Reinhard Keller, Bernd O. Schmidt: Pollino und Pollina entdecken die Welt – Spaß mit Kunst und Kultur in Rom

„Toll, noch 30 Minuten, dann sind wir da!“ Pollina sah aus dem kleinen Fenster. Mit leisem Brummen sauste das Flugzeug durch den strahlend blauen Himmel. Unten erkannten sie schon die ersten Häuser der riesigen Stadt. Pollina und ihr Bruder Pollino befanden sich im Flugzeug nach Rom. Gemeinsam mit ihren Eltern würden sie dort vier Tage verbringen.

Die Geschwister grübeln, wie die sieben Hügel Roms heißen. Pollina greift zum Reiseführer und liest vor. Und schon befinden wir uns mitten im ziemlich umfangreichen Kapitel über die Geschichte Roms. Auf fast 20 Seiten erfahren wir von der sagenhaften Gründung, den Etruskern, römischen Herrschern, dem Weltreich und Römern in Deutschland, lesen über Künstler, den großen Brand, den Wiederaufbau der Stadt, aber auch das alltägliche Leben, die Religion usw. Diese vielen Informationen serviert man den Kindern am besten Häppchenweise, wir haben dazu die lange Anreise im Auto genutzt, sodass auch genug Zeit war, darüber zu sprechen, was die Kinder (Grundschule und Kindergarten) über den einen oder anderen Bereich wussten.

Endlich angekommen, kann es mit der Besichtigung der Stadt losgehen. Der Reiseführer bietet dazu vier Rundgänge an, die natürlich an die eigenen Interessen und das Alter der Kinder angepasst werden können: „Das antike Rom – Wo alles begann“ führt u. a. zu Kolosseum, Palatin, Forum Romanum und Kapitol; „Römische Plätze – Das Leben in der Stadt“ beginnt am Campo de Fiori und dann kreuz und quer durch die Straßen, zum Beispiel über die Piazza Navona, an der Marc-Aurel-Statue und der Spanischen Treppe vorbei bis zu Santa Maria del Popolo; „Der Vatikan – Das kleinste Land der Welt“ behandelt u. a. Petersplatz, Petersdom, vatikanische Museen und Engelsbrücke; „Trastevere – Ein Dorf mitten in Rom“ besucht das gleichnahmige Viertel. Dazu kommen noch zwei Extratouren: „Hauptstadt der Christen“ und „Die Stadt der tausend Wunder“.

Pollina und Pollina überreden ihre Eltern, alleine zu einer Besichtigung Roms losziehen zu dürfen, was gewisse Neidgefühle bei den kindlichen Zuhörern hervorruft. Berichte über die Erlebnisse der beiden Kinder wechseln ab mit eher nüchternen Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten, die sich aber auf die Aspekte konzentrieren bzw. mehr hervorheben, die für Kinder von Interesse sind. Es kann auch vorkommen, dass Pollina einschläft und plötzlich Lucius aus dem alten Rom kennenlernt. An anderer Stelle begegnen die beiden Silvia, einem römischen Mädchen, oder Giuseppe, einem alten Mann, die ihnen Spannendes berichten können. Auf diese Weise ist das Buch sehr abwechslungsreich. Wir haben uns an jeder Sehenswürdigkeit ein Plätzchen gesucht, an dem wir Eltern den passenden Abschnitt vorgelesen haben, bevor wir uns genauer umgesehen haben. Auf diese Art haben wir einen Großteil des Buches vorgelesen (die Extratouren konnten wir aus Zeitgründen nicht machen). Zu Beginn eines jeden Kapitels ist eine Karte mit dem Weg abgedruckt. Leider sind nur die großen Hauptstraßen mit Namen bezeichnet, das ist das einzige Minus des Buches. Soll man in dieses Gässchen abbiegen oder erst an der nächsten Ecke? Entweder man versucht es auf gut Glück oder nimmt doch einen Stadtplan zur Hand. Zwischendurch gibt es aber Detailpläne, sodass wir uns im Großen und Ganzen doch gut zurechtgefunden haben. Schön an den Stadtplänen ist allerdings, dass darauf auch eingezeichnet ist, wo man gutes Eis bekommt oder leckere Pizza essen kann. Ausprobiert haben wir diese Tipps aber nicht, uns überfiel der Hunger immer an ganz anderen Stellen … Der Text wird durch viele Fotos und Zeichnungen aufgelockert, was ich allerdings nicht so wichtig fand: Wenn ich vor der Bocca della Verità stehe, schaue ich mir doch lieber das Original an als das Bild im Buch. Sollte man die Kapitel aber vorbereitend zu Hause lesen, wären sie natürlich sehr nützlich.

Neben den Rundgängen bietet der Führer weitere Informationen: Tipps zu Anreise und Übernachtung, eine Auflistung der Museen und Kirchen mit kurzer Erläuterung und Öffnungszeiten, Feste und Feiertage sowie Freizeittipps (Parks, Zoo, Einkaufen, Essen …). Ein Register hilft bei der Suche nach Sehenswürdigkeiten, sollte man doch mal von der Route abgewichen sein.

Fährt man mit Kindern nach Rom, sollten Pollino und Pollina unbedingt einen Platz im Reisegepäck bekommen. Ein sehr empfehlenswerter Reiseführer, auch wir Erwachsenen mochten die Geschichten. Manche Eltern möchten vielleicht an der einen oder anderen Stelle genauere Informationen und sollten dafür noch einen Reiseführer für Erwachsene dabeihaben. Man muss sich die Zeit nehmen, den Kindern die vielen Texte vorzulesen. Das bringt aber auch willkommene Pausen für die Füße mit sich. Wenn man möchte, dass Kinder Spaß an Städtetouren haben, kann man ohnehin nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen.

Reinhard Keller, Bernd O. Schmidt: Pollino und Pollina entdecken die Welt – Spaß mit Kunst und Kultur in Rom. Ein Reiseführer für Kinder und die ganze Familie. Illustrationen: Stephan Hörmann. Edition Kappa, 4. Auflage 2007, 189 Seiten; farbige Fotos, Zeichnungen und Pläne für Rundgänge, Euro 17,50, ISBN 978-3-937600-09-3 (Hinweis: Ich habe mich an der 3. Auflage von 2005 orientiert)

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