Hanno Beck, Juliane Schwoch: Der große Plan

Vor einiger Zeit entdeckte ich eine Rezension des Buches „Der große Plan“, herausgegeben von der FAZ, ich denke, es war bei der Süddeutschen Zeitung. Dort war die Rede davon, dass das Buch Kindern die Wirtschaftskrise erklärt. Ja, sogar Eltern würde das Verständnis dieser schwierigen Zusammenhänge nach der Lektüre leichter fallen. Ich wusste sofort: Dieses Buch muss ich haben!

Nun, nachdem ich es gelesen habe, muss ich sagen, dass diese Rezension doch etwas enthusiastisch war. Ratingagenturen kommen ebensowenig vor wie der Zusammenhang zwischen Bankenpleiten in den USA mit der deutschen Wirtschaft. Das wäre vielleicht auch etwas zu viel gewesen. Stattdessen geht es um die Entwicklung von der Tauschwirtschaft über Schuldscheine bis hin zum Geld, auch Risiken wie Inflation werden angesprochen:

Nach einem Unwetter stehen viele Tiere des Waldes ohne Behausung und Nahrung da, dabei naht doch der Winter. Die Panik ist groß, aber glücklicherweise hat die schlaue Eule eine Idee: Die Tiere müssen einander helfen, indem jeder das macht, was er am besten kann. Dafür muss zunächst einmal die Feinschaft zwischen einigen Tierarten begraben werden, aber dann gräbt der Maulwurf in Windeseile viele Gänge und Baue, der Biber sorgt für Holz als Baumaterial, während andere Tiere für sie Nüsse, Körner und Früchte sammeln.

Zunächst funktioniert dieser direkte Tausch wunderbar, aber dann möchte Mutter Eichhorn etwas haben, was mehrere Tage Herstellungszeit benötigt. ZumTausch kann sie aber nur sehr reifes Obst anbieten, das sich nicht so lange lagern lässt. Gibt sie das Obst gleich her, wer garantiert ihr dann, dass die Wasserratte die Arbeit tatsächlich erledigt? Wieder hat die Eule eine Idee, nun werden Schuldscheine ausgestellt. Davon motiviert gündet der Waschbär eine Firma für Schlafkugeln, seine Schuldscheine sind schließlich so begehrt, dass sie wie eine Währung gehandelt werden. Das hätte womöglich sogar funktioniert, hätte das Wiesel nicht seine Hände im Spiel. Und so kommt es eines Tages zum großen Knall: Die Tiere merken, dass sie zwar alle Schlafkugel-Schuldscheine haben, es aber keine Lebensmittel mehr dafür gibt. Die Scheine haben ihren Wert verloren.

Zum Glück merken Eule und Häsin noch rechtzeitig, was das Wiesel vorhat und retten den Wald vor einem großen Unglück.

Der Untertitel des Buches lautet: „Ein Wirtschaftsmärchenbuch nicht nur für Kinder“, und so sind die Protagonisten des Buches sprechende Tiere, die in beheizten Behausungen mit Möbeln leben und die gleichen Sorgen und Nöte haben wie Menschen. Die Kinder können sich gut in die Figuren hineinversetzen. Die meist kleinen Zeichnungen sind recht minimalistisch, und das ist auch gut so. Mein 11-jähriger Sohn runzelte beim Anblick des Covers leicht die Stirn und wollte sich schon wieder desinteressiert abwenden, bis ich ihm erklärte, um was es geht, er mit dem Buch verschwand und es innerhalb von zwei Tagen verschlang. Er fand es gut und meinte, er hätte auch alles verstanden. Prima, aber: Beinahe wäre es nicht bei der Zielgruppe angekommen, weil er sich von einem Titelbild mit niedlichen Tieren im Zusammenhang mit dem Wort „Märchen“ nicht angesprochen fühlte. Das wirkt nämlich wie irgendwas für Kleine, und das geht in dem Alter gar nicht. Hier werden die Eltern unter Umständen Überzeugungsarbeit leisten müssen. Der Verlag sollte in Erwägung ziehen, bei einer eventuellen Neuauflage lieber nicht mehr von einem Märchenbuch zu sprechen.

Die Sprache ist gut geeingnet, um die komplexen Sachverhalte zu erklären, die Geschichte ist spannend, was garantiert, dass die Kinder bei der Sache bleiben. Folgt man allerdings der Logik der Geschichte, erwartet die Tiere des Waldes im Frühjahr die nächste Inflation, denn der Wert des Geldes ist an die Lebensmittel geknüpft, die bis dahin größtesteils gefressen sein werden. Man kann die Kinder ja einmal danach fragen, was denn im Frühjahr passieren wird, wenn Äpfel, Beeren und Nüsse gefressen sind, eigentlich müssten sie darauf kommen, wenn sie das Buch verstanden haben.

Am Ende des Buches folgt der Geschichte ein Glossar, in dem auf vier Seiten nochmals recht ausführlich die Begriffe Arbeitsteilung, Schuldscheine, Zinsen, Geld und Inflation erklärt werden.

Trotz einiger Mängel, die dem Lektorenauge auch bei der privaten Lektüre nicht entgehen konnten (beispielsweise rutscht der Eule die in der Höhle liegengebliebene Brille plötzlich auf den Schnabel, während ein paar Sätze später erwähnt wird, dass sie die Brille ja nicht dabei hat) ein absolut empfehlenswertes Buch, um Kindern von etwa 9-12 Jahren zu erklären, wie eine Wirtschaft funktioniert. Auch mir hat die Lektüre Spaß gemacht, obwohl ich zweifle, dass Erwachsene im Allgmeinen sich davon angesprochen fühlen werden.

Der große Plan

Hanno Beck, Juliane Schwoch: Der große Plan. Wie der gutmütige Waschbär eine Firma gründet, die schlaue Eule das Geld erfindet und beide beinahe vom bösen Wiesel überlistet werden. Ein Wirtschftsmärchenbuch nicht nur für Kinder. Illustrationen von Karsten Schreurs. FAZ 2011, 118 Seiten, Euro 19,90 , ISBN 978-3-89981-258-9.

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