, Die Geburt von Jesus, Die Sterndeuter, Jesus gibt allen Leute Essen, Jesus lebt wieder

Merlin der Magier 1: Merlin trifft Rheinhardt von Rüdesheim

25. Februar 2012

Im Jahr 1640 sitzt der 16-jährige Rheinhardt (!) von Rüdesheim gemütlich am Ufer des Rheins, trinkt einen Schoppen Wein und denkt über den nun schon mehr als zwanzig Jahre dauernden Krieg nach. Plötzlich blitzt es und ein sehr merkwürdig gekleideter Mann steht neben ihm, der sich als Zauberer Merlin vorstellt. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass Merlin in der Zeit reisen kann. Um zu beweisen, dass er nicht lügt, nimmt er Rheinhardt auf eine Reise in die Vergangenheit mit: Gut 50 Jahre früher kann er an gleicher Stelle beobachten, wie sein Großvater unter lustigen Umständen seiner Großmutter seiner Großmutter einen Heiratsantrag macht. Zurück in seiner Zeit wünscht er sich einen Ausflug in die Zukunft. Merlin lässt sich überreden und ruft seine Partner herbei, Baron  Didier de Dournazac und den Hund Charlie. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg ins Paris des 19. Jahrhunderts …

In diesem ersten Teil einer neuen Hörspiel-Serie werden zunächst die Protagonisten eingeführt: Der junge Rheinhardt, aufgewachsen im Dreißigjährigen Krieg, der mit etwas naiven Augen die Welt betrachtet, was Merlin, dem (ziemlich eingebildeten) Zauberer, die Gelegenheit gibt, ihm das eine oder andere zu erklären – und damit auch gleich den zuhörenden Kindern. Beispielsweise verhindert Merlin, dass Rheinhardt Kontakt mit seinem Großvater aufnimmt und erläutert bei dieser Gelegenheit das Raum-Zeit-Paradoxon, philosophiert über die Ursache für Kriege oder weist darauf hin, warum die Franzosen die falschen Maßnahmen gegen die Cholera ergriffen haben, deren Auslöser damals noch nicht bekannt war.

Um nicht nur einen Zeit- sondern auch einen Raumsprung machen zu können, braucht Merlin Hilfe, den französischen Baron Didier und den sprechenden Hund Charly, der eigentlich eine englische Lady ist. So prallen nicht nur unterschiedliche Zeiten, sondern auch verschiedene Kulturen aufeinander. Rheinhardt will den vermeintlichen französischen Gegener angreifen, weil er sich provoziert fühlt und muss von Merlin gebremst werden, der darauf hinweist, dass auch genau diese Weise Kriege ausgelöst werden. In Paris erleben sie schließlich ein aufregendes Abenteuer, Rheinhardt sieht und hört allerhand Neues, bis er sich am Ende bewährt und in die Riege der Zeitreisenden aufgenommen wird. Weitere Abenteuer können also folgen.

Die Geschichte ist hübsch gemacht, auch mir hat das Zuhören Spaß gemacht. Der elfjährige Testhörer fand zwar, dass es ein wenig lange dauert, bis die Geschichte in die Gänge kommt, war ansonsten jedoch sehr angetan und würde sich gerne die Fortsetzungen anhören, zumal dann ja die Figuren nicht mehr so aufwendig eingeführt werden müssen. Ich habe das übrigens nicht so empfunden, mir ist allerdings schon mehrfach aufgefallen, dass die Kinder „Action von Anfang an“ wünschen. Sollte es nicht aufregend genug sein, wenn plötzlich Knall-Fall ein Zauberer auftaucht?

Sprecher Jürgen Fritsche schafft es, jedem Charakter eine unverwechselbare Stimme zu verleihen und das Zuhören zum Vergnügen zu machen. Im umfrangreichen Booklet werden die handelnden Personen vorgestellt, aber auch viele Begriffe der CD erklärt, zum Beispiel Dreißigjähriger Krieg, Schultheiß, Pranger oder Napoleon – das ist wirklich sehr schön gemacht.

Ich gehe davon aus, dass es sich beim Namen des Autors – Richard J. Lionheart – um ein Pseudonym handelt, wobei die Geschichte, dass der Autor aus einer alten Historikerfamilie stammt, sein Leben lang über das Mittelalter geforscht hat und nun weitergeben will, was er herausgefunden hat, wirklich hübsch drumherumgesponnen wurde!

Ein Hörbuch für geschichts- und geschichteninteressierte abenteuerlustige Zeitreisende ab 8 Jahren.

Richard J. Lionheart: Merlin der Magier 1: Merlin trifft Rheinhardt von Rüdesheim. ZYX 2011, 1 CD, 76 Minuten, Euro 8,95, ISBN 978-3-86549-904-2

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