Ute Krause: Minus Drei geht baden

Verdorbene Ferien

Minus Drei, der kleine Dino, ist extrem genervt. Es regnet ohne Ende, die ganzen Ferien lang. Und sein „Haustier“, Urmädchen Lucy langweilt sich auch. Als es endlich aufhört zu regnen, möchte Minus Drei mit seinen Freunden spielen, doch die baden jeden Tag in dem neuen See, der sich durch den Regen gebildet hat. Lucy möchte unbedingt auch ins Wasser, aber das geht nicht. Minus Drei kann nämlich leider nicht schwimmen, traut sich aber nicht, das zuzugeben. Ständig muss er sich neue Ausreden ausdenken …

Ausreden ohne Ende

Wie ärgerlich! Als Minus Drei endlich wieder mit seinen Freunden spielen könnte, gehen die zum Schwimmen. Minus Drei schämt sich sehr, dass er nicht schwimmen kann. Nicht einmal seinen Eltern erzählt er, was ihn bedrückt, dabei könnten sie ihm sicher helfen. Ausrede über Ausrede denkt er sich aus, bis niemand mehr nachfragt. Dabei fühlt er sich immer schlechter. Doch dann passiert etwas, er denkt keine Sekunde nach und stürzt sich ins Wasser. Und siehe da, es ist gar nicht so schlimm. Doch woher hätte er das wissen sollen, wenn er nicht wagt, es auszuprobieren?

Wie viele Kinder gibt es, die nicht schwimmen können und Angst davor haben, es zu lernen? Sie erfahren bei Minus’ Geschichte, dass sie nicht alleine mit dem Problem sind, dass Minus es am Ende aber trotzdem schafft. Sie selber müssen es ja nicht auf eine ähnlich dramatische Art tun …

Natürlich verstehen die kleinen Zuhörer schnell, dass Minus all seine Ausreden nur erfindet. Er tut ihnen zwar etwas leid, aber teilweise ist es auch lustig, was er stattdessen auf sich nimmt. Die Geschichte ist also nicht nur für Kinder mit einem Wasser- oder Schwimmproblem interessant, sondern macht allen Spaß.

Abenteuer in einer verrückten Urzeit-Welt

Dino Minus Drei ist einfach ein rundum sympathischer Kerl, Lucy, die nicht sprechen kann, irgendwie niedlich. Überhaupt ist die Idee lustig, eine Geschichte über einen Dino zu erzählen, der ein Urmädchen als Haustier hat (Ja, ich weiß, dass das historisch nicht möglich wäre. Trotzdem!). Andere Dinosaurier haben Dinosaurier als Haustiere, das finde ich allerdings etwas unlogisch. Wieso gibt es Dinosaurier, die sprechen können, Berufe haben oder zur Schule gehen, und andere, die an der Leine geführt werden?

Die Welt ähnelt zwar in vielem unserer heutigen, so gehen die Kinder auch zur Schule und Minus Drei liest Dino-Men-Comics, aber in anderen Bereichen ist sie eher urzeitlich. Beispielsweise gibt es überall aktive Vulkane, die Dinos leben in Höhlen und es existiert keine Elektrizität. Mir gefällt es sehr gut, wie hier die beiden Welten vermischt wurden.

Die Handlung ist originell und von Sprecher Andreas Fröhlich schön erzählt. Hintergrundgeräusche wie leise, unaufdringliche Musik, Wasserplatschen, Dinogeschrei, Regenrauschen und Vulkanzischen machen ein rundum gelungenes Hörerlebnis daraus.

Fazit: Kinder ab 5 Jahren haben Spaß an dieser spannenden, lustigen, aufregenden Dinogeschichte rund ums Schwimmenlernen, Regenhassen, Ausreden finden, Freundschaft und Überwindung.

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Ute Krause: Minus Drei geht baden. Gelesen von Andreas Fröhlich. cbj audio 2016. 1 CD, 38 Minuten, Euro 7,99, ISBN 978-3-8371-3379-0.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alexandra Helmig, Timo Becker: Kosmo & Klax. Jahreszeiten-Geschichten

Eichhörnchen und Ball

In einem verwunschenen Park, hoch oben in den Wipfeln einer alten Eiche lebt Kosmo, das neugierige Eichhörnchen. Wie so oft sitzt es heute vor seinem Baumhaus und blickt über die bunte Wiese und den alten Spielplatz daneben.

