Franz Fühmann: Prometheus. Die Titanenschlacht

Der erste Ferientag. Die Post klingelt und bringt ein Päckchen mit einem Rezensionsexemplar für die Mutter. Beglückt zieht das Kind von dannen und wird erst einmal für zwei Tage kaum noch gesichtet. Mama kann es dann ja später lesen. Günstiger kann es eigentlich nicht kommen!

Bei dem Buch handelte es sich um „Prometheus. Die Titanenschlacht“, bei den Ferien um die Osterferien. Immerhin hat Mutter es vor den Herbstferien in Angriff genommen. Gebraucht hat sie dann aber auch nur zwei Abende, denn es las sich außerordentlich spannend. Herkules, Odysseues, Achill und Co. sind Kindern und Eltern bestens bekannt. Zumindest in unserem Haushalt gibt es dazu diverse Bücher und Hörbücher, auch Filme über diese Stoffe kennen wir. Aber was war eigentlich, bevor Zeus und seine Geschwister den Olymp bestiegen? Ich muss zugeben, dass sich meine Kenntnisse auf einige wenige Stichworte beschränkten, die ich im Griechenlandurlaub aufgeschnappt habe.

Um so interessierter las ich nun von der Herrschaft des despotischen Kronos, der Unterdrückung seiner Mutter Gaia, der Erde, und seiner Geschwister, der Titanen. Weil Gaia Kronos prophezeit hatte, dass er dereinst von seinem Kind gestürzt werden würde, verschlingt er alle Babys kurz nach der Geburt. Doch irgendwann hält seine Frau Rhea es nicht mehr aus und schiebt ihm stattdessen einen Stein unter. Der kleine Zeus wächst gut verborgen bei Gaia auf der Erde auf. Viele Jahre später kommt der neugierige und aufmüpfige Prometheus dahinter. Er verbündet sich mit Zeus, sie befreien dessen verschlungene Geschwister mit einer List und gewinnen schließlich die große Schlacht gegen die Titanen. Die Götter besiedeln den Olymp und verteilen Herrschaftsbereiche und Aufgabengebiete. Titan Prometheus muss aufpassen, dass er nicht ausgebootet wird. Das geht nicht ohne Streitereien und Kämpfe ab. Schließlich erschaffen Prometheus und Hermes gemeinsam mit der Ziege Amalthea die Menschen – übrigens aus einem Klumpen Lehm …

Geschickt erzählt Franz Fühmann die alten Sagen so nach, dass der Spannungsfaden nie zerreißt, die Lektüre nie langweilig wird, für Kleine und Große. Erstmalig wurde das Buch übrigens in den siebziger Jahren veröffentlich, der Verlag hat es lediglich an die neue Rechtschreibung angepasst. Die Geschichten sind ohnehin zeitlos, die Sprache Fühmanns vergleichsweise anspruchsvoll für ein Kinderbuch, aber ich finde es generell gut, wenn Kinder nicht nur Texte zu lesen bekommen, die gnadenlos vereinfacht und plattgemacht wurden. Wie sollen sie sonst die Schönheit und Vielfalt unserer Sprache kennenlernen? Und das Verständnis klappt auch, wenn sie mal ein Wort nicht kennen. Entweder sie erschließen es sich oder fragen nach. So lernt man Vokabeln, auch in der Muttersprache!

Eine absolute Empfehlung für alle an Sagen Interessierten ab etwa 10 Jahren.

Franz Fühmann: Prometheus. Die Titanenschlacht. Mit Illustrationen von Susanne Janssen. Hinstorff, 247 Seiten, Euro 18,95, ISBN 978-3-356-01388-7. 10-99 Jahre.

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