Sven Nordqvist: Wo ist meine Schwester?

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ein Faible für großformatige Bücher habe? Schon als Kind habe ich mir immer zuerst die dicken Wälzer aus dem Regal gezogen. Und noch heute hat in der Buchhandlung ein schönes dickes Buch größere Chancen, von mir in die Hand genommen und begutachtet zu werden. Da ist es kein Wunder, dass ich in der Stadtbücherei neulich nicht an dem Bilderbuch mit dem ungewöhnlichen Format 38,4 x 31,4 cm vorbeigehen.

Wie Sven Nordqvist im Nachwort erläutert, hatte er die Idee zu diesem Buch schon vor 25 Jahren. Er wollte ein langes, zusammenhängendes Bild malen, das eine Reise durch eine traumartige Landschaft darstellt. Wegen anderer Projekte, beispielsweise Petterson und Findus, stellte er die Umsetzung immer wieder zurück. Zum Glück hat er sich dann doch an die Arbeit gemacht und eineinhalb Jahre lang gemalt. Erst dann hat er sich eine Geschichte zu seinem Bild überlegt, normalerweise läuft das bei ihm andersherum ab.

Entstanden sind etwas skurile Wimmelbilder, auf denen es so viel zu sehen gibt, dass der Leser die Suche der kleinen Maus (das ist doch eine Maus?) nach seiner Schwester manchmal völlig aus den Augen verliert. Das macht aber gar nichts, im Gegenteil, mit den herrlichen Bildern können sich die Kinder auch ohne vorlesenden Erwachsenen lange beschäftigen. Und immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken, zum Beispiel weißgepunktete Marienkäfer mit Rüsseln, mit denen sie Tinte aufsaugen und schreiben, vergnügte (oder betrunkene?) Kühe, einen Fünfach-Decker und riesenhafte Wesen in winzigen Städten. Müde kehrt die kleine Maus am Ende des Tages zurück – und findet die vermisste Schwester zu Hause in der Küche.

Ein wunder-wunderschönes Buch für Kinder im Kindergartenalter, Schulanfänger und alle Großen, die das Glück haben, es vorlesen zu dürfen.

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Sven Nordqvist: Wo ist meine Schwester? Übersetzt von Angelika Kutsch. Oetinger 2008. 32 Seiten, Euro 19,90, ISBN 978-3-7891-6940-3 (Zur Buchseite)