An einem schönen Sommertag lernen Kosmo, das Eichhörnchen, und Klax, der rote Ball, sich kennen. Kosmo kann Klax aus einer Verlegenheit helfen und fortan sind die beiden befreundet. Gemeinsam erleben sie im Sommer, Herbst, Winter und Frühling viele Abenteuer, bis wieder der Sommer ins Land zieht und ihre Freunde zum Jahrestag ihres Kennenlernens ein Fest für sie organisieren. Sie machen Wettrennen, gehen Schwimmen, machen einen Ausflug zum Bauernhof, lassen Drachen steigen, machen einen Laternenumzug usw. Sie erfahren, was für die Jahreszeiten typisch ist.

Kosmo und Klax sind richtig sympathische Protagonisten. Und welches Kind hätte nicht gerne einen sprechenden Ball mit einer Krone zum Freund? Die beiden haben einen großen Freundeskreis, aber Hase, Maus, Gans und Biber treffen sie am häufigsten.

Die Geschichten sind meist drei Seiten lang und in sich abgeschlossen. Dazu kommen viele schöne Illustrationen. Ungeduldigen oder müden Kindern kann man also jeweils eine Geschichte vorlesen, geduldigeren Zuhörern mehrere am Stück, zum Beispiel alle, die zu einer Jahreszeit gehören. Die Geschichten sind leicht verständlich, machen Spaß und sind nebenbei oft ein wenig lehrreich.

20 schöne Vorlesegeschichten rund um die Jahreszeiten für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren.

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Alexandra Helmig, Timo Becker: Kosmo & Klax. Jahreszeiten-Geschichten. mixtvision 2016. 96 Seiten, Euro 9,90, ISBN 978-3-95854-062-0.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Petra Postert: Das brauch ich alles noch!

Wichtiges Sammelsurium

Jim und Papa sortieren Wäsche. Als Papa Jims Hose aus dem Stapel zieht, durchsucht er die Taschen. Bei allem, was er findet, ist er der Meinung, dass es weg könne. Aber nein, welch absurde Idee! Jim ist da ganz anderer Meinung. Der verbogene, rostige Schlüssel zum Beispiel ist der Schlüssel zum Koffer eines Zauberers. Fantasievoll erzählt Jim, was alles passiert, wenn der Zauberer den Koffer nicht mehr aufschließen kann: Die Kaninchen werden nicht gefüttert, er kommt weder an sein Zauberbuch noch an seinen Zauberstab usw. Papa findet noch einen Kapitänsjackenknopf und einen Riesenbrocken, der mal eine Bergspitze war.

Das brauch ich noch. Halt, nicht wegschmeißen! Das brauch ich alles noch!

Banale Dinge als Geschichtenmotor

Jim ist ein fantasievoller Junge, dem zu jedem Gegenstand eine schöne Geschichte einfällt – wenn er denn will. Die Geschichte holt die Kinder in einer bekannten Situation ab: Wer kennt es nicht, dass die Hosentaschenschätze gegen wegwerfwütige Eltern verteidigt werden müssen? Jim macht das auf eine besonders charmante Art, die die Kinder motivieren könnte, ebenfalls Geschichten rund um Alltagsgegenstände zu spinnen: Die Kastanie, der seltsam gebogene Stock, das Schneckenhaus und der Legostein haben bestimmt auch schon viel erlebt.

Fantasie hervorlocken

Jims Fabulierkunst und Fantasie machen großen Spaß. Gut gefällt mir nicht nur, dass hier mal der Papa mit dem Sohn die Wäsche sortiert, sondern auch der Schlagabtausch der beiden. Papas Fragen und Entgegnungen bringen Jims Geschichte voran. Wir hören die Erzählerin und die Sprecher von Jim (klasse!) und Papa, doch während Jim erzählt, sind plötzlich auch andere Stimmen zu hören, beispielsweise der Kapitän. Dazu kommen Musik und passende Geräusche. „Die Hörbücher für junge Hörer ab 4 Jahren wollen nicht nur unterhalten, sondern gleichzeitig eine Fähigkeit trainieren, die für die Lese- und Sprachkompetenz der Kinder wichtig ist: den Hörsinn. Schließlich geht es beim Zuhören auch darum, die Untertöne einer Botschaft, einer Information oder eines Ereignisses zu erfassen“, steht auf der Verlagswebsite. Dazu gibt es pädagogisches Begleitmaterial für Eltern und Erzieher, das auf der Seite heruntergeladen werden kann.

