Interview mit Illustratorin Regina Kehn über Das literarische Kaleidoskop

Kehn_Rotkaeppchen-fuer-junge-Leserinnen  Eine Illustration von Regine Kehn – extra fürs Interview gemacht!

Die Illustratorin Regina Kehn hat sehr viele Kinderbücher illustriert, das erste war der „Satanarchäolo… Wunschpunsch“ von Michael Ende. Die Liste der Autoren, für deren Bücher sie gezeichnet hat, ist beeindruckend. Um nur einige zu nennen: Cornelia Funke, Jo Pestum, Eva Ibbotson, Otfried Preußler, Jenny Nimmo, Andreas Steinhöfel. Ich denke, wir sind ihren tollen Zeichnungen alle schon begegnet, entweder in Büchern oder den Zeitungen und Zeitschriften, für die sie ebenfalls arbeitet: Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Stern …

Nun hat sie ein Herzensprojekt verwirklicht: Sie hat kurze Texte und Gedichte von berühmten deutschsprachigen Dichtern ausgesucht, in kleine Portionen geteilt und illustriert: Daniil Charms, James Krüss, Ringelnatz, Kafka, Günther Eich … Die Gedichte wurden Teil der Illustration: handgeschrieben, geklebt, wie auch immer. Wie das aussieht, könnt ihr hier anschauen (auf „weiter“ klicken!). Das Ergebnis ist ein Buch, an dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen ihre Freude haben.

Das literarische Kaleidoskop wurde kürzlich in der Kategorie Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, der im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wird.

Das Interview mit Regina Kehn führte Autorin, Texterin und Netzwerkkollegin Britta Freith:

B. Freith: Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden? Ist der Verlag an dich herangetreten oder du an den Verlag?

R. Kehn: Ich habe im Sommer 2010, ohne an ein Buch zu denken, für mich angefangen Gedichte mit einem großen Pinsel zu schreiben und zu zeichnen, einfach um etwas Neues zu machen. Den ersten Text habe ich in Frankfurt auf der Buchmesse gezeigt, ohne zu glauben, dass jemals ein Buch daraus entstehen wird.

B. Freith: Die Gedichtauswahl finde ich wirklich großartig. Wie kam es dazu?

R. Kehn: Erstmal habe ich natürlich ganz viele Gedichte gelesen. Und dabei entstehen oft innere Bilder, aber eben nicht bei jedem Text.
Wenn diese Bilder diffus waren, hatte ich große Lust, daran weiter zu arbeiten. Manchmal stieg da ein Farbklang auf, oder eine bestimmte Figur. Ein Auswahlkriterium: Das ich mich gefragt habe, was ich noch zu einem Text setzen könnte. Ich habe dabei an Altbekanntem angeknüpft und von dort ausgehend gelesen, also Morgenstern und Ringelnatz, die ich beide gut kannte, aber auch da habe ich Texte neu entdeckt wie „Das arme Kräutlein“.
Eigentlich war die Textauswahl also sehr intuitiv.

B. Freith: Man könnte dieses Buch sowohl kleinen Kindern vorlesen als auch als Erwachsener darin versinken. Hattest du einen speziellen Leser vor Augen, als du es gemacht hast?

R. Kehn: Wie gesagt, als ich angefangen habe, dachte ich gar nicht daran, daraus ein Buch zu machen. Ich wollte eher etwas machen, was nichts mit meiner sonstigen Arbeit zu tun hat – eine Art Weiterentwicklung. Als sich der Fischer-Verklag dafür interessiert hat, war ich total glücklich. Danach hab ich mich total in die Texte hinein begeben, die waren Maßstab, dies umzusetzen war die Herausforderung.

B. Freith: Über welchen Zeitraum ist das Buch entstanden?

R. Kehn: Ich habe fast drei Jahre immer wieder daran gearbeitet, das letzte Jahr vor Abgabe im Sommer 2013 fast vollständig.

B. Freith: Mir gefällt besonders, dass du unterschiedliche Stilmittel aufgreifst, sehr experimentell wirst – sicher auch über deine alltägliche Arbeit als Kinderbuchillustratorin hinaus. Wirst du damit künstlerischer, kehrst zu deinen Wurzeln zurück, oder …?

R. Kehn: Ich zeichne ja schon sehr lange, aber ich wollte ganz weg vom Gewohnten. Und daher habe ich angefangen, mit der linken Hand zu zeichnen und zu schreiben, weil ich nicht in die vertrauten Bewegungen kommen wollte. Und das war sehr interessant, weil ich man in so einem Fall nicht mehr auf das zurückgreifen kann, was man so kann und so macht, weil die linke Hand sich ihren Weg erst suchen muss. Ich habe dann wieder auf die rechte Hand gewechselt, aber mich weiter in diesem Spannungsfeld bewegt und vom Prozess leiten lassen. Generell mag ich diesen Pinselstrich, weil jede Bewegung der Hand im Duktus deutlich wird und er sehr lebendig zu handhaben ist. Es war im Grunde ganz simpel: Der Pinsel, die Wasserfarbe, die Tusche auf dem Papier …

Ich wollte also weg vom Üblichen, zurück zur Wurzel, zur ursprünglichen Liebe zur Zeichnerei und im Prozess haben sich ganz andere neue Dinge ergeben.

B. Freith: Ich musste beim Lesen auch an die alten 70er-Jahre-Bücher von Beltz & Gelberg denken und an die Jahrbücher für Kinder aus dem gleichen Verlag, diese Wundertüten voller Vielfalt. Siehst du dein Buch in einer bestimmten Tradition oder steht es einfach für sich?

R. Kehn: Es steht schon für sich. Manchmal habe ich still bei der Vorstellung gelacht,in diesen digitalen Zeiten ein Buch zu veröffentlichen,
welches nur handgeschriebene Text enthält. Auch die Verbindung Text und Bild auf einem Blatt, und das zeilenweise bebildern,
wodurch die Gedichte sich über einige Seiten erstrecken, ist neu.

B. Freith: Hast du bereits ein nächstes Herzensprojekt?

R. Kehn: Nein, es gibt ein paar Ideen, noch etwas diffus und zu früh darüber zu sprechen.

Herzlichen Dank an Regina Kehn und Britta Freith!

Cover_Kehn_Literarischeskaleidoskop

Regina Kehn (Hg. und Illustrationen): Das literarische Kaleidoskop. Fischer KJB 2013. 224 Seiten, Euro 16,99, ISBN 978-3596856183.

Zur Verlagsseite (dort gibt es auch eine Leseprobe) – Das literarische Kaleidoskop bei Amazon

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