Angie Westhoff: Das Buch der seltsamen Wünsche

Es sind Sommerferien.

Der Waisenjunge Flint kommt aus dem Internat zu seiner Tante Claire in die Buttermelcherstraße 37, wo er die Ferien verbringen wird. Er ist ein ruhiger Junge und so stinknormal, dass die meisten Leute ihn einfach übersehen.

Neu ins Haus eingezogen ist Charlotte, ein etwas exzentrisches Mädchen mit wilden roten Locken, Schnürstiefeln und zwei Röcken übereinander. Flint lernt sie gleich am ersten Abend kennen, als sie alle Hausbewohner zu einer Einstandsparty einlädt.

Am gleichen Abend erfährt Charlotte, dass ihr Cousin Ben einige Wochen bei ihnen verbringen wird, weil seine Eltern verreisen müssen. Charlotte ist nicht begeistert, denn Ben ist ein altkluges Mathegenie.

Bei der Einstandsparty lernen die drei Jette aus dem obersten Stock kennen. Sie ist eine begabte Geigenspielerin, die von ihren Eltern sehr verwöhnt wird und es gewohnt ist, dass alle um sie herumscharwenzeln.

Oh je, dachte ich, als ich mit der Lektüre so weit gekommen war. Klischees ohne Ende. Ein unauffälliger Junge, der sicherlich im Laufe der Zeit an Farbe gewinnen wird, eine wilde Chaotin mit eigenem Kopf, ein kleines Genie (natürlich mit dicker Brille), das die anderen nervt, sich aber doch als sehr nützlich erweist, und eine arrogante Zicke. Und diese vier müssen sich nun aus irgendwelchen Gründen zusammenraufen und stellen dabei fest, dass die anderen viel netter sind, als es zunächst den Anschein hatte. Am Schluss sind sie dicke Freunde.

Und so kommt es natürlich auch. Trotzdem liest sich das „Buch der seltsamen Wünsche“ sehr gut, denn die Handlung ist originell genug, um spannend zu sein:

Flint, Charlotte und Ben werden während der Party vom Hausmeister Schripp gebeten, einen alten Freund für ihn ausfindig zu machen. Jette bekommt das zufällig mit und ist neugierig, um was es bei dem Geheimnis geht. Der alte Freund ist schnell gefunden, er kündigt seinen Besuch bei Schripp an und bittet die Kinder, ihm vorab ein Buch von ihm mitzunehmen. Das machen die vier Kinder gerne, aber zu einer Übergabe kommt es nicht, denn der Hausmeister ist verreist. Das Buch jedoch weckt ihr Interesse. Es heißt „Das Buch der seltsamen Wünsche“ und ist mit der Hand geschrieben. Zu Beginn gibt es genaue Anweisungen, wie damit umzugehen ist: Nur nicht alles auf einmal lesen, ein Wunsch muss erledigt sein, bevor der nächste angesehen werden darf.

Und erst die Einleitung:

Wünsche! Es gibt keine Formel, um sie zu berechnen. Kein Land, in dem sie wahr werden. Und kein Schulfach, das den Umgang mit ihnen lehrt. Es gibt nur dieses Buch mit seinen Regeln. …

Klar, dass die Neugier überhand nimmt und die Kinder sich am ersten Wunsch versuchen. Danach haben sie Feuer gefangen und versuchen, alle Aufgaben zu erledigen und nebenbei das Rätsel des Buches zu lösen. Wer ist der Verfasser. Was haben die komischen Kürzel unter jedem Wunsch zu bedeuten? Und warum werden sie von einigen großen Jungs verfolgt? Dabei erfahren sie eine Menge über sich und ihre eigenen Wünsche und Träume, lernen ihre neuen Freunde gut kennen und verleben nebenbei ganz wundervolle Ferien. Die große Auflösung verblüfft das ganze Haus!

Die Suche der vier Kinder nach Selbsterkenntnis ist in eine interessante Geschichte gepackt worden, die trotz aller Klischees spannend und lustig ist und immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Für die zunächst unlösbar erscheinenden Aufgaben finden die Kinder (teils verblüffend einfache) originelle Lösungen. Sie entdecken, dass jeder von ihnen Fähigkeiten hat, die für die anderen sehr hilfreich sind und überwinden die anfänglichen Abneigungen. Die aufregenden Ereignisse sollten auch Wenigleser bei der Stange halten. Mutter und Sohn hatten jedenfalls ihren Spaß bei der Lektüre.

Für neugierige Jungen und Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren.

Angie Westhoff: Das Buch der seltsamen Wünsche. Klopp 2010, 254 Seiten, Euro 9,95, ISBN 978-3-7817-2319-1

Infos zur Autorin gibt es hier.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

5 Kommentare zu “Angie Westhoff: Das Buch der seltsamen Wünsche

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