Vorsicht Geheimwissen: 111 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du 13 bist

Dies ist wieder eine Rezension für Blog dein Buch:

Warum sollte man in Zeiten der E-Mail noch eine Flaschenpost versenden?

Mit dieser Frage beginnt das Vorwort von „Vorsicht Geheimwissen: 111 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du 13 bist“. Und es gibt auch gleich die Antwort. Das Geheimnisvolle, das Unerwartete ist spannend. Natürlich macht es Spaß, ein Computerspiel zu spielen, aber eine Kindheit, die nur aus Fernsehen, Computer und Wii bestehen würde, wäre doch traurig. Etwas unternommen zu haben, eine Unternehmung geplant und durchgeführt zu haben, etwas gebastelt zu haben, was am Ende funktioniert, macht dagegen nicht nur Spaß, sondern auch Stolz und es vermittelt Fähigkeiten, die vielleicht sogar bei anderer Gelegenheit nützlich werden könnten.

Und so wurden in diesem Buch 111 Aktivitäten, Bastelanleitungen, Kochrezepte und Tipps zum „leichteren Überleben in der Schule“ gesammelt. Bunt gemischt werden Aktivitäten für drinnen und draußen, für Kinder mit Bewegungsdrang und ruhige Tüftler vorgestellt. Das Inhaltsverzeichnis gibt vor jedem Punkt die Möglichkeit abzuhaken, was das Kind tatsächlich ausprobiert oder durchgeführt hat. So könnte es theoretisch dem Motto des Buches folgen und sich durch alle Angebote arbeiten.

Jeder Vorschlag wird auf einer liebevoll gestalteten Doppelseite vorgestellt. Die Seiten sehen aus wie ein Schulheft, liniertes Schreibpapier mit Rand, allerdins etwas bräunlich vergilbt aussehend – als hätte ein imaginärer Schüler vor Jahren all seine Ideen gesammelt. Zusätzliche Hinweise sehen aus, als wären sie auf weißem, karierten Papier geschrieben und mit Klebeband eingeklebt worden. Auf der rechten Seiten ist jeweils ein breiter, andersfarbiger Streifen, auf den ein Rezept steht, zusättzliche Gestaltungstipps oder Ratschläge. Manchmal sind auch „handschriftliche“ Ergänzungen oder Kritzeleien eingfügt, was das Ganze noch authentischer aussehen lässt. Auf diese Weise sind die Seiten locker gestaltet und sehen ganz und gar nicht nach einem Buch aus, das man in einem Rutsch durchlesen soll – das würde vielleicht manch ein Kind, das nicht so gerne liest, abschrecken. Auch das Cover ist schön gestaltet, es sieht aus wie der Verschluss einer Schatzkiste. (Hier zum Blick ins Buch.)

Die Themen sind sehr unterschiedlich, ich nenne einfach die ersten: Was gehört in einen echten Abenteuer-Shake?, Was sind die besten Ausreden?, Wie gründe ich eine Bande?, Wie begeistere ich als Bauchredner mein Publikum?, Sind Bauernregeln reiner Unsinn? Wie baue ich ein Baumhaus?, Wie versorge ich Bisse und Insektenstiche?, Wie baue ich ein Biwak?, Wie entwickele ich eine Choreografie?, Was braucht ein echter Detektiv?

Bei solch einer breiten Auswahl sollte eigentlich jedes Kind genügend Themen finden, die es ansprechen, obwohl sicherlich kein Kind alle 111 Dinge durcharbeiten wird. Einen guten und fleißigen Schüler wird das Thema Spickzettel vielleicht nicht interessieren, Jungen werden das Kapitel zum Schminken links liegen lassen, ein Kind, das in der Stadt wohnt, keine Wildpflanzen im Wald sammeln können, wenn es dabei nicht von Erwachsenen unterstützt wird.

