Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Carlin kopfüber

Carlin ist eine kleine Fledermaus. Seine Geburt erregt Aussehen, denn er rauscht kopfüber durch die Blätter des Baumes nach unten. Außerdem hat er sich mächtig viel Zeit gelassen, die anderen Fledermausbabys sind alle schon da. Es stellt sich heraus, dass sich Carlin bei allem viel, viel Zeit lässt. Zum Beispiel beim Fliegenlernen. Viel lieber hängt Carlin kopfüber im Baum, lässt sich regelmäßig füttern und hat Spaß mit seiner Freundin, Nachtfalter Berga, die gleich nebenan aus dem Kokon geschlüpft ist. Berga fliegt umher und berichtet von den Dingen, die sie erlebt hat. Warum sollte Carlin also fliegen? Alles ist bequem so. Irgendwann machen sich die anderen Fledermäuse Sorgen. Wie soll er nur ins weit entfernte Winterquartier gelangen?

Ja, durfte man das überhaupt? So lange warten?
Warum nicht. Carlin hatte eben sein eigenes Tempo.

Doch eines Tages, ohne vorher zu üben, fliegt Carlin einfach los. Als die Zeit gekommen ist, verabschiedet sich Carlin von Berga, nicht ohne sich für den Frühling zu verabreden.

Carlin flog. Und wie er flog. Er flog und flog und … ja, wohin flog Carlin eigentlich? Egal! Hauptsache, er flog!

Das kommt einem doch sehr bekannt vor. Wie viele Menscheneltern vergleichen die Fledermäuse ihre Kinder und Carlin muss sich immerzu anhören, dass er langsamer ist. Zum Glück stört er sich nicht daran, denn er ist sich sicher, dass er fliegen kann, wenn er es irgendwann einmal will. Und seine Eltern drängeln auch nicht, sondern lassen ihm die Zeit, die er braucht. Eine wichtige Botschaft wurde hier in eine hübsche Geschichte eingewoben: Jeder hat sein eigenes Tempo – und das steht ihm auch zu. Das ist sicherlich gerade für Kinder wichtig, die sich vielleicht grämen, weil sie irgendetwas noch nicht so gut können wie ihre Freunde. Aber auch für die flotten Kinder ist die Geschichte gut, denn sie können erfahren, dass es keinen Grund gibt, jemanden zu hänseln, weil er etwas noch nicht kann. Früher oder später wird auch er es lernen.

Bei den Bildern muss man genau hinschauen. Meist sieht man den Baum, eine oder mehrere herunterhängende Fledermäuse, den Nachtfalter und auch einmal eine Eule. Aber vor lauter Blättern und Ästen ist das manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Ein Teil des Bildes ist jeweils gemalt, die Blätter wurden in einer Art Tropf- oder Kleckstechnik erzeugt. Man kann in ihnen immer wieder neue Details entdecken, die Kinder sind mit Schauen beschäftigt, während sie zuhören.

Zusätzlich zur Geschichte gibt es noch zwei Zugaben: Für alle, die danach einmal ausprobieren wollen, wie das wohl ist, eine Fledermaus zu sein, gibt ein Waldspiel für eine Kindergruppe namens „Fledermaus und Motte“. Außerdem werden manche Kinder sicherlich mehr über Fledermäuse erfahren wollen. Dazu gibt es einen Text des NABU Sachsen, in dem erklärt wird, wie Fledermäuse leben und welche Fledermausarten es in Deutschland gibt. Das rundet die schöne Geschichte wunderbar ab.

Für kleine Noch-nicht-Flugkünstler von etwa vier bis sechs Jahren.

Cover_Carlinkopfüber
Kirsten Hinkler, Marc Hartmann: Carlin kopfüber. Waldhuhn 2014. 32 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-943671-04-9.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.