Susanne Rebscher: Napoleon Bonaparte

Biografien über Napoleon gibt es stapelweise. Literatur über Napoleon für Kinder dagegen dürfte deutlich seltener zu finden sein, noch dazu so hervorragend aufgearbeitet wie hier. Susanne Rebscher ist wirklich ein wunderbares „Bilderbuch“ für ältere Kinder gelungen. Das großformatige, auf alt gemachte Buch bietet neben der reinen, chronologisch aufgebauten Biografie viele spielerische Elemente an. Eine beiliegende Codiertabelle ermöglicht das Entschlüsseln geheimer Nachrichten, Briefumschläge enthalten Briefe oder Folien, die, auf eine Landkarte gelegt, Eroberungen und Feldzüge verschiedener Zeiten zeigen, Truhen und Schränke lassen sich öffnen. Zuglaschen verdeutlichen die Funktionsweise des Chappe-Nachrichtensystems, haptische Elemente wie samtene Ordensschleifen oder ins Papier geprägte Münzen beschäftigen die Kinderhände beim Lesen (okay, auch die Erwachsenen können ihre Finger nicht davon lassen).

Die jungen Leser erfahren viel über das Europa am Ende des 18. Jahrhunderts, die Familiengeschichte der Bonapartes und natürlich über Napoleon selbst: Zunächst von seiner Mutter erzogen und immer umgeben von seinen sieben Geschwistern, kommt der junge Korse auf eine französische Militärschule, wo er erst einmal Französisch lernen muss und wegen seines Akzents gehänselt wird und weil er so klein ist. Er ist ein hervorragender Schüler, aber wohl fühlt er sich nicht. Als er nach fünf Jahren auf die Militärschule in Paris wechselt, stirbt sein Vater. Die Familie braucht seine finanzielle Unterstützung, also stürzt er sich in die Arbeit und beendet die Ausbildung bereits nach einem Jahr – normal sind drei oder vier …

Die fanzösische Revolution wird ebenso erläutert wie Napoleons Feldzüge nach Italien und Ägypten, die Ehen mit Josephine und Marie-Louise, die Kaiserkrönung, der Code Napoléon und, und, und. Auch sein Alltag wird unter die Lupe genommen. All dies wird spannend geschildert und durch die genannten Elemente aufgelockert und illustriert. Geschichtlich interessierte Kinder werden auf jeden Fall ihren Spaß daran haben und vielleicht kann man mit diesem Buch auch solchen Kindern Geschichte näherbringen, die eigentlich kein Faible dafür haben.

Der Preis mag auf den ersten Blick recht hoch erscheinen, ist aber angesichts der aufwendigen Machart des Buches durchaus gerechtfertigt. Außerdem ist es kein Buch, das nach dem ersten Lesen in der Ecke landet, sondern es wird immer wieder in die Hand genommen, durchgeblättert und „begriffen“.

Amazon gibt 8-10 Jahre als vom Hersteller empfohlenes Alter an. Mir kommt 8 Jahre ein wenig früh für die doch komplexe Biografie Napoleons vor, ich halte 10 bis 12 oder 13 Jahre für angemessener.

Susanne Rebscher: Napoleon Bonaparte, Loewe 2010, 32 Seiten, Euro 24,90, ISBN 978-3785568514, ca. 26 x 31 cm. Mit Illustrationen von Anne Bernhardi.

Aus der gleichen Reihe und ebenfalls von Rebscher gibt es bisher „Julius Caesar“ (haben wir, das muss ich demnächst auch mal besprechen, ebenfalls toll gemacht) und „Leonardo da Vinci“ (steht auf dem Weihnachtswunschzettel).

Nachtrag: Ich schwöre, als ich gestern Abend auf der Verlagsseite stöberte, gab es das noch nicht: „Ägypten – Reich der Pharaonen“ scheint niegelnagelneu zu sein.

Ein Kommentar zu “Susanne Rebscher: Napoleon Bonaparte

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