Ich finde viele der Vorschläge richtig toll und gut aufbereitet. So ist garantiert, dass alles klappt und das Kind nicht am Ende frustriert dasteht. Meinem testlesenden Sohn (wenn auch schon 13) gefielen die Kapitel über das Herstellen einer Schleuder oder Zwille und den Umgang mit Pfeil und Bogen besonders gut. Er fand allerdings die Sicherheitshinweise nervig. Dabei steht dort nur, dass man nicht auf Menschen oder Tiere zielen soll. Da bin ich ausnahmsweise nicht seiner Meinung, ich finde solche Hinweise sehr wichtig, auch wenn fraglich ist ob sie etwas bringen. Ich erinnere mich noch gut, dass ich immer Angst vor Jungs mit Zwillen hatte, die die Krampen natürlich mit Vorliebe auf die Mädchen abgeschossen haben …

Ich finde die Mischung recht gelungen: an einem Tag einen Traumfänger basteln oder marmoriertes Papier herstellen, bei schlechtem Wetter etwas über Piraten lesen, bei gutem Wetter eine Schatzsuche machen, Wildpflanzen sammeln oder ein fachmännisches Iglus bauen. Manche Tipps sind richtig wichtig, wie die Versorgung von Insektenstichen, andere eher banal: Denk daran, deine Zahnbürste mitzunehmen, wenn du bei Freunden übernachtest – für die meisten Kinder dürfte dieser Punkt wirklich unwichtig sein.

Manches finde ich nicht so gelungen, so beispielsweise das Kapitel übers Schminken. Tipps zum Kampf gegen Pickel sind sicherlich sehr willkommen. Ob die Jungs sie entdecken, ist allerdings fraglich, denn meine Söhne hätten eine Seite, die dick mit „Was muss ich beim Schminken beachten?“ überschrieben ist, einfach überblättert. Ansonsten halte ich es für sehr fraglich, ob Mädchen, BEVOR sie 13 Jahre alt sind, sich schon derart schminken sollten. Ein dezentes Lipgloss, vielleicht ein bisschen Lidschatten, damit habe ich keine Probleme. Hier aber wird beschrieben, wie sie sich richtig zukleistern: Tagescreme, Concealer, Grundierung, Puder, Rouge, Wimperntusche, Kajal, Gloss oder Lippenstift – Hallo? Dies ist ein Buch für 10-, 11-, 12-jährige Mädchen!

Auch das Spickzettelkapitel halte ich für grenzwertig. Natürlich kommt der Hinweis, dass die Autoren niemanden zum Spicken verführen wollen, dass der beste Spicker derjenige ist, der am Ende nicht benötigt wird. Die Tipps zum wiederholten Zusammenfassen des Stoffs sind auch durchaus nützlich. Aber „gute Verstecke“? Auf ein langes Lineal, wo man „das Geschriebene leicht wegwischen oder wegradieren“ kann? Die Handinnenflächen? Oder die Idee, das Etikett der Trinkflasche durch ein eigenes Etikett zu ersetzen? Hmmm. Die Ideen waren ja schon uralt, als ich noch Schülerin war, abgesehen von der Trinkflasche, so etwas war bei uns nicht erlaubt. Die Lehrer werden seit damals weder blöder noch unaufmerksamer geworden sein. Vielleicht gehört die Erfahrung, mal beim Spicken erwischt worden zu sein, für die Buchmacher auch zu den Dingen, die man mal erlebt haben sollte?

Bei vielen Vorschlägen habe ich mich an meine Kindheit erinnert gefühlt. Natürlich habe ich irgendwann mit meinen Freundinnen eine Bande gegründet, wir haben versucht, ein Baumhaus zu bauen (und sind kläglich gescheitert, hätten wir mal solch ein Buch gehabt!), haben uns eine Geheimschrift ausgedacht, mit Geheimtinte experimentiert, Iglus gebaut, wenn einmal genug Schnee gefallen ist usw. Ich hätte damals sicher liebend gerne gewusst, wie man ekligen Schleim herstellt (damals gab es Slimy, gibt es das eklige grüne Zeug eigentlich noch?). Es wäre doch schön, wenn unsere Kinder, auch wenn sie heute durch Computer und Co. und sicher oft auch ein reichhaltigeres Angebot an Sport oder Vereinen ganz andere Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung haben, auch solche Dinge kennenlernen würden.

Insgesamt ein durchaus empfehlenswertes Buch mit vielen Ideen für Aktivitäten und Unternehmungen für Kinder ab etwa 8 Jahren, das, wie mein Sohn gezeigt hat, durchaus auch für 13-Jährige noch interessant sein kann.

Cover_VorsichtGeheimwissen

Vorsicht Geheimwissen: 111 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du 13 bist. Wissensmedia/Bertelsmann Junior 2013. 208 Seiten, Euro 16,99, ISBN 978-3-577-00333-9.

Hinweis in eigener Sache: WordPress blendet an dieser Stelle gelegentlich Werbung ein. Dies liegt völlig außerhalb meines Einflussbereiches, ich kann sie nicht einmal selber sehen.

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