Silas Matthes: Miese Opfer

Leo und Ferdinand sind beste Freunde. In den Ferien treiben sie sich zusammen draußen herum, schauen zusammen Filme, entwickeln sogar ein Spiel. Doch die Idylle hat ein jähes Ende, als sie auf die Jungs stoßen, die sie immer drangsalieren. Am fiesesten ist Sebastian Dunker, ihr Anführer. Als die Schule wieder anfängt, geht auch das tägliche Mobbing wieder los. Jeden Tag passiert etwas, bis die beiden Freunde beschließen, sich das nicht länger gefallen zu lassen. Sie sind es leid, immer das Opfer zu sein. Da sie voller Ideen stecken, fällt ihnen auch etwas ein, um sich zu rächen – intelligent, ohne Fäuste, denn körperlich sind sie eindeutig schwächer. Das ruft natürlich Reaktionen der Gegenseite hervor. Sie schaukeln sich hoch, bis eines Tages die Situation eskaliert …

Ich fand es nicht einfach, dieses Buch zu lesen. Oft dachte ich, dass doch nun endlich mal ein Erwachsener etwas bemerken und eingreifen müsste, doch entweder bemerken sie wirklich nichts, sie bohren nicht genug nach oder sie sehen ganz bewusst weg, wie mancher Lehrer. Ich fand es schwer zu ertragen, wie die Jungen immer wieder und immer schlimmer gequält werden, aber dennoch versuchen, die Normalität aufrecht zu erhalten. Auch wenn das vielleicht merkwürdig klingt, hat das Buch viel Humor. Es liest sich so gut, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte.

Es ist interessant, wie hier ein moralisches Dilemma beschrieben wird: Was darf man tun, um sich zu wehren? Wie weit darf man gehen? Aus Sicht eines Erwachsenen wäre es wohl am besten, sich in einer solchen Situation an Erwachsene zu wenden. Doch das scheidet für Leo und Ferdinand aus, sie wollen ihre Eltern schonen und haben Angst, dass sie es damit nur noch schlimmer machen.

Die Sprache ist authentisch, der Plot ist überaus überzeugend und die gemobbten Jungen trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer Rachegedanken sympathisch.

Hervorzuheben ist auch das Cover, das die Gefühle der Opfer visualisiert. Der Titel Miese Opfer ist weiß, wie mit Kreide geschrieben, auf einem blauen Untergrund. Drumherum Fische – bösartige Fische mit spitzen Zähnen, die jeden Moment zubeißen können.

Ich finde es beeindruckend, wie der Autor das schwierige Thema Mobbing so umsetzt, dass man nicht nur von der Handlung gefesselt wird, sondern sich auch gut unterhalten fühlt und immer mal wieder über die Sprüche der Jungs lächeln kann. Ich glaube, dass die Lektüre Jugendlichen ab 13, 14 Jahren, die sich darauf einlassen, viel geben kann. Ich kann mir das Buch auch gut als Schullektüre vorstellen, vor allem, wenn Mobbing gerade ein Thema ist, das die Schüler betrifft.

Cover_Mattes_MieseOpfer
Silas Matthes: Miese Opfer. oetinger 34 2015. 192 Seiten, Euro 9,99, ISBN 978-3-95882-014-2.

Zur Verlagsseite –bei Amazon – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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