Angie Westhoff: Der geheime Club

Eines Morgens hängen in der Schule lauter Plakate, die für einen coolen neuen Club werben. Doch es gibt keine Infos darüber, was im Club passiert, wo man Informationen finden kann und bei wem man sich melden muss, wenn man Mitglied werden will. Als am nächsten Tag noch viel mehr Plakate hängen, gibt es nur noch ein Gesprächsthema. Alle rätseln: Ist es ein Club für Sportler, für Intelligenzbestien, für Musiker? Oder für wen sonst? Als der erste Schüler verkündet, dass er Mitglied geworden ist, versuchen alle zu analysieren, welche Eigenschaften man braucht, um aufgenommen zu werden. Weitere Schüler folgen und bei den meisten, die noch nicht ausgewählt wurden, wird die Sehnsucht, endlich auch dazuzuhören, immer größer – obwohl immer noch niemand weiß, was dort überhaupt passiert. Lisa, ihre Freundin Jenny, Leander und Sergio finden die ganz Sache merkwürdig und nehmen sich vor, die Hintergründe herauszufinden. Eigentlich gehört auch noch Babette zu der Gruppe, doch sie findet den Club unheimlich faszinierend. Ist ihr der Club wichtiger als ihre Freundinnen? Und können sich die anderen seinem Sog entziehen?

Ich fand die Geschichte sehr spannend, weil bis fast zum Schluss vollkommen offen bleibt, was sich hinter dem Club verbirgt und welche Interessen verfolgt werden. Irgendwann überschreiten die vier Skeptiker einen kritischen Punkt und es wird richtig gefährlich. Es war beeindruckend, aber auch erschreckend zu sehen, wie die Schüler fast alle total verrückt darauf waren, bei einer Sache mitzumachen, nur weil sie als unheimlich cool und trendy verkauft wird. Sie wollen dazugehören und als die Clubmitglieder ohne Widerspruch ihre Macht ausüben, wollen sie auch mächtig werden. Die Schilderung ist so realistisch, dass man sich sehr gut vorstellen kann, dass das an jeder Schule passieren könnte. Natürlich gibt es immer auch ein paar Schüler, die sich von so etwas nicht anstecken lassen. Interessant wäre zu erfahren, was es braucht, um nicht anfällig zu sein. Der Club bietet Spaß, das mag fast jeder. Er bietet die Möglichkeit, Macht auszuüben, was vor allem diejenigen faszinierend ist, die von Lehrern, Mitschülern, Eltern oder Geschwistern viel Druck erleben. Die Mitglieder der „Anti-Gruppe“ eint, dass sie relativ selbstbewusst sind, ein gutes Verhältnis zu den Eltern haben und zu Hause recht viele Freiheiten bekommen. Das scheint für eine gewisse Widerstandskraft zu sorgen.

Die Charaktere sind realistisch geschildert, außer Hauptfigur Lisa und in geringerem Umfang Jenny, Babette und Leander bekommen sie aber wenig Konturen. Die Geschichte liest sich super. Ich bin sehr schnell so gefesselt gewesen, dass ich mich zwingen musste, das Buch wegzulegen, um ins Bett zu gehen. Ich glaube, Jugendliche, die das Buch lesen, werden das Szenario schnell auf ihre Schule übertragen und überlegen, welche Schüler bei ihnen zum Club gehören würden. Aber was wäre mit ihnen? Fänden sie es auch verlockend? Ich fürchte, ich hätte als Schülerin gerne dazugehören wollen. Das werden auch viele Leser merken und sich ihre Gedanken darüber machen.

Eine spannende und faszinierende Lektüre für Jugendliche von 12 bis 15 Jahren.

Cover_Westhoff_DergeheimeClub
Angie Westhoff: Der geheime Club. PINK 2015. 192 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-86430-042-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in jeder Buchhandlung.

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