Heike Abidi: Close Up

Josie, vierzehn Jahre alt, hat einen Traum. Nein, sie möchte nicht wie so viele andere Mädchen Supermodel werden, Schauspielerin oder Sängerin. Josie möchte Regisseurin  werden – und zwar eine berühmte – und übt schon fleißig: Mit ihren Freundinnen Neele und Antonia dreht sie einen Actionfilm. Als ein Casting in der Stadt stattfindet, wollen Neele und Antonia unbedingt dorthin und Josie soll auch mitmachen. Josie weigert sich lange, doch am Ende schleppen die beiden Freundinnen sie  mit. Da sie denkt, dass sie sowieso keine Chance hat, ist Josie sehr locker und ungezwungen – und wird ausgewählt. Erst hat sie überhaupt keine Lust, vor der Kamera zu stehen, aber das Geld könnte sie gut gebrauchen. In den Sommerferien findet nämlich ein Regisseurkurs in LA statt: Flug, Unterkunft und den Kurs, das kann ihr Vater nicht mal eben so bezahlen, ein gut bezahlter Job könnte die Löung sein.

Eigentlich klingt das, als könnte nun alles problemlos seinen Lauf nehmen. Zu dumm nur, dass Josies Schulleistungen miserabel sind. Falls sie die Versetzung nicht schafft, kann sie sich LA abschminken. Außerdem hat sie so viel andere Dinge im Kopf, dass sie ihre Freundinnen dabei völlig vergisst. Ihr Leben geht ganz schön drunter und drüber …

Mir gefällt die Darstellung von Josies Persönlichkeit sehr gut, weil sie so realistisch und lebensnah ist. Sie ist ein typischer Teenager, der alles Mögliche im Kopf hat, nur nicht die Schule. Wie gut kann ich mich an das Entsetzen über schlechte Noten erinnern, die guten Vorsätze, jetzt aber endlich zu lernen, um nach einiger Zeit zu bemerken, dass mir doch alles andere wichtiger war. Bei Josie kreisen die Gedanken vor allem um den Regisseur-Workshop. Als sich ihr unverhofft eine tolle Chance bietet, verliert sie für eine Weile die Bodenhaftung, denkt nur noch an sich und verärgert die Menschen, die ihr wichtig sind. Sie muss kämpfen, um sie zurückzugewinnen. Gleichzeitig wird sie vor eine große Entscheidung gestellt. Ihr innerer Kampf wird überzeugend dargestellt, das machte sie mir sehr sympathisch.

Josie bekommt die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines Filmsets zu schauen. Dabei lernt sie eine Menge (und die Leserin gleich mit), zum Beispiel, dass es sich beim titelgebenden „Close up“ um eine Nahaufnahme handelt.  Die Traumwelt so vieler Mädchen wird sehr bodenständig geschildert und nicht rosarot verklärt.

Die Sprache ist locker, flott, natürlich und temperamentvoll, sodass der Leser regelrecht durch die Handlung fliegt. Langatmige Szenen gibt es nicht. Auch Mädchen, die nicht so große Leseratten sind, werden so sicherlich leicht bei der Stange gehalten. Mein einziger Kritikpunkt ist der Titel: Da ich damit gar nichts anfangen konnte, weiß ich nicht, ob ich das Buch als Geschenk gekauft hätte, ob ich es im Laden überhaupt in die Hand genommen hätte. Zum Glück ist das Cover sehr peppig und auffällig, weshalb hoffentlich trotzdem viele danach greifen – es hat viele Leserinnen verdient.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Cover_Abidi_Closeup

Heike Abidi: Close Up. Pink! 2013. 190 Seiten, Euro, 9,99, ISBN 978-3-86430-014-1

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

2 Kommentare zu “Heike Abidi: Close Up

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