Katrin Bongard: Loving

Ella, fast 17, ist ein typischer Bücherwurm. Sie verschlingt stapelweise Bücher und schreibt ein Buchblog. In der Schule gehört sie zu den Unscheinbaren: ein Intelligente mit dicker Brille, Schlabberpullis und nicht besonders sportlich. Als sie für ein Deutschprojekt ausgerechnet mit dem gutaussehenden Luca zusammenarbeiten muss, in den so ziemlich jedes Mädchen in der Schule verliebt ist – auch ihre beste Freundin Zoe –, passiert es: Sie verknallt sich. Nachdem sie ihre Augen lasern lässt, braucht sie keine Brille mehr. Zoe hilft ihr, sich besser zu stylen und plötzlich schauen sich alle nach dem hübschen Mädchen um. Auch Luca. Doch ist der nicht mit Melanie zusammen? Und was empfindet Ella für Alex, den sie auf der Buchmesse kennenlernt? Sie muss lernen, dass es ganz schön kompliziert ist, verliebt zu sein.

Die erste Liebe

Die Bücherliebhaberin und Bloggerin Ella ist sehr gut dargestellt. So denkt eine Buchbloggerin! Sie ist aber auch ein typischer Teenager, der sich zunächst gar nicht für Jungen interessiert und nur als Beraterin in Liebesdingen für ihre Freundin fungiert. Als es sie dann selbst erwischt, stellt sich ihr ganzes Leben auf den Kopf. Plötzlich ist ihr das Blog nicht mehr so wichtig, sie ist mehr damit beschäftigt, Lucas Blicke und Bemerkungen zu interpretieren. Viele Missverständnisse sorgen dafür, dass es viele Aufs und Abs in der Beziehung gibt und ebenso geht es Ellas Stimmung. Das alles ist sehr realistisch dargestellt. Von den ersten zärtlichen Berührungen über heiße Küssen bis zum ersten Mal sind die Leser mit dabei. Diese intimen Momente werden, wie ich finde, weder kitschig noch voyeuristisch dargestellt, sondern einfühlsam und realistisch. Allerdings hat es mich doch ein wenig gewundert, wie schnell das eben noch schüchterne Mädchen zur Sache kommt. Die Ereignisse werden aus Ellas Sicht geschildert. Ihre Ängste und Sorgen, ihre Verliebtheit und Verwirrung, ihre (Miss-)Interpretationen und Reaktionen werden sehr nachvollziehbar geschildert, was sie zu einer sehr sympathischen Protagonistin macht. Durch das Schulprojekt spielt das Bloggen eine recht wichtige Rolle, ebenso wie „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Wie sich zeigt, gibt es durchaus Parallelen zwischen den beiden Liebesgeschichten. Das macht die Geschichte besonders und macht vor allem denjenigen Spaß, die die Anspielungen verstehen, weil sie das Buch gelesen oder den Film gesehen haben. Das Ende fand ich etwas abrupt. Es schadet nicht, dass einiges offen bleibt, aber ich finde, das eine oder andere hätte doch geklärt werden sollen. So viele ungeklärte Missverständnisse sollten nicht in der Luft hängen bleiben.

Die Sache mit der Brille

Ich kann mich in Ella ziemlich gut wiedererkennen als Teeny mit dicker Brille, der Bücher verschlingt. Wenn es das damals schon gegeben hätte, hätte ich bestimmt auch ein Buchblog gehabt. Aber he, wir leben im Jahr 2015 und das scheint an der Autorin vorbeigegangen zu sein. Ich habe auch sehr schlechte Augen und hatte als Jugendliche immer mit den Glasbausteinen vor meinen Augen zu kämpfen. Die Brille war schwer, sie störte beim Sport, ich hatte ewig Druckstellen auf der Nase. Aber heute ist das doch nicht mehr so. Meiner Brille mit hochbrechenden Kunststoffgläsern sieht man nicht mehr an, wie stark sie ist. Sie ist nicht mehr so schwer und drückt nicht. Okay, das Problem, dass die Gläser beschlagen, gibt es auch heute noch. Ellas Eltern sind offensichtlich wohlhabend. Ihre Tochter hätte ganz sicher eine Sportbrille. Und dann Zoes Reaktion nach der Augen-OP: Ganz verwundert stellt sie fest, wie gut ihre Freundin ohne Brille aussieht. Dabei kennen sich die beiden seitdem Kindergarten. Sie haben nach dem Sport zusammen geduscht, waren bestimmt gemeinsam im Schwimmbad und Zoe hat schon etliche Male bei Ella übernachtet. Man weiß, wie seine beste Freundin ohne Brille aussieht! Diese Brillenstory ist  ein blödes Klischee: hässliches Entlein entpuppt sich nach der Augen-OP als stolzer Schwan. Dabei gibt es so schicke Brillen und es haben wirklich nicht alle Mädchen Kontaktlinsen. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Mädchen mit Brille keinen Freund finden würden? So ein Unfug! Hier wurde mir viel zu dick aufgetragen.

Fazit

Aber gut, abgesehen von der Sache mit der Brille finde ich die Geschichte recht gut gelungen. Die Lektüre machte Spaß und ich war gespannt, ob die beiden trotz aller Hindernisse am Ende wohl kriegen würden – bei den Wendungen der Geschichte gibt es durchaus andere Möglichkeiten. Es ist eine zeitgemäße und durchaus realistische Liebesgeschichte für Leser und (vermutlich vor allem) Leserinnen ab 14.

Cover_Bongard_Loving

Karin Bongard: Loving. oetinger 2015. 296 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-8415-0348-0.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – oder in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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