Fazit:

Eine hübsche kleine Geschichte rund ums Geschichtenerzählen schön umgesetzt für Kinder ab 4 Jahren.

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Petra Postert: Das brauch ich alles noch! Headroom 2016. 1 CD, 25 Minuten, Euro 9,89, ISBN 978-3-942175-54-8.

Sprecher: Bettina Storm, Matti Kaminsky, Stefan Kaminsiki

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Alexa Henning von Lange: Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte

Wer bin ich?

Nachdem Lisa mit ihren Eltern in ein  Eigenheim in einer stinklangweiligen Gegend ohne Kinder umgezogen ist, zieht in ihre alte Wohnung ein Mädchen ein, das die neue beste Freundin ihrer alten besten Freundin Alice wird. Lisa ist sehr unglücklich darüber. Ihre Eltern sind überfürsorglich und lassen sie kaum einen Schritt alleine gehen. Dann behauptet Alice auch noch, dass sie wie ein Junge aussieht und sie findet einen blauen Strampelanzug in einem Kleidersack. Hatten ihre Eltern lieber einen Jungen gewollt? Lisa ist zutiefst verunsichert und auf der Suche nach ihrer Identität. Und dann ist da noch das Waisenhaus um die Ecke, in dem sie einige sehr nette Kinder kennenlernt. Nur – wie kommt es, dass Lasse genauso aussieht wie sie? Lisa muss sich über einiges klarwerden …

Mit einem Mal erkenne ich, dass Alice kompletten Quatsch geredet hat und ich mich von ihr so richtig habe verunsichern lassen. Das war genau das, was sie wollte. Aus irgendeinem ganz bestimmten Grund scheint sie wirklich mächtig sauer auf mich zu sein. Das wird mir schlagartig klar.

Lisa begehrt auf

Lisa, 11, ist ein neugieriges, ein wenig freches Mädchen, das die Dinge nicht einfach hinnimmt, sondern hinterfragt. Sie erzählt ihre Geschichte selbst in der Ich-Form. Während Lisa bis dahin ein recht braves Kind gewesen zu sein scheint, stürzt jetzt einfach zu viel auf einmal auf sie ein. Daraufhin rebelliert sie. Das fand ich recht lebensnah geschildert. Vielen Kindern geht es wie Lisa, sie haben auf einmal ein Problem mit ihrer Geschlechterrolle, hadern mit ihrem Aussehen, Freude verändern sich ebenfalls und Freundschaften zerbrechen, Regeln der Eltern werden nicht mehr kommentarlos hingenommen usw.

Das Leben fühlt sich gut an, wenn man weiß, wer man wirklich ist.

Etwas überzeichnete Charaktere

Andere Charaktere fand ich nicht ganz so überzeugend. Lisas Lehrer ist ziemlich überdreht, wenn auch auf eine nette Art, Lisas Eltern sind viel zu streng und überfürsorglich. Zwar wird auch erklärt, warum das so ist, aber ich habe beim Lesen ebenfalls innerlich rebelliert. Dazu passt ihr Verhalten nicht, als Lisa wirklich verschwunden ist und statt in ihren eigenen Kleidern in einem Krankenhauskittel nach Hause kommt. Lisas Klassenkameraden und neue Freunde gewinnen nicht sehr viel Kontur, sie wirken teilweise auch ein wenig wie Karikaturen, aber nicht unbedingt im negativen Sinn.

Auftritt: die Nuss

Und was ist mit der titelgebenden Nuss? Ihre Rolle ist klein und auf einen kurzen Auftritt begrenzt. Doch Lisa hat eine Nussallergie, weshalb diese eine Nuss gleich eine ganze Kette von Ereignissen auslöst.

Auch wenn die Handlung an der einen oder andere Stelle nicht ganz logisch war, hat die Geschichte mich dennoch überzeugt. Es machte einfach Spaß, sie zu lesen. Es passiert viel, sie ist sehr temporeich und birgt ein Rätsel in sich, das geklärt werden muss. Gut, ich bin schneller auf die Lösung gekommen als Lisa, aber das fand ich nicht schlimm. Es war dennoch spannend zu verfolgen, wann und wie Lisa dahinterkommen wird. Außerdem bekommt man viele Einblicke in die Seele einer Elfjährigen, die mit sich un der Welt zu kämpfen hat. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls keine Minute.

