Antoinette Lühmann: Das Geheimnis des Spiegelmachers

Dies ist wieder eine Rezension für Blogg dein Buch:

Nik führte als Sohn eines wohlhabenden Händlers ein wunderbares Leben, bis plötzlich seine zwei kleinen Brüder starben. Daraufhin musste er die Schule verlassen und sich um die Bücher kümmern, denn sein Vaters ist nicht mehr in der Lage zu arbeiten und auch seine Mutter hat ihr fröhliches Wesen verloren. Glücklich ist er eigentlich nur noch, wenn er auf das Dach klettern, die Aussicht über Amsterdam und den Hafen genießen und von weiten Reisen träumen kann. Auch wenn er mit seiner Freundin Benthe zusammen ist, kann er sein Elend ein wenig vergessen. Doch dann wird er wieder einmal von Luuk und seinen Freunden gehänselt und mit Steinen beworfen. Er läuft weg, versteckt sich in einem Keller und hört zufälligerweise ein Gespräch mit an. Handwerker aus London sind in die Stadt gekommen, jemand wurde ermordet und scheinbar verdächtigen sie ihre Waren, Menschen zu töten. In Nik keimt ein Verdacht: Hatte der wundervolle Stoff, mit dem seine Brüder zuletzt spielten, mit ihrem Tod zu tun?

Nik will das Rätsel erforschen, doch dann beschließen seine Eltern, ihn zu einem Tuchmacher nach London zu schicken. In London hält Nik Augen und Ohren offen und erfährt, dass es auch dort rätselhafte Tode gegeben hat. Je mehr er über die geheimnisvoll Gilde erfährt, desto mehr ist sein Leben in Gefahr. Am Ende bleibt nur die Flucht …

Nik stolpert fast von Anfang an von einem Abenteuer ins nächste, was keine Langeweile aufkommen lässt. Mein Sohn meinte, der Teil in London wäre etwas langweilig gewesen, was ich nicht nachvollziehen kann, denn dort passierte eigentlich am meisten. Nik gibt nicht auf und so erfährt er immer mehr über die Gilde – sehr gefährliches Wissen. Mehr als einmal muss der Leser um sein Leben und das seiner Freunde bangen. Während er in London ist, kommt auch Benthe in Amsterdam in Schwierigkeiten, was er zum Glück nicht weiß. Am Schluss, zurück in Amsterdam, verknüpfen sich zahlreiche lose Enden und es kommt zum großen Showdown. Mir haben, neben den abenteuerlichen Szenen, besonders die Beschreibungen von Amsterdam und Londons in einem (ungenannten) früheren Jahrhundert gefallen, vor allem die Szenen in der St. Paul’s Cathedral, aber auch die sehr plastische Beschreibung von Gerüchen und Geräuschen. Die Handlung ist fantasievoll: Handwerker, die wundervolle Gegenstände herstellen, die ihre Besitzer vollkommen in ihren Bann ziehen und Wunder wirken können, aber leider in der Lange sind, Menschen zu töten – was nicht beabsichtigt war. Was es mit der Gilde auf sich hat, bleibt lange rätselhaft und wird auch am Schluss nicht ganz aufgeklärt. Wie kam es eigentlich dazu, dass gleich eine ganze Gruppe von Männern über solch herausragende Fähigkeiten mit derart unangenehmen Nebeneffekt verfügt? Diese Frage bleibt auch am Ende offen. Die wichtigsten Protagonisten sind sympathisch und relativ glaubwürdig geschildert, obwohl mir die Erwachsenen in Niks Umfeld manchmal etwas zu nett und verständnisvoll sind – es gibt mehr als eine Situation, wo ein paar harsche Worte durchaus verständlich gewesen werden.

Das Cover ist sehr schön gestaltet, allerdings passt ein Junge in Jeans und Ringelpulli wohl kaum ins Zeitalter der Segelschiffe. Schon als Kind habe ich mich sehr geärgert, wenn die Illustrationen nicht zum Text passen, Kinder heute werden das sicher ähnlich empfinden. Die Illustrationen im Buch, kleine Bleistiftzeichnungen, sind dagegen dem Text angemessen.

Die letzten Seiten machen den Eindruck, als könnte womöglich eine Fortsetzung geplant sein: Mindestens ein Handwerker lebt noch unbehelligt in Belgien, andere flüchten, auf einmal wird eine geheimnisvolle Frau erwähnt und Nik soll sich auf große Fahrt begeben …

Abgesehen vom etwas plötzlichen und nicht ganz befriedigenden Ende ein spannender Abenteurroman, der die Leser ab 12 in fremde Zeiten und Welten entführt.

Cover_Lühmann_Spiegelmacher

Antoinette Lühmann: Das Geheimnis des Spiegelmachers. Coppenrath 2014. 367 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-649-61434-0

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