Annette Tison, Talus Taylor: Ferien mit Barbapapa

Ich habe die Barbapapa-Familie als Kind geliebt. Ich hatte einen Setzkasten mit fast allen Figuren, eine einzige fehlte mir noch. Ob sie noch bei meinen Eltern auf dem Dachboden zu finden sind? Ich kannte alle Namen, behalten habe ich mir nur Barbapapa, Barbamama und Barbarella. Auf den inneren Umschlagseiten wird zum Glück die ganze Familie vorgestellt, die anderen 6 Kinder heißen Barbaletta, Barbalala, Barbatrix, Barbawum, Barbabo und Barbakus. Wer sie nicht kennt: Es handelt sich dabei um Fantasiefiguren unterschiedlicher Farbe, die je nach Geschlecht wie eine Birne (männlich) oder Acht (weiblich) geformt sind. Sie haben die tolle Fähigkeit, ihre Form zu verändern, als wären sie aus Knete. So können sie sich in das verwandeln, was sie gerade benötigen. Ich denke, das ist es auch, was Kinder so daran lieben. Wie praktisch wäre es, wenn man das könnte: sich lang und dünn zu machen, um einen Apfel vom Baum zu pflücken oder ganz platt, um ein Spielzeug hervorholen zu können, das unter den Schrank gekullert ist. Jedenfalls war ich ganz begeistert, als ich in einem Buchkatalog entdeckte, dass es die Barbapapas auch heute noch gibt. Netterweise hat mir der Verlag auch gleich zwei Bilderbücher zur Rezension zur Verfügung gestellt. Danke.

Hier ist Nummer 1:

Es ist kalt. Es regnet. Die Barbapapas finden den Winter unendlich lang.

Doch zum Glück hat Barbapapa eine Idee: Die Familie könnte doch Urlaub machen. Also verwandeln er und Barbamama sich in Flugzeuge, laden alle Kinder ein und fliegen zu einer wunderschönen Insel. Dort sind erst einmal alle glücklich. Sie sonnen sich, schwimmen, verwandeln sich in Boote und fahren sich gegenseitig auf dem Wasser umher, Mama verwandelt sich in eine Wasserrutsche, alle haben Spaß. Gegen den Hunger gibt es Früchte, abends wird gegrillt und die Familie macht Musik.Doch nach einigen Tagen beginnen die Kinder, sich über Kleinigkeiten zu streiten. Sie wollen nicht mehr gemeinsam spielen, jeder schmollt in irgendeiner Ecke. Schließlich baut sich jeder eine eigene Hütte, die er in seiner eigenen Farbe anmalt. Darüber hängen Fahnen mit Sprüchen wie: „Gelb oder gar nichts“ oder „Lila ist schöner“. Doch dann bespritzen sie sich aus Versehen mit Farbe, daraus wird eine große, wütende Farbschlacht. Die Eltern stehen erschrocken dabei. Doch am Ende sind alle Kinder gleichermaßen bunt. Die eigenen Farben, die ihnen gerade noch so wichtig waren, sind nicht mehr zu erkennen. Die Kinder merken, wie dumm sie gehandelt und gedacht haben und versöhnen sich wieder. Die Familie baut eine neue Hütte, schön groß, damit alle hineinpassen.

Es handelt sich um ein Bilderbuch mit wenig Text, bei dem die Bilder den überwiegenden Teil einnehmen. Der Text ist auch kaum nötig, denn man kann auch anhand der Bilder den Ablauf der Handlung wunderbar nachvollziehen. Das Thema „Streiten und versöhnen“ kennen sicherlich alle Kinder, die Geschwister haben: Wegen irgendwelcher Kleinigkeiten bekommt man sich in die Haare, steigert sich in seinen Ärger hinein, bis es einen richtig großen Krach gibt. Aber zum Glück kann man sich ja wieder versöhnen! Das zweite Thema finde ich sehr wichtig und gut verpackt: Es ist doch vollkommen egal, dass die Kinder unterschiedlich aussehen. Es sind alles Kinder, die gerne miteinander spielen und Spaß haben können!

Ein schönes Bilderbuch, nicht nur für nostalgische Eltern wie mich, sondern auch für ihre Kinder. Da die Seiten aus Papier sind, empfehle ich es ab etwa 4 Jahren.

Barbapapa_Cover

Annette Tison, Talus Taylor: Ferien mit Barbapapa. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. atlantis 5. Auflage 2012. 40 Papierseiten, Euro 9,95, ISBN 978-3-7152-0546-5.

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