Angela Sinne, Andrea Helbrock: Jules Kuscheltierheim. Oder: Endlich Platz im Kinderzimmer

Jule hat ein gutes Herz. Wenn sie irgendwo ein verlassenes oder gar ausgesetztes Kuscheltier findet, rettet sie es, versorgt es liebevoll und gibt ihm eine Heimat in ihrem Kinderzimmer. Allerdings kommt sie kaum noch zu anderen Sachen, denn all die Tiere müssen gekämmt werden, begrüßt, geknuddelt und ins Bett gebracht. Langsam wird auch der Platz zum Schlafen knapp. Da hat Mama eine Idee. Sie erklärt Jule, wie ein Tierheim funktioniert, dass heimatlose Tiere dort nur so lange untergebracht werden, bis sie eine neue Familie gefunden haben. Zunächst hält es Jule für undenkbar, sich von einem ihrer heiß geliebten Tiere zu trennen, aber dann verliert Nils seinen Plüschhund und ist sehr traurig. Wird Jule ihn trösten können?

Diese hübsch erzählte Geschichte ist sehr nah an der kindlichen Lebenswirklichkeit. Fast jedes Kind hat mindestens ein Kuscheltier, das es heiß und innig liebt, aber die meisten Kinder haben (zu) viele davon. Die Idee, sich von einem Lieblingsspielzeug zu trennen, dürfte den Kindern dagegen sehr fernliegen. Durch Jules Geschichte erfahren sie, dass es zwar schön ist, viel zu besitzen, dass es aber ebenso glücklich machen kann, jemand anderem etwas zu schenken. Die liebevollen Bilder von Andrea Hebrock illustrieren das wunderschön. Manche Kuscheltiere schauen den Leser so mitleidheischend an, dass er sie am liebsten selber retten möchte. In der Mitte des Buches zeigt ein aufklappbares vierseitiges Bild Jules Kinderzimmer mitsamt ihrer vielen Tiere, die zwar hier genäht sind und dort einen aufgesetzten Flicken haben, aber ihre „Mutti“ Jule froh erwarten. Hier gibt es für den Leser einiges zum Schauen: Welche Tiere hat Jule? Oh, sogar eine Giraffe! Und wo findet sie in diesem Bett noch Platz zum Schlafen?

Es gibt einen Grund, warum ich mich für genau dieses Bilderbuch interessiert habe. Ich kenne das Problem. Ich habe nämlich auch einen Sohn, der Kuscheltiere sammelt und in seinem Bett kaum noch Platz zum Schlafen findet. Aus jedem Urlaub wird ein zum Land passendes kuscheltieriges Souvenir mitgebracht. Und so drängeln sich im Kinderbett unter anderem ein schwedischer Elch, ein Seehund von der Nordsee, ein Drache aus dem Phantasialand  und ein Stier aus Spanien. Gar nicht zu reden von der Kuh, die ich idiotischerweise als passend für die Niederlande empfahl. Aber dann war kein Exemplar dieser Spezies aufzutreiben, was uns in gefühlte Hundert Souvenirshops und Spielzeugläden in Amsterdam trieb, bis endlich in einer Ecke eines kleinen Lädchens gleich mehrere glückliche Exemplare auf uns warteten … Ich denke, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, die Kinder werden sich in Jule wiedererkennen und das Buch lieben!

Eine schöne Geschichte, unterhaltsam und auch lehrreich, aber ohne erhobenen Zeigefinger mit sehr ansprechenden Illustrationen. Für Kuscheltiermuttis und -papa, kleine Sammler und alle im Kindergartenalter, die Spaß an einem tollen Bilderbuch haben.

Angela Sinne (Text), Andrea Hebrock (Illustration), Jules Kuscheltierheim. Oder: Endlich Platz im Kinderzimmer. Coppenrath 2012, 32 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3-649-60083-1

Ein herzliches Dankeschön an den Coppenrath Verlag für das Rezensionsexemplar.

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