Andreas Eschbach: Black Out

Es ist gar nicht so lange her, dass ich in meinem „Erwachsenenblog“ wortakzente ein Buch mit dem Titel „Blackout“ (vom Marc Elsberg) rezensiert habe, und zwar hier. Zweimal fast der gleiche Titel bei einem so nahe zusammenliegenden Erscheinungsdatum ist schon ziemlich blöd, aber vermutlich kam das für beide Verlage und Autoren ziemlich überraschend. Während bei Elsberg ein Stromausfall das zentrale Thema ist, spielt er bei Eschbach zwar auch eine wichtige, aber bei weitem nicht so dominante Rolle:

Serenity ist 17 und lebt bei ihrer Mutter. Sie fällt aus allen Wolken als ihr Vater, der durch zahlreiche Buchveröffentlichungen sehr bekannt ist, plötzlich als Terrorist gesucht wird, da er für mehrere Attentate verantwortlich sein soll.

Der gleichaltrige Christopher hat ein Problem. Sein Vater hat an einem wissenschaftlichen Projekt mitgearbeitet, in dessen Folge Christopher ein Chip eingepflanzt wurde, durch den er permanent mit allen anderen Chipträgern verbunden sein ist. Auch ins Internet kann er auf diese Weise. Da der Chip nicht richtig funktioniert, gelang Christopher die Flucht. Nun ist er auf der Suche nach Serenitys Vater, von dem er Hilfe erhofft. Serenity soll ihm helfen, den Weg zu ihm zu finden.

Der Roman beginnt mitten in einer Fluchtszene. Der Leser erfährt, ebenso wie auch ein Teil der Protagonisten, erst nach und nach, was der Auslöser dieser Flucht ist. In vielen Rückblenden wird häppchenweise die Geschichte Christophers erzählt. Die Idee ist originell: Durch einen ins Gehirn gepflanzten Chip sind alle Chipträger miteinander verbunden, sie bezeichnen sich als Mitglieder der Kohärenz. Sie erleben die Gedanken und Gefühle aller anderen mit. Zunächst überfordert sie das etwas, doch schnell ist ihr Gehirn in der Lage, damit umzugehen. Als Ergebnis sind alle gleichgeschaltet. Während zunächst technischer Fortschritt positiv dargestellt wird – die Chips werden ursprünglich entwickelt, um Menschen mit Behinderungen zu helfen – werden im Verlauf der Handlung die Gefahren immer mehr hervorgehoben.

Die Handlung ist sehr spannend, es fiel mir nicht schwer, bis zum (recht plötzlichen) Schluss dranzubleiben. Ich fand allerdings nicht alles plausibel. Wie soll es gehen, immer mehr Gedanken und Stimmen zu verarbeiten? Was ist mit Chipträgern, die in fremden Sprachen denken? Wie sollen alle gleichgeschaltet sein, wo sie doch ganz unterschiedliche Berufe ausüben, in ganz unterschiedlichen Zeitzonen leben, ganz unterschiedliche kulturelle und andere Erfahrungen gemacht haben? Trotzdem finde ich, dass die Gefahren einer grenzenlosen Vernetzung gut dargestellt werden – man kommt schon ein wenig ins Nachdenken.

Die Sprache ist nicht besonders anspruchsvoll, die Protagonisten werden nicht sehr tiefschürfend herausgearbeitet, vor allem die Jugendlichen finde ich jedoch recht gut dargestellt, während viele der Erwachsenen relativ blass sind. Allerdings hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass das Buch ein Jugendroman ist, die jungen Protagonisten sind die Helden und sollen die Hauptrolle spielen. Ob das Camp so Friede-Freude-Eierkuchen-mäßig funktionieren würde, wage ich zu bezweifeln. Menschen auf der Flucht befinden sich eben nicht auf einem Campingausflug, unterschiedliche Meinungen, harte Diskussionen und Konflikte sind eigentlich vorprogrammiert. Dass Serenitys Vater und seine Mitstreiter Christophers gefährlichem Vorschlag so schnell zustimmen, fand ich daher unrealistisch.

Ganz so dick hätte der Wälzer nicht sein müssen. Regalplatz ist bei uns arg begrenzt, die jugendliche Zielgruppe ist aus dem Erstlesealter bereits heraus und benötigt noch keinen Großdruck für altersschwache Augen. Gerade bei einem Jugendbuch finde ich es unmöglich, wenn der Verlag das Format (und damit auch den Preis) derart aufplustert.

Trotz der Kritik: Die Lektüre war spannend und hat mir und vor allem auch meinem Sohn gefallen, der sich zum siebzehnten Geburtstag gleich die Fortsetzung „Hide Out“ gewünscht hat. Für Technikskeptiker und Technikbegeisterte ab 14 Jahren.

Andreas Eschbach, Black Out. arena 2011, 464 Seiten, Euro 17,99, ISBN 978-3-401-06062-0.

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