Positive Mädchenbilder gesucht

Auf Facebook wurde ich eben auf die Aktion #BraveGirlsWant to Change the World aufmerksam. Es geht darum, dass Mädchen in den Medien ständig mit einem Frauenbild konfrontiert werden, das aus Prinzessinnen und Models besteht. Ihnen wird vermittelt, dass es vor allem wichtig ist, gut auszusehen, schlank zu sein, brav zu sein und auf ihren Prinzen zu warten. Alles wird dominiert von der Farbe Rosa. Es geht darum, die Medien zurückzuerobern.

Leider kann ich das Video nicht einbinden, ihr findet es hier.

Wie kann man Mädchen ein anderes Mädchenbild vermitteln? Nun, es gibt eine Menge Bücher, Hörbücher und Filme, in denen die kleinen Heldinnen nicht von einem Prinzessinendasein träumen, sondern energisch ihren Platz in der Welt suchen und verteidigen. Und es gibt eine Menge andere Vorbilder als Heidi Klum und Co., die den Mädchen zeigen können, dass der Platz einer Frau keineswegs am Herd sein muss.

Ich möchte hier eine Sammlung solcher Medien starten. Ich bin sicher, euch fallen noch viel mehr Titel ein. Übrigens sind alle genannten Bücher keine reinen „Mädchenbücher“, sondern werden (fast alle) auch gerne von Jungen gelesen werden – sehr wichtig, wie ich finde, da ja auch sie nicht das Bild vermittelt bekommen sollen, dass Mädchen nichts anderes als Hausfrau und Mutter werden können.

Für jüngere Leserinnen und Leser sind die folgenden Bücher toll:

Eine solche Sammlung muss mit Astrid Lindgren und ihrer aufmüpfigen Protagonistin Pippi Langstrumpf beginnen. Aber auch Ronja Räubertochter entspricht nicht gerade dem Bild des braven Mädchens und Eva-Lotte ist in Kalle Blomquist maßgeblich an der Aufklärung der Kriminalfälle beteiligt.

Ebenfalls ein Klassiker ist Die rote Zora von Kurt Held.

Eine meiner persönlichen Lieblingsheldinnen ist Matilda aus dem gleichnamigen Roman von Roald Dahl. Obwohl ihre Begabung in der Familie und zunächst auch in der Schule unterdrückt wird, erkämpft sie sich den Zugang zu Büchern und Bildung.

In Doktor Proktors Pupspulver von Jo Nesboe erleben Lise und Bulle allerlei lustige Abenteuer und retten den verrückten  Professor.

Zwar eine Prinzessin, aber eine, die den Klischees ganz und gar nicht entspricht, ist Igraine Ohnefurcht von Cornelia Funke.

Eine Zeichentrick-Fernsehserie, in der ausnahmsweise mal ein Mädchen die Superheldin spielen darf, ist Kim Possible. Die intelligente Tochter zweier Wissenschaftler muss immer wieder die Welt retten. Ihre Abenteuer gibt es auch als Hörbuch.

Die clevere Hermine in Harry Potter rettet mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen ihre eher spontanen Freunde aus mancher (Lebens-)Gefahr.

Eher für ältere Leserinnen und Leser geeignet sind die folgenden Bücher:

Walküre Unruh ist Schülerin und kämpft als Detektivin in Skulduggery Pleasant von Derek Landy gegen das Böse.

Von den sieben Hauptpersonen in Helden des Olymp von Rick Riordan  (alles Halbgötter) sind drei Mädchen Annabeth, Piper McLean und Hazel Lewesque. Jede von ihnen hat besondere Fähigkeiten, die sie bei ihren Missionen zur Rettung der Welt benötigen.

In Die Kane-Chroniken, ebenfalls von Rick Riordan, werden die Mythen und Götter des alten Ägypten lebendig. Sadie und ihr Bruder Carter müssen mehrfach – na was wohl – die Welt retten.

In Die Geheimnisse des Nicholas Flamel erfahren die Zwillinge Sophie und Josh, dass alle Sagen einen wahren Kern haben. Sie tauchen in diese Welt ein und erleben zahlreiche Abenteuer.