Auf dem Stufen vor dem Eingang hocken eine Handvoll Kinder in kurzen Hosen und T-Shirts. Aus dem Augenwinkel werfe ich ihnen einen prüfenden Blick zu. Ganz ehrlich: Rein äußerlich sind sie nicht als Waisenkinder zu entlarven. Die sehen ganz normal aus. Die haben auch alle ein Handy in der Hand, auf deren Displays sie weggetreten herumtippen.

Fazit: Ein turbulentes, spannendes und auch mal lustiges Buch für Kinder von 10 bis 12 Jahren, das viele Themen aufgreift, die Kinder zu Beginn der Pubertät bewegen.

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Alexa Henning von Lange: Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte. Thienemann 2016. 240 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-522-18441-0.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Tricia Springstubb: Ein Tag voller Wünsche

Ein verschwundenes Lieblingsrad und ein vermisstes Kuscheltier

Lexis großer Bruder ist kaum mehr ansprechbar. Er hat sich von seinem gesparten Geld ein ganz tolles Fahrrad gekauft, ein Kobra. Lexi darf ihm beim Zusammenbau helfen, aber dann zischt er los und sie ist vergessen. Aber sie hat ohnehin an anderes zu denken. Zum ersten Mal darf sie bei einer Freundin übernachten, Pearl. Außerdem steht ein Ausflug zu einer Insektenausstellung bevor – Lexi liebt Insekten. Doch dann geht auf einmal alles schief: Das Kobra-Rad wird geklaut, Lexi lässt sich zu etwas überreden, was sie eigentlich nicht will, leidet sehr darunter und tut dann etwas, was sie zutiefst bereut. Und am Ende redet Pearl nicht mehr mit ihr. Wie soll sie das nur alles wieder geradebiegen?

„Schätzchen, bitte geh zu deinem Bruder und rede mit ihm. Vielleicht kannst du ihm helfen.“
Lexi, die Lebensretterin!

Wie funktioniert die Welt ?

Lexi ist zwar noch in der Grundschule, aber sie ist ein cleveres Mädchen, das sich viele Gedanken über die Welt macht. Allerdings handelt sie manchmal etwas spontan, weil sie die Tragweite ihrer Handlungen nicht überblicken kann. Ihre Freundin Pearl ist ihr ein Vorbild, bis sich die beiden Mädchen zerstreiten.

„Es ist mir egal, was die meisten Leute denken“, sagte Pearl. „Ich kann für mich selber denken.“
Genau wie Pearl. So wollte Lexi sein.

Gewissensbisse

Lexi ist liebenswert natürlich und unbeschwert, bis sie einen Fehler macht und ein schlechtes Gewissen bekommt. Sie spricht mit niemandem darüber, weil sie sich schämt, obwohl der Fehler nicht alleine bei ihr liegt – eine vielen Lesern sicherlich bekannte Situation. Ihre Gewissenskonflikte bringen dem Leser Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihre Überlegungen über gut und böse. Aber egal, wie sie sich fühlt, sie gibt nie auf, zusammen mit ihren Freunden nach dem Fahrrad ihres Bruders zu suchen … Sympathisch ist auch, dass sie, nachdem sie jemanden fälschlicherweise verdächtigt, ihren Fehler nicht nur einsieht, sondern auch wiedergutmacht.
Pearl ist nicht auf den Mund gefallen, sie redet so lange auf Lexi ein, bis die etwas macht, was sie gar nicht möchte und hinterher bitter bereut. Also nicht unbedingt die feine Art. Gerade das macht für die Leser Lexis Fehlverhalten um so nachvollziehbarer.
Lexis Bruder Henry dagegen ist verliebt und mit seinem Fahrrad beschäftigt, so hat er nicht viel Zeit und Lust, sich mit seiner kleinen Schwester zu befassen. Als sie aber seine Hilfe braucht, zögert er nicht. Und auch Lexi lässt ihren Bruder nicht hängen. Die Geschwister – auch wenn sie manchmal wenig miteinander anfangen können – halten fest zusammen, wenn es nötig ist.

