Adam Slater: Schattenzeit. Wächter der Toten

Schlimme Dinge passieren. Kinder im ganzen Land werden getötet. Callum weiß davon, denn in seinen Träumen versucht er, ihnen zu helfen, vergeblich. Er ist seit seiner Kindheit daran gewöhnt, Geister zu sehen – sie sind fast überall –, aber solche entsetzlichen Träume sind ihm neu. Dann merkt er auch noch, dass er neuerdings in die Zukunft sehen kann. Nur einen kleinen Moment, aber er reicht, um schlimme Ereignisse zu verhindern.

Callum wohnt mit seiner Großmutter in einem fast verlassenen Ort, dessen einzige verbliebene Bewohner die beiden sind. Sein täglicher Schulweg führt durch einen düsteren Wald. Neuerdings wird er dort verfolgt, von einem riesigen geisterhaften Hund. Er hat Angst, aber mit seiner Großmutter kann er darüber nicht reden, die bodenständige Frau würde das alles für Hokuspokus halten. Als wäre er mit all dem nicht genug beschäftigt, legt er sich auch noch mit Ed Bolton, dem größten Idioten der Schule samt seiner gewalttätigen Clique an. Nun hat er die Wahl, sich von Ed eine Portion Prügel abzuholen oder von einem Monsterhund sonst etwas mit sich anstellen zu lassen. Callum ist ziemlich verzweifelt und weiß nicht, wo er Antworten auf seine vielen Fragen finden soll. Doch dann stellt sich heraus, dass Melissa, die er vor Ed beschützt hat, ziemlich viel Ahnung von allem rund um die Geisterwelt hat. Zusammen versuchen sie herauszufinden, was eigentlich los ist. Aber dann gerät Callum unter Mordverdacht …

Callum ist eigentlich ein ganz normaler Jugendlicher, kein Superheld. Zwar hat er diese seltsame Fähigkeit, überall Geister zu sehen, aber er redet mit niemandem darüber. Er ist spielt Rugby, ist ein passabler Schüler, hat keine engen Freunde, ist aber akzeptiert. Allerdings muss er sich manchmal blöde Sprüche anhören, weil er allein mit seiner Großmutter in einem kleinen Häuschen in dem verlassenen Dorf lebt – seine Großmutter wird dann schon mal als Hexe bezeichnet. Callum ist also ein sympathischer Junge, mit dessen Leben sich der Leser weitgehend identifizieren kann. Sehr realistisch wird geschildert, wie er auf dem Heimweg durch den dunklen Wald komische Geräusche hört, wie es ihn immer mehr gruselt. Und dann muss er auch noch jedes Mal am alten Friedhof vorbei, wo es vor Geistern wimmelt. Doch an diesem Abend sind keine Geister dort, und das macht es noch gruseliger – haben die Geister auch Angst vor dem Monsterhund? Die Spannung wird sehr gut aufgebaut, ich habe beim Lesen immer wieder den Atem angehalten, bis Callum wieder auf sicherem Terrain war. Zwischendurch wird die Spannung jedoch immer wieder durch Schulszenen unterbrochen, sodass dem Leser eine Atempause gegönnt wird. Doch dann spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und es ist schwierig, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen.

Die wichtigesten Charaktere sind gut beschrieben, Callum und Melissa werden richtig lebendig. Die Großmutter bleibt zunächst blass, sobald der Leser erfährt, warum sie handelt, wie sie handelt, gewinnt jedoch auch sie an Profil.

Eine sehr spannende Geschichte, die aber stellenweise auch recht gruselig ist und leider auch ziemlich grausam, den ermordeten Kindern fehlen die Augen. Besonders zart besaitet sollten die Leser also nicht sein. Der Verlag empfiehlt das Buch für Leser von 12 bis 15 Jahren, ich würde es aber nicht jedem 12-Jährigen in die Hand geben und vor allem nicht verschenken, wenn ich den Beschenkten nicht näher kenne. Wenn man aber weiß, dass Horror gut ankommt, dann ist es eine ziemlich spannende Lektüre. „Wächter der Toten“ ist der erste Band einer fünfteiligen Serie, Teil zwei ist bereits erschienen.

Adam Slater: Schattenzeit 1. Wächter der Toten. Übersetzt von Ulrich Thile. Loewe 2012. 240 Seiten, Euro 7,95, ISBN 978-3-7855-7368-6

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