Maxime Chattam beschreibt in Alterra das Schicksal dreier Jugendlicher, Matt, Tobias und Ambre Caldera, wobei Ambre der wichtigste Charakter ist. Sie kämpfen ums Überleben, nachdem Nordamerika durch eine Naturkatastrophe zerstört wurde.

Um ihr Leben muss Katniss in Die Tribute von Panem von Suzanne Collins kämpfen.

Im Königreich der Kälte von Nick Lake handelt von Light, der Tochter einer Inuit und eines Polarforschers, die erkennen muss, dass die Mythologie der Inuit realer ist, als sie es sich je hätte vorstellen können.

Außerdem gibt es zahlreiche starke, durchsetzungskräftige Mädchen in der Reihe Top Secret von Robert Muchamore.

Doch eher nur für Mädchen ist Close Up von Heike Abidi. Josie stellt fest, dass es fast keine weiblichen Regisseure gibt. Aber sie will weder Schauspielerin noch Model werden, sondern eben Regisseurin, was gar nicht so einfach ist.

Meine Söhne schlugen auch die Fünf Freunde von Enid Blyton vor, wegen Georgina, genannt George. Sie möchte unbedingt wie ein Junge behandelt werden. Andererseits gibt es in dieser Serie aber auch die brave Anne, die immer bereitwilligt alle Hausarbeit erledigt und über die schon ich mich als Kind aufgeregt habe. Außerdem stecken diese Bücher derart voller Klischees, dass ich sie nicht wirklich empfehlen kann.

Biografien und berühmte Frauen in Romanen:

Marie Curie erhielt als erste Frau den Nobelpreis und das sogar in zwei Disziplinen. Entsprechend viel Literatur gibt es über sie. Als Schülerin liebte ich die Biografie, die ihre Tochter Eve Curie geschrieben hat: Madame Curie. Über sie gibt es aber auch ein Buch aus der Reihe Abentuer und Wissen: Marie Curie – Die Entdeckung der Radioaktivität von Maja Nielsen. Von Luca Novelli erschien in der Arena Bibliothek des Wissens: Marie Curie und das Rätsel der Atome. Und von Bellinda: Tatort Forschung. Alarm im Laboratorium: Ein Ratekrimi um Marie Curie für jüngere Wissenschaftfans.

Ich habe schon etliche Hörbücher aus der Reihe Abenteuer und Wissen rezensiert. Zwei der Audiofeatures (ziemlich wenig im Vergleich zur Gesamtmenge) befassen sich mit den Lebensgeschichten starker Frauen: So besuchte Alexandra David-Néel als erste Europäerin verkleidet die verbotene Hauptstadt Tibets, Lhasa. Jane Goodall und Dian Fossey schafften es gegen viele Widerstände, bei Menschenaffen zu leben und ihre Lebensweise zu untersuchen.

Für jugendliche Leser ist die Biografie der Atomphysikerin Lise Meitner von Charlotte Kerner geeignet: Lise, Atomphysikerin.

Beim Googeln finde ich noch etliche Biografien von Wissenschaftlerinnen oder Künstlerinnen. Welche könnt ihr empfehlen? Welche Bilderbücher gibt es? Hierzu ist mir nichts eingefallen (abgesehen von Pippi Langstrumpf, was es ja auch als Bilderbuch gibt). Ich bitte um Vorschläge, ich stelle dann eine Liste zusammen (oder vielleicht auch mehrere).

22 Kommentare zu “Positive Mädchenbilder gesucht

  1. Zu den ’nicht braven Mädchen‘ gehört auch unbedingt Munli (Klaus Kordon – Wie Spucke im Sand).
    Sie lebt in Indien und gehört der untersten Kaste an. Eines Tages soll sie Zwangsverheiratet werden. Da flieht sie, zuerst in die Berge zu den Baghis – den Banditen. Dort erlebt sie neben Unterdrückung auch noch Brutalität. Munli zieht in die große Stadt und lebt dort lange auf der Straße bis sie Aruna kennen lernt und in den Verband der Frauen aufgenommen wird der für Selbstständigkeit der Frauen kämpft.

    So kurz gesagt halt. Ein sehr fesselndes, lehrreiches, spannendes Buch ab 12 Jahre.