Fazit:
Aufregende, aber alltagsnahe Erlebnisse eines aufgeweckten Mädchens, mit denen sich Leserinnen und Leser von 7 bis 9 Jahre gut werden identifizieren können. Die recht kurzen Kapitel, die einfache Sprache und gelegentliche Zeichnungen machen das Buch für schon etwas geübte Leseänfänger geeignet.

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Tricia Springstubb: Ein Tag voller Wünsche. Aus dem Amerikanischen von Gerda Bean. Dressler 2016. 144 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-7915-0022-5.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Noelia Blanco: Im Garten der Pusteblumen

Wunschlos glücklich?

Im Tal der Windmühlen lebten Männer, Frauen und Kinder genau wie sonst überall. Bis eines Tages die perfekten Maschinen kamen. Dank der perfekten Maschinen war alles perfekt.

Also vergessen die Menschen das Wünschen. Schließlich schläft sogar der Wind ein und die Windmühlen kommen zum Stillstand. Nur Anna, die Schneiderin, hat es nicht ganz vergessen. Immer, wenn sie kleine Änderungen macht – denn die Kleider kommen nun ja von den perfekten Maschinen –  wünscht sie sich, etwas ganz Besonderes zu nähen: Meeressaum, Sternspitzen, Wolkenumhänge.
Abends lassen die perfekten Maschinen alle Menschen einschlafen. Nur Anna nicht. Und so entdeckt sie den Vogelmann, der auch einen Herzenswunsch hat: Er möchte fliegen. Anna will ihm helfen. Plötzlich erinnert sie sich an einen besonderen Ort: den Pusteblumengarten. Dorthin gingen die Dorfbewohner früher, wenn sie einen Wunsch hatten. Und dort entdeckt Anna etwas, was den eingeschlafenen Wind wieder erweckt und für ein Wunder sorgt …

Die Kraft des Wünschens

Was wäre, wenn wir keine Wünsche hätte? Wenn alles immer perfekt wäre, so wie in Annas Dorf die perfekten Maschinen dafür sorgen, dass jeder Moment perfekt ist, dass jedes Essen wunderbar schmeckt und niemand sich mehr etwas wünschen muss? Das würde ziemlich schnell ziemlich langweilig, denn man hätte ja nichts Besonderes mehr, auf das man sich freuen könnte. Zum Glück hat die sympathische Anna sich die Kraft des Wünschens bewahrt, weil sie ihre Arbeit liebt. Und so schafft sie es schließlich, dass die Wünsche zu den Menschen zurückkehren.

Die Stimmen der Sprecher (toll: Martina Gedeck als Erzählerin), die sanfte Musik, das Knarzen der Windmühlenflügel, das Hintergrundgerede der Menschen, die mechanischen Geräusche der Maschinen, das Rauschen des Windes, dies alles wird zu einer wunderbaren Einheit, die eine leichte, stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt.

Was wäre, wenn? Ist es gut, wenn einem jeder Wunsch auf der Stelle erfüllt wird? Kann man sich noch darüber freuen? Verlernt man das Wünschen womöglich irgendwann? Allerdings ist es für die Kinder etwas schwierig zu begreifen, was daran schlecht sein soll. Die Menschen in der Geschichte scheinen ja, bis auf Anna und den Vogelmann, glücklich mit ihren perfekten Maschinen zu sein. Eigentlich wünschen sie sich ja auch etwas, was ihnen die perfekten Maschinen dann umgehend erfüllen. Und etwas, was ich auch nicht verstanden habe: Wieso hört der Wind auf zu blasen, als die Menschen keine Wünsche mehr haben? Weil die Menschen keine Pusteblumen mehr wegpusten? Trotzdem ist es eine schöne Geschichte mit einer hoffnungsvollen Botschaft: Wenn man sich etwas von ganzem Herzen wünscht, kann es auch in Erfüllung gehen.

Eine hübsche Geschichte, untermalt mit wunderschöner Musik, die einen zum Träumen und Diskutieren verführt. Auch zum Einschlafen ist die CD gut geeignet, weil sie mit einer längeren instrumentalen Passage endet, die dann tatsächlich ins Traumland führt.

Eine leise, berührende Geschichte voller poetischer Kraft für Kinder ab 5 Jahren.

