Felicitas Römer: Typisch Eltern. 7 Arten Kinder zu (v)erziehen

Im Laufe der Jahre habe ich zahlreiche Elternratgeber gelesen. Mittlerweile reagiere ich leicht allergisch darauf, wenn ein Autor meint, die einzig wahre Methode der Kindererziehung gefunden zu haben und dem Leser, der manches anders macht, permanent das Gefühl vermittelt, seine Kinder falsch zu erziehen. Ich finde jedoch, dass es in der Kindererziehung mehr als einen Weg gibt. Deswegen betrachte ich solche Bücher zunächst einmal recht skeptisch. Umso mehr freute ich mich beim Lesen der ersten Worte in Typisch Eltern: „Um es gleich zu sagen: Dies ist kein Erziehungsratgeber. Zumindest keiner, der Ihnen vorschreiben will, wie Sie Ihr Kind erziehen sollen. (…) Es gibt nämlich verschiedene Wege, erfolgreich Kinder zu erziehen. Keiner davon ist im eigentlichen Sinne ‚besser‘ oder ‚schlechter‘ als der andere …“

Diese Wege, sieben an der Zahl, stellt Römer in der Folge vor. Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Schnelltest. Anhand von vier Fragen soll geklärt werden, in wie hohem Maß der Leser den jeweiligen Erziehungsstil aufweist. Denn, auch das sympathisch, es wird von vorneherein deutlich gemacht, dass die wenigsten Eltern einen einzigen Erziehungsstil in Reinkultur verkörpern, bei den meisten fließen verschiedene Strategien ineinander. Erst nachdem klar ist, ob man mehr oder weniger starke Spuren des jeweiligen Erziehungsstils aufweist, werden dessen Merkmale erläutert.  Römer zeigt, welche Werte und Verahltensweisen diesen Eltern besonders wichtig sind. Danach wird eine alltägliche Situation dargestellt und gefragt, wie Eltern verschiedener Stile damit umgehen würden. Dieser Teil war für mich am interessantesten. An manchen Stellen habe ich mich erkannt, an anderen andere Eltern, die ich kenne. Manchmal fühlte ich mich ertappt, weil ich auf eine Art reagiert hätte, die mir im Vergleich zu anderen Erziehungsstilen als nicht ideal erschien. Gerade diese Stellen sind es, die mir bei der Lektüre zum einen besonders gut gefallen, zum zweiten aber auch einiges gebracht haben: Sie führten nämlich dazu, dass ich mir zunächst über meinen Erziehungsstil bewusst wurde (Welcher das ist? Das wird hier nicht verraten 😉 – nur so viel: eine Mischform). Im nächsten Schritt habe ich einige meiner üblichen Handlungen und Reaktionen hinterfragt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mir bei anderen Erziehungsstilen vielleicht das eine oder andere abschauen könnte.

Ganz ohne erhobenen Zeigefinger reflektiert der Leser seinen Erziehungsstil. Keiner der dargestellten Erziehungstypen wird negativ dargestellt, sondern es wird immer aufgezeigt, dass mit diesem Stil erfolgreich glückliche Kinder erzogen werden können. Es wird jedoch auch erläutert, wo die Schwächen des jeweiligen Stils liegen, in welche ungünstigen Verhaltensweisen Eltern fallen können und worauf sie ihr Augenmerk richten sollten.

Es ist nicht notwendig, das komplette Buch zu lesen. Man könnte beispielsweise bei dem Kapitel beginnen, in dem der Stil erläutert wird, den man bei sich vermutet. Und dann nach Belieben weitere lesen. Oder auch nicht. Die Lektüre öffnet auch die Augen über die Erziehungsmethoden anderer Eltern. Es wird deutlich, dass diese, wenn sie in sich konsistent und schlüssig sind, wunderbar funktionieren können. So kann das Buch auch ein Schritt zu mehr Toleranz anderen Eltern gegenüber sein: Der (unbewusst) gewählte Weg ist nicht der allein selig machende.

Ein unterhaltsame und doch erhellende Lektüre, die jedem zu empfehlen ist, der gerne mehr über sich und seinen Umgang mit den Kindern erfahren möchte. Wer neugierig geworden ist, findet in einem kurzen Literaturverzeichnis weiterführende Hinweise.

Inhalt:

  • Erkenne dich selbst, und es ist egal, wie du dein Kind erziehst
  • Die Chef-Methode: „Ich zeig‘ dir, wo’s langgeht!“
  • Der Kuschel-Faktor: Hauptsache harmonisch
  • Das Animations-Prinzip: Motivieren, loben belohnen
  • Der Selbsterfahrungs-Weg: Erziehung als emotionales Abenteuer
  • Der Bullerbü-Stil: Immer schön locker bleiben
  • Die Schlauberger-Strategie: „Wer logisch denkt, versteht das auch!“
  • Die Coaching-Formel: Fördern, fördern, fördern
  • Vom Mut, zu sich selbst zu stehen
  • Zum Weiterlesen: Literaturhinweise

Über die Autorin: Felicitas Römer ist eine freie Journalistin, die sich vor allem mit den Themen Familie und Erziehung beschäftigt. Mehr über sie und ihre weiteren Veröffentlichungen auf ihrer Homepage.

Felicitas Römer: Typisch Eltern. 7 Arten Kinder zu (v)erziehen. Mit Illustrationen von Jens Rassmus. Walter: 2010. 209 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-530-50603-7

Ich danke dem Walter-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein Kommentar zu “Felicitas Römer: Typisch Eltern. 7 Arten Kinder zu (v)erziehen

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