Familien-Reiseführer Niederlande

Der gerade vergangene Urlaub bot wieder einmal Gelegenheit, einen (bzw. mehrere) Reiseführer zu testen. Leider stellte sich schon im Vorfeld heraus, dass es für unser Reiseziel, die Niederlande, keinen Kinderreiseführer zu geben scheint. Das ist schade, denn die Kinder haben für gewöhnlich viel Spaß an Beschreibungen, die an ihren Interessen ausgerichtet sind und Anregungen, selber aktiv zu werden. Umso mehr freute ich mich, als ich den „Familien-Reiseführer Niederlande“ aus dem Companion-Verlag entdeckte. Das leider recht schmale Bändchen beginnt mit allgemeinen Informationen, zum Beispiel zu Essen und Trinken und einem Mini-Sprachführer. Zum Glück kann man sich in den Niederlanden mit Deutsch und Englisch wunderbar verständigen, denn mit 33 Wörtern (noch dazu ohne Aussprachhinweise) wird man nicht allzu weit kommen. Es folgen die Beschreibung von zehn kinderfreundlichen Stränden, zehn Ausflugstouren und der 13 „tollsten Attraktionen für Kinder“, dazu zählen Freizeitparks, Zoos und Museen, aber auch der Nachbau eines historischen Segelschiffs. Abgeschlossen wird das Buch vom Kapitel „Gut zu wissen“, das Informationen zu Telefon, Einkauf, Festen und ähnlichem bietet. In der inneren Umschlagseite werden die „TOP 10 für den Familien-Urlaub in den Niederlanden“ aufgeführt. Verteilt über das ganze Buch finden sich grüne Kästen, die Informationen zur Region oder spezielle Empfehlungen für die Eltern versprechen, in orangefarbenen Kästen stehen „tolle Tipps oder Geschichten für Kinder“ und blaue Kästen verweisen auf Restaurants, in dem auch Kinder auf ihre Kosten kommen.

Die beschriebenen Strände sind über die ganzen Niederlande verteilt, so dass wir nur einen davon getestet haben. Die Beschreibungen enthalten alle Informationen, die Familien benötigen: ob flach oder steil, bewacht oder nicht, mit oder ohne Verpflegungsangebot und, besonders wichtig, ob zusätzliche Aktivitäten für Kinder angeboten werden.

Die „zehn Touren, die allen Spaß machen“ sind aus meiner Sicht viel zu knapp. Amsterdam beispielsweise werden 5 Seiten gewidmet. Dabei taucht nicht ein einziger orangefarbener Kasten auf, dabei bietet die Stadt zahlreiche Geschichten und Attraktionen, die für Kinder interessant sind. Die Informationen zu den Park-and-Ride-Plätzen sind nicht aktuell, die Fahrkarten der Straßenbahn gab es entgegen der Angaben gratis zur Parkgebühr dazu. Die Besichtigung beginnt hier mit der obligatorischen Grachtenrundfahrt, führt dann zum Dam („Kinder finden es immer lustig, sich zwischen den Taubenschwärmen auf dem Platz vor dem Palast aufzuhalten“ ), aber nicht in den Palast hinein, den meine Kinder durchaus interessant fanden. (Allerdings war er wohl wegen Renovierungsarbeiten zeitweise geschlossen, möglicherweise war das beim Druck 2009 noch der Fall). Als nächstes wird ein Shoppingzenter empfohlen (machen Familien im Urlaub Ausflüge in die Stadt, um dann shoppen zu gehen?), weiter geht es am Muntturm vorbei und über den Blumenmarkt. Nun ist es nach Meinung der Autoren soweit, den Besuch einer Kinder-Indoor-Spielanlage zu empfehlen. Dies ist sicherlich eine interessante Information, wenn man in Amsterdam selbst oder der Nähe Urlaub macht. In solch einer Anlage kann man wunderbar einen ganzen Regentag verbringen, wir zumindest würden einen Besuch nicht mitten in eine Stadtbesichtigung schieben. Anschließend wird dann der Besuch eines Trödelmarktes, des Rijksmuseums oder des Tropenmuseums edmpfohlen: „… mehrere Museen, von denen besonders eins empfehlenswert für Familien ist: Het Rijksmuseum ist in jeder Beziehung das größte Museum der Niederlande.“ Kein Wort darüber, warum das Museum für Familien interessant ist. Kein Hinweis auf ein bestimmtes Exponat mit einer ungewöhnlichen Geschichte oder spannenden Anekdote, womit man die Kinder neugierig machen und sie bewegen würde, genauer hinzusehen. Genau solche Informationen sind es jedoch, die ich mir von einem Familienreiseführer erhoffe – wie begeistere ich Kinder für eine an sich nicht besonders spannende Stadtbesichtigung? An welchem Haus gibt es etwas Ungewöhnliches zu sehen? Welche Statue in einer Kirche hatte eine erlebnisreiche Geschichte, bevor sie an ihren jetzigen Standort gelangte? Was kann man unternehmen, was eine Besichtigung auflockert? Auf die Grachtenrundfahrt und das Reichsmuseum dürfte jeder alleine kommen – die weniger sichtbaren Kleinode einer Stadt sind es, die zu finden sind! Das gilt ähnlich auch für die anderen Touren, bei der Friesland-Rundfahrt ist besipielsweise der einzige orangefarbene Kasten dem Domino-Day in Leeuwarden gewidmet.