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Noelia Blanco: Im Garten der Pusteblumen. headroom 2016. 1 CD, 25 Minuten, Euro 9,90, ISBN 978-3-942175-53-1.

Sprecher: Martina Gedeck, Luzie Kurth, Julian Horeyseck

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Susanne Orosz: Die Welt bei uns zu Hause. Vorlesegeschichten über andere Kulturen

Welche Feste feiern die anderen Kinder im Kindergarten? Welche Traditionen gibt es bei den Familien in der Nachbarschaft? In den 20 Geschichten in diesem Buch erlebt meist ein Kind zusammen mit einem Freund, der aus einer anderen Kultur stammt, etwas Besonderes. Es darf mitmachen und bekommt von seinem Freund und dessen Familie erklärt, was warum gefeiert wird. Manchmal hören aber auch die Kinder etwas von ihren eigenen Eltern oder Großeltern. Oft gehört auch eine kleine Geschichte dazu. Und so erfahren die kleinen Zuhörer etwas über die polnische Schmungus-Dungus-Tradition in Polen, bei der Jungen die Mädchen am Ostermontag nassspritzen dürfen, lernen, wie in Spanien Menschentürme gebaut werden oder das indische Geschwisterfest abläuft. Sie feiern beim iranischen und kurdischen Neujahrsfest mit, bei einer mexikanischen Geburtstagsfeier und beim niederländischen Sinterklaas. Ein Junge darf sogar in seinem Kindergarten als schwedische Lucia auftreten. Essen und Trinken spielen eine wichtige Rolle, ob es um französischen Kuchen, japanischen Tee, griechisches Brot, italienisches Eis oder darum geht, wie man mit chinesischen Stäbchen isst oder wie das Fastenbrechen in Afghanistan abläuft.

Morgen, zu Frühlingsbeginn, feiert Meryem Newroz, das kurdische Neujahrsfest. Meryem, ihre Familie und ihre Freunde machen ein großes Lagerfeuer. Erst gibt es Musik und Tanz, und wenn das Feuer ein wenig heruntergebrannt ist, springen alle über die Flammen. Allein, zu zweit oder manchmal sogar zu dritt. Meryem meint, dass die Freundschaft besonders lange hält, wenn man zusammen übers Feuer springt.

Die 6 bis 8 Seiten langen Geschichten holen die Kinder in ihrem bekannten Umfeld ab und entführen sie in mehr oder weniger fremde Welten. Sie sind so erzählt, dass immer etwas Interessantes passiert, was die Kinder neugierig macht. Natürlich kann hier immer nur ein Aspekt herausgepickt, keine tiefergehenden Kulturstudien betrieben werden. Aber die Kinder können Spannendes über die Kulturen ihrer Freunde erfahren. Ich finde, das Buch eignet sich gut, um zum Beispiel im Kindergarten vorgelesen zu werden. Die Kinder aus der jeweiligen Kultur können dann erzählen, ob das bei ihnen auch so ist oder etwas anders. Das könnte ihnen helfen, ihren Platz in der Gruppe zu finden. Aber natürlich kann das Buch auch prima zu Hause vorgelesen werden, ob man nun Menschen aus der jeweiligen Kultur kennt oder nicht. Es öffnet den Blick für die Vielfältigkeit der Welt, befriedigt die kindliche Neugier, könnte aber auch Anlass zu neuen, tiefergehenden Fragen geben.

„Ich will Psomi, bitte, Papa. Wir fahren zum griechischen Geschäft und fragen dort, wie das geht.“
„Also schön.“ Papa seufzt und steigt aufs Rad.
(…)
„Meine Oma Philomena hat Psomi immer selbst gebacken, wenn ich sie auf dem Land besucht habe.“

Vorkommende Länder und Völker: Senegal, Italien, Mexiko, Englisch, Indien, China, Russland, Frankreich, Österreich, Schweden, Niederlande, Iran, Polen, Japan, Griechenland, USA, Spanien, Afghanistan, Finnland sowie Kurden.

Fazit: Interessanter Blick über den Tellerrand für Kinder zwischen 5 und 7 Jahren.

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Susanne Orosz: Die Welt bei uns zu Hause. Vorlesegeschichten über andere Kulturen. ellermann 2016, 144 Seiten, Euro 14,99, ISBN 978-3-7707-3423-8.

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