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  2. Die Mädchen und Frauen in den Romanen von Frederica de Cesco (u. a. Aischa) sind alle starke Persönlichkeiten, die sich durchbeißen müssen. Mal gegen kulturelle-religiöse Widerstände, mal gegen typische Machos (Der Türkisvogel, Name der Protagonistin vergessen…)

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  3. Die schüchterne Samantha Forster, die ein gutes Händchen für Diplomatie und Wildpferde hat, Jungs gut „packen“ kann. In der 24-bändigen Reihe „Phantomstallion“ (auf deutsch bis Band 9 übersetzt als Der Geisterhengst“ ) von Terri Farley. Die Samantha ist der einzige Charakter, alle anderen Protagonisten sind Typen. Es ist spannend ihren Weg ganz zu verfolgen.

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  4. Ich habe heute gleich mal herumgefragt – die meisten „Heldinnen“ wurden hier schon erwähnt: Momo, Pippi, die rote Zora, Ronja und Lotta. Aber auch Heidi, die dicke Tilla, die wilden Hühner, Hilde und der Fünferbund und Djamila wurden genannt. Im Regal meiner Tochter findet sich noch Dagmar Geislers „Wandas geheime Notizen“ – Geschichten von einer Zehnjährigen, die so ziemlich alles hasst, was andere zehnjährige Mädchen mögen. Und dann gibt es da diesen wunderbaren Bildband „Tippi aus Afrika. Das Mädchen, das mit den Tieren spricht.“ – von Sylvie und Alain Degré. Die beiden sind Fotografen und haben ihre Tochter abgelichtet, die am liebsten mit wilden Tieren spielt und deren bester Freund ein Elefant ist.

    LG

    Sabine WV

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  5. Mutige Mädchen gesucht? Da darf Franziska aus Die Reise der blauen Perle nach Österreich nicht fehlen.
    Franziska findet es ungerecht, dass beim traditionellen Tiroler Fasnachtsumzug nur Männer teilnehmen dürfen. Sie will nicht nur waschen und nähen, sondern beim Schemenlaufen mitmarschieren. Franziska verkleidet sich als Hexe und stürzt sich heimlich ins wilde Treiben. Dabei erzählt man sich in Imst, dass schon einmal ein Mädchen in einen Brunnen geworfen wurde, weil es das Frauenverbot missachtet und sich verkleidet hat.

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  6. Zu Kinderbüchern würde mir spontan „Momo“ einfallen, ganz klar eine starke, eigenständige Mädchenfigur. Bei neueren Romanen für Mädchen „Sommer ist barfuß“ von Anna Herzog. Darin gibt es mehrere Kinder und brav sind sie nicht gerade immer … 🙂
    „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green hat auch eine ziemlich starke Protagonistin.

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  7. Auf jeden Fall gibt Astrid Lindgren ihren Mädchen ein positives Bild: So denke ich sofort an „Natürlich ist Lotta ein fröhliches Kind“, aber auch an kleine Heldinnen wie Polly patent, Märit oder die Mädchen, die in Bullerbü leben.

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      • Ja, Märit ist eine der traurigsten Geschichten von Astrid Lindgren, aber auch wunderschön.. Märit ist so verliebt in (ich glaube er heißt) Jonas-Petter, aber der beachtet sie nicht und ist gemein zu ihr, weil sie arm ist und viele Geschwister hat. Irgendwann schenkt er ihr in einem Anflug von Mitgefühl eine kleine Blechdose mit Liebesperlen und Märit ist noch viel verliebter in ihn. Dann gibt es einen Klassenausflug, die Jungs spielen am Kopf eines Berges auf einem großen Felsbrocken. Dieser löst sich und rollt den berg hinunter, genau auf Jonas-Petter zu. Un Märit? Die lächelt und wirft sich dazwischen. Sie stirbt und die Kinder verstehen nicht, warum sie sich überhaupt vor den Fels geworfen hat.
        Der letzte Satz ist nach der Beerdigung und macht die Geschichte umso trauriger: „Und dann dachten sie nicht mehr so viel an Märit.“

        *augenwisch* Eine meiner liebsten Geschichten und meiner Meinung nach eine sehr positiv-tragisch dargestellte Person.

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