Frank Schuster: Das Haus hinter dem Spiegel

Lorina hört ein Geräusch aus dem Wohnzimmer. Als sie nachschauen geht, läuft Kitty davon, ein Kätzchen aus der Nachbarschaft, das überhaupt nicht ins Haus darf. Dann sieht sie die Bescherung: Die Katze hat das Schachbrett ihres Vaters umgeworfen, auf dem er ein Fernschach-Spiel mit einem Freund spielt. Alle Figuren liegen durcheinander auf dem Boden. Dann erst bemerkt sie ihre kleine Schwester Eliza, die merkwürdige Dinge sagt und die schwarze Königin an sich presst. Während Lorina die Schachfiguren aufsammelt, läuft Eliza nach draußen, wo ihr eine Elster die Schachfigur stiehlt. Was nun? Während Lorina darüber nachdenkt, wie sie das am besten ihrem Vater beibringen, fällt ihr auf, wie komisch ihre kleine Schwester auf einmal ist. Sie redet von einem Land hinter dem Spiegel, sagt merkwürdige Namen und behauptet sie hieße Alice. In den nächsten Tagen häufen sich die Merkwürdigkeiten: Eliza schreibt in Spiegelschrift, kann komische Gedichte auswendig und hat einen Leberfleck auf einmal auf der anderen Seite. Einem Lehrer fallen die Ähnlichkeiten zur Geschichte „Alice hinter den Spiegeln“ auf. Sollte es da einen Zusammenhang geben? Und was kann man tun, damit Eliza wieder wie früher wird?

Diese Geschichte ist eine Art Fortsetzung des Buches von Lewis Carroll. Der alte Spiegel im Wohnzimmer, der in England gekauft wurde, scheint Eliza verändert zu haben. Vielleicht war sie sogar wirklich im Land hinter dem Spiegel. Oder es ist tatsächlich nicht Eliza, sondern Alice, wie sie behauptet, was ihr aber niemand glaubt? Die Mädchen müssen ein großes Rätsel lösen und nebenbei auch noch versuchen, die verschwundene Schachfigur zurückzubekommen, bevor ihr Vater es merkt. Die Leser sind nicht nur gespannt, wie die geheimnisvolle Geschichte ausgeht, ganz nebenbei erfahren sie er auch einiges über „Alice hinter den Spiegeln“. Es schadet nichts, wenn er das Buch nicht gelesen hat. Ich selbst habe es als irgendwann als Kind in der Bibliothek ausgeliehen und erinnere mich nur sehr grob daran, aber trotzdem konnte ich der Handlung vollkommen problemlos folgen. Es könnte allerdings sein, dass die Kinder hinterher Lust haben, in das Original zu schauen – was ein schöner Nebeneffekt wäre.

Es gelingt dem Autor gut, die Welt von Lewis Carroll in sein Buch einzubinden. Die Charaktere sind, auch auf unserer Seite des Spiegels, allerdings teilweise etwas merkwürdig, sodass ich mich gefragt habe, ob sie auch von der anderen Seite gekommen sind. Dies ist sicherlich auch beabsichtigt. Lorina ist liebenswert, Eliza bleibt rätselhaft, was ja in der Natur der Dinge liegt. Auch Nebenfiguren werden so geschildert, dass sie vor dem Auge des Lesers lebendig werden, wie beispielsweise die nervigen Zwillinge oder der Nachbar vom Patentamt. Die Sprache fand ich gelegentlich etwas umständlich oder sperrig, insgesamt ließ es sich aber flüssig lesen. Die Geschichte ist nicht unbedingt ein Page-Turner, aber doch so spannend, um die Leser bei der Stange zu halten.

Die Bezüge zu Carrolls Klassiker sind vielfältig und mal mehr, mal weniger offensichtlich. So habe ich gerade durch Zufall festgestellt, dass die Schwester von Alice Liddell, die das Vorbild der Buch-Alice war, Lorina hieß. Ansonsten gibt es viele Buchzitate, vor allem Nonsense-Gedichte.

Das Buch ist laut Verlag für Kinder ab 8 Jahren geeignet. Ich schränke ein, dass sie schon gut lesen können müssen, denn die Schrift ist klein und es gibt keine Bilder. Ich denke, dass das die Geschichte Kindern bis etwa 12 Jahren gefällt.

Cover_Schuster_Haushinterdem Spiegel

Frank Schuster: Das Haus hinter dem Spiegel. mainbook 2014. 180 Seiten, Euro 10,50, ISBN 978-3-944-12472-8.

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