Frank Kauffmann: Tsozo und die fremden Wörter

Tsozos Eltern ziehen mit ihm in ein fremdes Land. Er muss seine vertraute Umgebung verlassen.

In der neuen Welt war alles neu. Die Wohnung, das Dorf, die Berge, die Pflanzen, die Tiere und die Vögel. Auch das Wetter war anders. Im Supermarkt gab es immerhin die gleichen Früchte wie zu Hause. Doch sie schmeckten anders. Weniger süß. Das Allerschlimmste aber war die neue Sprache. Die Menschen in der neuen Welt verstanden Tsozo nicht, und er verstand sie nicht.

Tsozo erkundet mit seinen Eltern die neue Umgebung. Das macht Spaß. Doch als er alleine loszieht, sieht er zwar spielende Kinder, aber er traut sich nicht mitzumachen. Und als ihn jemand anspricht, ist er niedergeschlagen, weil er nichts versteht. Seine Oma spricht ihm am Telefon Mut zu: Die alte Sprache sei einfach zu ihm gekommen, so würde es auch mit der neuen Sprache sein. Und tatsächlich: Er lernt andere Kinder kennen und schnappt bei jedem Treffen ein paar neue Wörter auf. Als die Kinder einen Ausflug machen und dabei etwas passiert, schafft Tsozo es sogar, Hilfe zu holen.

Und Tsozo lernte viele neue Wörter: … Das allerwichtigste Wort von allen aber war: Freunde.

Tsozo ist ein Kind, wie es viele gibt auf dieser Welt. Seine Eltern verlassen seine Heimat und ziehen in ein fremdes Land. Warum, das wird nicht weiter thematisiert. Es geht um Sprache. Tsozo fühlt sich ohne Sprachkenntnisse einsam und isoliert. Doch er findet Trost bei seiner Oma und merkt schnell, dass sie recht hat: Jedes Mal, wenn er mit den anderen Kindern beisammen ist, lernt er einige Wörter. Er versteht nicht alles, aber Fußball und Versteck können sie trotzdem spielen. Die vielen kleinen Erfolgserlebnisse machen ihm so viel Mut, dass er in einer Gefahrensituation richtig reagiert und ihm all die Wörter einfallen, die er gerade braucht.

Das Buch vermittelt gut, wie sich jemand fühlt, der plötzlich an einem Ort ist, an dem er die Sprache nicht versteht. Die Leser haben diese Erfahrung vielleicht schon einmal im Urlaub gemacht, sodass sie noch leichter nachempfinden können, wie es den ausländischen Kindern gehen mag, die vielleicht neu in der Schule oder in ihrem Ort sind. Die Wörter, die Tsozo lernt, sind in roter Schrift gedruckt. Man kann also sofort erkennen, wie seine Fortschritte sind und welche Wörter es sind, die er kennenlernt.

Ein sehr einfühlsames Buch übers Sprachenlernen, das vielleicht gerade jetzt besonders wichtig ist, weil es den kleinen Leserinnen und Lesern zeigt, wie sie Kindern ihre Sprache beibringen können: indem sie einfach mit ihnen spielen, sie mitmachen lassen und ohne Vorbehalte aufnehmen. Zum Vorlesen ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 7.

Cover_Kauffmann_Tsozo

Frank Kauffmann, Beate Fahrnländer: Tsozo und die fremden Wörter. Orell Füssli 2015. 48 Seiten, Euro 8,95, ISBN 978-3-280-03496-5.

Zur VerlagsseiteAmazon – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

2 Kommentare zu “Frank Kauffmann: Tsozo und die fremden Wörter

  1. Ein Buch, das einerseits gut in die derzeitige Situation passt, das
    mich aber natürlich auch ganz persönlich anspricht. Schließlich geht es meinem kleinen Entdecker ebenso, auch wenn er natürlich den Vorteil hat, dass er hier in England geboren wurde. Seine Muttersprache ist deutsch und ich musste schon einige Missverständnisse aufklären, wobei diese in der Regel eher witzig sind. Danke für den tollen Tipp!

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  2. Pingback: Markierungen 09/08/2015 - Snippets

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