In dem den „tollsten Attraktionen“ gewidmeten Teil werden die ausgewählten Parks und Museen kurz und knapp vorgestellt, mit Informationen zu Anreise, Öffnungszeiten und ggf. guten Restaurants in der Nähe. Das ist ausreichend, weil die Museen selbst üblicherweise Informationen oder Führungen für Kinder anbieten. Es gäbe natürlich noch viel mehr, immerhin beschreibt der Führer ein ganzes Land. Auch der Informationsteil ist zwar knapp, reicht aber aus.

Fazit: Der Reiseführer bietet zwar einige interessante Informationen für Familien, der Ausflugsteil ist jedoch viel zu wenig darauf ausgelegt, den Kindern Spaß zu machen. Aber auch die Eltern werden damit nicht glücklich, weil viel zu wenige touristische Informationen angeboten werden.

Familien-Reiseführer Niederlande, Companions 2009, 128 Seiten, Euro 12,80, ISBN 978-3897406063.  Autoren: Nadia Al Kureischi, Loes Bieckmann, Egon Boesten, Christine Reinhold, Marie Fischer, Pauline Harlaß.

Wir halfen uns über das oben beschriebene Manko mit dem Reiseführer „Niederlande“ von Dirk Sievers hinweg. Er ist nicht auf Familien ausgerichtet und enthält viele für uns weniger interessante Informationen wie Hotels und Restaurants, beschreibt aber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ausreichend ausführlich. All die vielen (auch für Kinder durchaus sehenswerten) Orte in der Nähe unseres Reiseziels, die im Familien-Reiseführer nicht erwähnt werden, werden hier umfassend dargestellt. Unter den zahlreichen Informationen fanden sich immer welche, die, frei erzählt oder vorgelesen, die Aufmerksamkeit der Kinder weckten. Auch die enthaltenen Stadtpläne waren überaus hilfreich. Mit seinen 732 Seiten ist er umfassend, sachkundig und ausführlich, allerdings resultiert daraus logischerweise auch ein hohes Gewicht – trotzdem hat er uns auf jeden Ausflug begleitet, während der Familien-Reiseführer meist nur zur Vorabinformation genutzt wurde und dann im Auto liegenblieb. Auch wenn er 10,- Euro mehr kostet, die Anschaffung lohnt auf jeden Fall!

Dirk Sievers: Niederlande, Michael Müller Verlag 7. Auflage 2009, 732 Seiten, Euro 22,90, ISBN 978-3899534702

6 Kommentare zu “Familien-Reiseführer Niederlande

  1. Pingback: Familien-Reiseführer Dänemark « Kinderohren

  2. Ein weiterer Tipp für einen gelungenen Familienurlaub sind zum Beispiel auch der Burgers Zoo in Arnheim, der Ferienpark Bispingheide (hier können Kinder in Baumhäusern übernachten) oder auch ein Urlaub in Den Hoorn auf Texel, wo man in mogolischen Steppenzelten übernachten kann.
    Die Niederlande ziehen auch uns jedes Jahr wieder magisch an!

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  3. Hätte ich gewußt, dass Ihr in meine alte Heimat fahrt, hätte ich Euch gerne ein paar Tipps gegegeben 😉

    Das Rijksmuseum besitzt unter anderem eine Sammlung Riesenpuppenhäuser aus den vergangenen Jahrhunderten. Die sind echt sehenswert, auch für Kinder.

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    • Oh schade, hätte ich das gewusst … Das Rijksmuseum wird allerdings im Moment großräumig umgebaut, es sind nur einige wenige Räume geöffnet. In einem gab es zwei tolle Puppenhäuser zu sehen bei denen ich mich fragte, ob die Kinder eine Leiter benutzt haben, um damit zu spielen – falls sie überhaupt wirklich damit spielen durften.

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      • Hab‘ gerade gesehen dass der Umbau des Rijksmuseum erst 2013(!) abgeschlossen sein soll. Schön, dass immerhin noch zwei der Puppenhäuser fürs Publikum zu sehen waren. Diese Miniatur-Versionen der eigenen vier Wänden der gut situierten Damen aus dem siebzehnten Jahrhundert waren in der Tat nicht als Kinderspielzeug gedacht…

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