Jan Scieszka: Frank Einstein. Die Entführung der Roboter

Frank Einstein möchte ein berühmter Erfinder werden. Da seine Eltern gerade mal wieder Urlaub machen, wohnt er bei seinem Großvater, der eine riesige Werkstatt hat. Beste Bedingungen! Gerade arbeitet er an einem wichtigen Projekt. Er möchte unbedingt den Wissenschafts-Wettbewerb gewinnen, um mit dem Preisgeld dafür zu sorgen, dass sein Opa seine Rechnungen bezahlen und die Werkstatt behalten kann. Leider geht sein Plan, einen selber denkenden Roboter zu bauen, nicht auf. Doch in der Nacht passiert etwas Merkwürdiges und sein defektes Modell baut sich selber wieder zusammen – und viel besser. Danach baut der Roboter aus herumliegenden Teilen einen zweiten Roboter zusammen. Frank und sein Freund Watson sind begeistert. Mit der Hilfe von Klink und Klonk sollte der Gewinn des Wettbewerbs doch kein Problem sein. Doch sein Rivale T. Edison und sein Schimpanse Mr. Chimp schrecken nicht vor unfairen Mitteln zurück, um das zu verhindern.

Ein hochbegabter Junge, sein nicht ganz so schlauer, aber liebenswerter Freund, ein sehr intelligenter und ein eher etwas dusseliger Roboter und ein böser Gegenspieler – die Geschichte hat alles, was für ein spannendes Wissenschaftsabenteuer notwendig ist. Dass nicht alles funktioniert, was Frank Einstein sich einfallen lässt, macht ihn sehr sympathisch, wie er manchmal mit seinem Freund Watson umgeht, ist allerdings weniger nett. Er ist doch sehr von oben herab und lässt den armen Watson manchmal kaum zu Wort kommen. Trotz seiner Schlauheit kriegt Einstein alleine alles nicht ganz richtig hin, erst mithilfe des schlauen Roboters Klink schafft er es, seine Einfälle zur Vollendung zu bringen. Weil Watson seinen brillanten Gedanken meist nicht sofort folgen kann, muss Frank ihm einiges erklären. So erfährt der Leser ganz nebenbei eine ganze Menge über Erfindungen und Naturwissenschaften. Das fällt aber überhaupt nicht negativ auf, weil die Handlung so spannend ist. Außerdem gibt es, vor allem wegen des tollpatschigen Klonks, auch einiges zu lachen. Die Jungs und Roboter geraten in gefährliche Situationen, aber dank Franks Köpfchen und mit einer Menge Glück schaffen sie es, den bösen Widersacher zu besiegen.

Der Text ist in rot und schwarz, die Worte der Roboter sind in anderen Schriften gedruckt, wobei ich finde, dass sich die Schrift von Klonk schlecht lesen lässt. Dazu kommt die Zeichensprache des Schimpansen. Witzige rot-schwarz-weiße Zeichnungen zeigen mal als ganzseitige Bilder das Geschehen, mal sind sie kleiner wie Ausrisse aus Franks Notizbuch gestaltet und zeigen Bauanleitungen, Formeln, Erklärungen. Zusätzlich sind gelegentlich kleinere Bildchen eingestreut, sodass es auch optisch viel Abwechslung gibt.

Während des Lesens fragte ich mich, ob die Kinder die eingestreuten Informationen auch wirklich wahrnehmen. Ich selber, ich gebe es zu, habe mich keine Sekunde an den Formeln aufgehalten, sondern sie einfach überlesen. Manches finde ich für Kinder von 10 oder 11 Jahren auch schlicht zu kompliziert. Wenn sich die Kinder beim Lesen wirklich damit aufhalten, alles verstehen zu wollen, könnte die Lektüre manchmal auch zäh werden. Ich glaube allerdings, dass das eine oder andere auch dann hängenbleibt, wenn sie nur kurz darüber nachgrübeln und dann weiterlesen. Umso schöner fand ich es, als ich nach Abschluss der Geschichte am Ende des Buches noch einiges entdeckt habe: Zuerst sind Frank Einsteins Notizen zum Thema Materie zusammengefasst. In seinen Worten, daher amüsant zu lesen, zum Beispiel so:

KUH-METAN (ABB. 1.7)

Ein Gas. Nebenprodukt des Verdauungsprozesses bei Kühen.
Ein Molekül, bestehend aus 1 Kohlenstoffatom und 4 Wasserstoffatomen.
Wird in der Regel on die Atmosphäre abgegeben über Kuhrülpser und Kuhpupse.
Schätzungsweise 250 Liter pro Kuh täglich.
Das ist ein Behälter mit einem Fassungsvermögen von 250 Litern. Voll mit Kuhfurz!

Es folgt eine ausführliche Erklärung von der in der Geschichte nur kurz erwähnten Lieblingserfindung Watsons, den durch Klonk vereitelten Versuch der Bauanleitung für einen Antimaterie-Motor, T. Edisons neueste Erfindungen (geheimnisvoll geschwärzt) und Mr. Chimps Alphabet.

Frank Einstein, übrigens scheint das Buch der Auftakt einer Serie zu sein, zeigt den Kindern, dass Wissenschaft unheimlich spannend und trotzdem unterhaltsam sein kann und vermittelt nebenbei noch richtig viel Wissen. Ich zumindest habe die Erfahrung gemacht, dass sich Kinder solche Informationen, die sie nebenbei erhalten, viel besser merken als den Schulstoff. Ein tolles Buch für neugierige und wissbegierige Kinder ab 10 Jahren.

Cover_Scieszka_FrankEinsteinRoboter

Jon Scieszka, Brian Briggs: Frank Einstein. Die Entführung der Roboter. Aus dem Amerikanischen von Bettina Spangler. heyne fliegt 2015. 240 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-453-26978-1.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein Kommentar zu “Jan Scieszka: Frank Einstein. Die Entführung der Roboter

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