Michelle Kaden: Die verborgenen Pforten 2. Gedankendiebe

Im ersten Teil der Trilogie, Jacobs Vermächtnis (zur Rezension), waren durch ein Versehen bzw. Neugier die Kinder Prinzessin Leia, Werwölfin Clara, Vampir Roger und Magier Vincent durch eine geheime Pforte von ihrer Welt in die Menschenwelt gelangt. Dort lernten sie Janosch kennen, dessen Großvater in dieser Welt der Wächter der Pforte war, bis er deswegen ermordet wurde. Diese Pforte wurde verschlossen, sodass die vier nicht durch sie nach Hause zurückkehren können.

Im zweiten Band „Gedankendiebe“ versuchen die Kinder, mithilfe eines auf dem Dachboden gefundenen Tagebuchs weitere Pforten zu finden. Als sie eine entdecken, stehlen sie Geld von Janosch Mutter und machen sich auf den Weg. Die Zugfahrt ist für die Kinder, die noch nie eine Eisenbahn gesehen haben, sehr abenteuerlich. Erschwerend kommt hinzu, dass Clara sich gerade verwandelt hat und wie ein sehr, sehr großer Hund wirkt. Janosch hat Angst, dass seine Mutter die Polizei verständigt. Als sie sich verfolgt fühlen, steigen die Kinder vorzeitig aus und mieten sich erst einmal in einem Hotel ein. Leider stellt sich heraus, dass sie keineswegs von der Polizei verfolgt werden, sondern von Wesen aus der anderen Welt, die unbedingt das Tagebuch haben wollen. Der Weg durch die erste Pforte ist ihnen versperrt, sie machen eine zweite ausfindig. Dort kommt es zu einem Kampf zwischen den Verfolgern, den Gedankendieben, der Wächterin der Pforte und Clara. Hektisch flüchten sich die Kinder in die Pforte, wodurch auch Janosch versehentlich nach Sora Minoo gelangt. Sie machen sich auf den Weg zu ihren Eltern in die Hauptstadt Aselija, aber dabei begegnen sie einigen der Monster, die durch die Gedankendiebe aus den Träumen der Menschen geschaffen wurden und die die Welt bedrohen. Sie geraten in die Hände von Werwölfen und müssen später Vampire von ihren guten Absichten überzeugen – nicht einfach, weil die Freundschaft der Kinder etwas Außergewöhnliches ist, Vampire und Werwölfe sind verfeindet. Zu allem Übel scheint ein Krieg unausweichlich zu sein. Werden die Kinder es schaffen, Sora Minoo zu retten?

Wie der Vorgängerband ist auch der zweite Teil sehr spannend, eher ist er noch spannender. Die Kinder geraten mehrmals ernsthaft in Gefahr und müssen um ihr Leben kämpfen. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten sind noch nicht ausgereift, aber im Notfall gelingt es ihnen, sie zu ihren Gunsten zu nutzen. Die Schwierigkeiten der verschiedenen Völker miteinander werden gut und nachvollziehbar geschildert. Auch wird deutlich, dass vieles auf uralten Vorurteilen beruht. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Menschenwelt durch die Augen der fremden Kinder geschildert ist stellenweise amüsant, ebenso wie Janoschs Verhalten in Sora Minoo. Vor allem Janoschs Frettchen, das durch einen Zauberfehler Vincents plötzlich sprechen kann und mit seiner Meinung nicht hinter den Berg hält, ist immer wieder für einen Schmunzler gut.

Die Protagonisten mit all ihren Eigenschaften sind gut herausgearbeitet, auch die ungewöhnlichen Gedankendiebe (Spinnenmenschen) sind so geschildert, dass sie beim Lesen lebendig werden. Die fremde Welt macht die Schilderung exotischer und spannender. Ich habe den Inhalt natürlich sehr verkürzt dargestellt, es gibt noch weitere sehr interessante Charaktere, auf deren weiteres Schicksal ich ebenso gespannt bin wie darauf, wie es den Kindern weiterhin ergehen wird.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Die Handlung setzt unvermittelt ein, ohne dass wenigstens auf einer Seite die Ereignisse des ersten Bandes zusammengefasst und die Kinder kurz noch einmal vorgestellt werden. Es war über ein Jahr her, dass ich den ersten Band gelesen habe, und ich konnte mich anfangs nicht mehr genau erinnern, wer wer ist und was passierte. Die Erinnerung kam im Laufe des ersten Kapitels zurück, aber in Band drei könnte man den Lesern den Wiedereinstieg ja leichter machen. Noch spannender als der erste Teil und, durch den Ortswechsel in die fremde Welt, voller überraschender Wendungen. Für Fantasy-Fans von etwa 10 bis 12 Jahren.

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Michelle Kaden: Die verborgenen Pforten. Gedankendiebe. Pepperbooks 2014. 382 Seiten, Euro 14,94, ISBN 978-3-943315-07-3.

Zur Verlagsseite – bei Amazon

Ich danke Pepperbooks für das Rezensionsexemplar.

 

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