Gudrun Sulzenbacher: Ötzi. Der Sensationsfund

In den Ötztaler Alpen, auf 3.200 Metern Höhe, also weit oberhalb der Baumgrenze, wird ein Mann verfolgt. Plötzlich wird ein Pfeil abgeschossen – der Mann stirbt.

Mit einer aufregenden Verfolgungsszene beginnt das Hörbuch über Ötzi, die Gletschermumie. Der Wind heult im Hintergrund und der Hörer hat das Gefühl, in den letzten Lebensminuten des Mannes dabeizusein. Dann wechselt die Szene und man begleitet die beiden deutschen Urlauber Erika und Helmut Simon auf einer Bergtour mit einem befreundeten Paar. Schließlich trennen sich die Wege und die Simons wählen eine Abkürzung. Dabei stoßen sie am Tiesenjoch auf die Leiche eines Mannes, die zum größten Teil im Eis feststeckt. Geschockt melden sie ihren Fund dem dem Wirt der Semilaun-Hütte. Dieser ist nicht sonderlich aufgeregt, schließlich verunglücken jedes Jahr zahlreiche Bergsteiger, außerdem könnte es sich unter Umständen auch um einen Soldaten aus dem ersten Weltkrieg handeln. Weil unklar ist, ob der Mann auf der österreichischen oder italienischen Seite der Grenze liegt, informiert er die Polizei beider Länder.

Die Bergung zieht sich über mehrere Tage hin. In der Nähe der Leiche werden merkwürdige Dinge gefunden, beispielsweise eine Axt mit einem ungewöhnlichen Stil. Die Bergsteiger Reinhold Messner und Hans Kammerlander, die zufällig in der Nähe sind, schauen sich den Fund an. Messner vermutet, dass der Mann schon 500–3000 Jahre dort liegt.

In der Folge erlebt der Hörer die abenteuerliche Bergung mit. Er erfährt von den Untersuchungen der Innsbrucker Gerichtsmediziner, die wegen des altmodischen Messers erstmals einen Altertumsforscher hinzuziehen. Dieser, Konrad Spindler, stellt fest, dass der Fund mindestens 4.000 Jahre alt ist, spätere Untersuchungen ergeben, dass Ötzi in der späten Kupferzeit lebte, also um 3.30 v. Chr. Damit ist er der älteste erhaltene Mensch. Durch seine gute Konservierung sind genaue medizinische Untersuchungen möglich, beispielsweise des Mageninhalts. Die Kleidungsstücke und die Gegenstände, die er bei sich trug, verraten viel über die Lebensweise unserer Vorfahren.

Spannend berichtet das Hörbuch, welche Untersuchungen vorgenommen wurden, welche Schlüsse daraus gezogen wurden, warum Ötzi aus Österreich ins Museum nach Bozen umziehen musste. Was hat es mit dem Fluch der Mumie auf sich? Und was haben die vielen merkwürdigen Zufälle zu bedeuteten?

Der Bericht der Erzähler wird immer wieder durch die Schilderung von Experten unterbrochen. Den Schluss bildet eine längere Spielszene um zwei Kinder, die Ötzi im Südtiroler Archäologiemuseum bestaunen.

Allein die Berichte um den Fund des Kupferzeitmannes sind spannend anzuhören. Zu erfahren, wie die Restaurierungen und Untersuchungen vor sich gingen und welche Ergebnisse sie brachten, ist überaus interessant und keineswegs trocken, wie man vielleicht befürchten könnte. Jung und alt hören gebannt zu. Sulzenbacher hat den Stoff hervorragend aufbereitet, geschickte Szenenwechsel und gute Sprecher sorgen dafür, dass keinen Moment Langeweile aufkommt – der reinste Archäologiekrimi.

Zwei winzige Kritikpunkte: Die Kinder sprechen teilweise ein wenig  gestelzt, die Hintergundgeräusche sind manchmal einen Tick zu laut, sodass der Text im Sturmgeheul ein wenig untergeht.

Für Archäologiefans und alle Neugierigen ab 8 Jahren gilt: unbedingt anhören!

Hörproben bei Headroom oder audible.

Gudrun Sulzenbacher: Rätsel der Erde: Ötzi. Der Sensationsfund. Headroom 2011. 73 min, Euro 12,90 als CD, Euro 9,90 im Download bei audible.de, ISBN 978-3-942175-12-8

Regie: Theresia Singer

Sprecher: Norman Matt, Peer Augustinski, Ernst-August Schepmann, Gregor Höppner, Claudia Mischke, Karlheinz Tafel, Ilse Strambowski, Kerstin Fischer, Johanna Marx und andere

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