Ulf Nilsson, Eva Eriksson: Die besten Beerdigungen der Welt

Über die Blogwichtelaktion in meinem Lieblingsnetzwerk, dem Texttreff, habe ich bereits berichtet. Dabei wurde Silke Jäger das Kinderohren-Blog zugelost. Normalerweise schreibt sie in ihrem Blog Ergo im Netz über alles rund um Ergotherapie. Als Mutter kennt sie sich aber auch mit Kinderbüchern aus. Ich freue mich sehr über den schönen Wichtelbeitrag! 🙂

GASTBEITRAG VON SILKE JÄGER:

Alles fängt damit an, dass Ester und ihr Freund an einem langweiligen Tag eine tote Hummel finden. Sie beschließen, die kleine Hummel auf ihrer geheimen Lichtung anständig zu begraben: in einer ordentlichen Zigarrenkiste, mit einem selbstgezimmerten Holzkreuz und frisch gesäten Blumen auf dem Grab. Ester übernimmt das Graben, ihr Freund das Gedichte schreiben. Als sie fertig sind, hat Ester eine Idee. Und so kommt die Sache mit den Beerdigungen ins Rollen.

Die beiden machen sich auf die Suche nach toten Tieren, die sie beerdigen können. Esters kleiner Bruder Putte hilft mit. Eigentlich ist er noch zu klein, aber eine Aufgabe ist trotzdem schnell für ihn gefunden: Er soll am Grab weinen.

Schließlich finden sie eine kleine tote Spitzmaus und bereiten ihr ein würdiges Begräbnis. Danach halten sie sich für die nettesten Menschen der Welt, weil sie sich so gut um die toten Tiere kümmern. Und weil es sehr viel Spaß macht, nett zu sein, beschließen sie, von nun an die besten Beerdigungen auf der Welt zu organisieren. Schnell ist eine Firma gegründet – die Beerdigungen AG –, und ein Koffer bestückt, der alles enthält, was man braucht, z.B. Schachteln und hübsche Grabsteine, Blumensamen und eine Schaufel. Dann kann es losgehen. Doch genügend tote Tiere zu finden, ist gar nicht so leicht. Die Nachbarn werden angerufen und die Eltern gebeten, mitzuhelfen. Zuerst beerdigen sie Mäuse und Hamster, dann einen Hahn und die Heringe aus dem Kühlschrank. Alle bekommen vor dem Begräbnis einen Namen. Auf der Lichtung sieht es aus wie auf einem kleinen Friedhof: lauter Holzkreuze. Als es Abend wird, finden sie sogar noch einen überfahrenen Hasen. Für den werden rührende Zeilen geschaffen, sodass Ester schließlich zu ihrem Freund, dem Ich-Erzähler, sagt:

„Du schreibst echt saugute Gedichte.“

Und der Ich-Erzähler fasst die Geschehnisse so zusammen:

„An diesem traurigen Sommertag hatten wir viel Spaß.“

Sind Beerdigungen denn was für Kinder?

Dieses Buch nicht nur für Kinder da. Ich behaupte, es ist für die Erwachsenen gut, denn mit dem Buch in der Hand verlieren sie die Scheu davor, mit ihren Kindern über etwas zu reden, was die für etwas ganz Normales halten könnten, wenn die Erwachsenen nicht immer so komisch gucken würden, sobald die Rede auf den Tod kommt.

Zu Büchern über schwierige Themen wird ja meist dann gegriffen, wenn es einen konkreten Anlass gibt, z. B. den Tod eines Haustiers. Doch darauf braucht man gar nicht zu warten. Besser, man fängt an, in diesem Buch zu lesen, bevor die ersten Trauertränen fließen. Und besser, man geht damit so selbstverständlich um, wie Kinder das tun, wenn sie die besten Beerdigungen der Welt organisieren. Dann könnte im Ernstfall dabei herauskommen, dass die Kinder nach der Trauerphase das machen, was auch Ester, Putte und der Ich-Erzähler tun: beerdigen, trauern, weinen und am nächsten Tag etwas ganz anderes spielen.

Beim Umblättern der letzten Seite hat man plötzlich eine Ahnung, wie es sich mit dem Leben und dem Tod verhalten könnte. Es beschleicht einen das Gefühl, man könnte folgenden Aussagen zustimmen: 1. Der Tod gibt dem Leben einen Sinn. 2. Ohne den Tod wäre manches trauriger. 3. Und ohne anständige Beerdigungen wäre der Tod noch erschreckender.

Und man weiß plötzlich, dass Kinder manchmal klar im Vorteil sind, wenn es um so schwierige Themen geht. Sie wissen, worauf es dann ankommt, nämlich darauf, sich um die Toten zu kümmern und das, was getan werden muss, zu tun – zu graben, zu säen, zu dichten und zu weinen.

Bilderbuch, geeignet für Kinder ab 5.

Ulf Nilsson, Eva Eriksson: Die besten Beerdigungen der Welt. Illustrationen von Eva Eriksson. Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke. Moritz Verlag 2009, 40 Seiten, 12,80 €. ISBN: 978-3-89565-174-8

12 Kommentare zu “Ulf Nilsson, Eva Eriksson: Die besten Beerdigungen der Welt

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  6. Hat $tochter in der Schule mal mit gearbeitet, als die Lehrerin, inspiriert von einem Trauerfall in der eigenen Familie, das zum Thema einer Projektwoche gemacht hat (in der 1. Klasse! Fand ich ganz schön heftig, ging aber gut). Dies und „Hat Opa einen Anzug an?“ habe ich mir schnell-schnell durchgelesen, und fand sie auch sehr ansprechend.

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  7. Das Buch klingt toll, auch wenn Beerdigungen für mich der Horror sind.
    Und irgendwie war es nach der beschreibung fast klar, dass es ein schwedisches Buch ist 😉 Erstens sind Schweden sowieso sehr melancholisch und zweiens gehen sie viel unverkrampfter mit solchen Theman um.
    Schöner Beitrag!

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  8. Hier noch zwei ganz dicke Kinderbuch-Empfehlungen zum Thema „Abschiednehmen/Tod“:

    – Amelie Fried/Jacky Gleich: Hat Opa einen Anzug an?
    – Maggie Schneider: Opa Meume und ich

    Wolf Erlbruchs „Ente,Tod und Tulpe“ finde ich für Kinder weniger geeignet, ich mag es aber selber sehr gern.

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  9. Kann ich nur gut heißen, liebe Judith. 😉 Es ist eine Freude. Besonders weil’s so schön illustriert ist und weil es einen mit den Umständen versöhnt, die dazu führten, dass man als Kind manchmal Ameisen und Fliegen … aus Versehen … und dann nicht anständig beerdigt … achje, jetzt kommt’s wieder hoch.

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