Rechtschreibung für Eltern. So unterstützen Sie Ihr Kind

Um eins gleich vorneweg zu sagen. Ich bin kein Fan davon, Kinder zu striezen. Nur, weil da ab und zu der eine oder andere Fehler im Diktat ist, muss man zu Hause noch keine zusätzlichen Übungsstunden einbauen. Man sollte seinem Kind auch keinen Stress wegen Fehlern machen, wo sie die korrekte Schreibung aber noch gar nicht kennengelernt haben. Und vor allem fände ich es sehr sinnvoll, wenn die Eltern sich erst einmal über die korrekte Schreibung informieren, ich habe nämlich schon festgestellt, dass Kinder kritisiert wurden, obwohl es an den Eltern oder Großeltern lag, die die neue Rechtschreibung nicht kannten.

Ich war daher ein wenig skeptisch, ob dieser Ratgeber auch nur einer von vielen ist, die die Regeln einpauken. Der Aufbau machte ihn mir aber gleich zu Anfang sympathisch, denn es wird erklärt, was die Kinder in bestimmten Klassenstufen überhaupt lernen, was man also von ihnen erwarten kann. Das wird vielleicht manche Aufregung der Eltern mildern, weil ihnen bewusst wird, dass bestimmte Phänomene erst in der nächsten oder übernächsten Klasse durchgenommen werden.

Aber von Anfang an …

Theorie und Praxis des Rechtschreiberwerbs

Das Buch beginnt, indem es erklärt, wie unser Hirn Rechtschreibregeln verarbeitet und welche Methoden es zum Rechtschreiberwerb in der Schule gibt. Das ist deshalb wichtig, weil die Regeln je nach Methode in einem anderen Zeitrahmen durchgenommen werden. Besonders gut gefällt mir hier die tabellarische Zusammenstellung der verschiedenen Methoden. Dann wird erklärt, was die Kinder bis zum Ende welcher Klassenstufe weitgehend sicher beherrschen sollten. Erst wenn dann noch Defizite bestehen, soll geübt werden. Aber nicht wild alles durcheinander, sondern genau die Phänomene, bei denen es noch hapert. Ein Problemfeld soll nach dem anderen angegangen werden, beispielsweise erst die Großschreibung der Nomen und später der lang gesprochenen i-Laut mit ie. Dazu werden einige Übungen vorgestellt. Je älter die Kinder sind, desto komplexer werden auch die möglichen Übungen. Außerdem werden Strategien vorgestellt, wie die Kinder Fehler in eigenen Texten finden können und erklärt, wie man für Diktate richtig übt.

Diese sogenannten Strategien finde ich teilweise etwas amüsant. So wird gesagt, dass die Kinder in der Schule oft so viele Regeln lernen müssen und sie damit überfordert seien, besser sei es, den Kindern Strategien an die Hand zu geben. Für mich klingen aber viele dieser Strategie sehr ähnlich wie die Regeln in der Schule. Und natürlich lernen die Kinder auch viele dieser Strategien bereits in der Schule kennen, beispielsweise silbische Sprechweise oder Pluralbildung. Da die Eltern nicht alles wissen, was in der Schule gemacht wird, ist es trotzdem sinnvoll, die (mir) altbekannten zusammen mit den neuen Übungsmöglichkeiten aufzulisten. So haben die Eltern das gesamte Spektrum der Möglichkeiten und können ausprobieren, womit ihre Kinder am besten klarkommen. In einem Kapitel wird außerdem erklärt, wie die Noten zustandekommen und welche Methoden es gibt, um Rechtschreibkenntnisse zu prüfen.

Was mir gut gefällt, sind die Testdiktate für verschiedene Altersgruppen, in denen bestimmte Wortbereiche farbig markiert sind. Nur diese sind relevant für die Auswertung. Hinterher können die Eltern damit genau feststellen, in welchen Bereichen ihre Kinder noch Fehler machen und wo Übungsbedarf besteht. So wird verhindert, dass immer wieder Dinge geübt werden, die schon längst sitzen. Dabei geht nämlich die Motivation verloren, der übrigens auch ein Abschnitt gewidmet ist, und Fortschritte werden erzielt. Diese Übungsdiktate können wie auch einige andere Materialien online heruntergeladen werden.

Hilfreich finde ich auch den Abschnitt, in dem erklärt wird, woran man gutes und geeignetes Übungsmaterial erkennt.

Wie so viele Lernratgeber schießt auch dieser mir an der einen oder anderen Stelle übers Ziel hinaus. So wird in dem Abschnitt „Das Diktat als Klassenarbeit – die richtige Vorbereitung“ eine Trainings- und Vorbereitungswoche empfohlen: „Für eine intensive Vorbereitung wie hier beschrieben ist ungefähr ein täglicher Zeitaufwand von 30–45 Minuten einzuplanen.“ Eine Woche lang, jeden Tag? Hier wird als Beispiel von einem Fünftklässler ausgegangen, der in dieser Woche auch noch Hausaufgaben machen, Vokabeln und Geschichtszahlen lernen und sich vielleicht auf eine Arbeit in einem weiteren Fach vorbreiten muss. Von Sport, Musik und anderen Freizeitaktivitäten einmal angesehen. Das finde ich wirklich zu viel! An anderer Stelle heißt es, dass es besser ist, dreimal in der Woche 20 Minuten zu üben als einmal eine Stunde. Das finde ich realistischer. Dann kann der Fünftklässler eben noch nicht alles beim nächsten Diktat, sondern beim übernächsten. Vielleicht bekommt er dann eine schlechtere Deutschnote im Zeugnis. Na und? Irgendwann muss das Kind die Rechtschreibung beherrschen, das ist richtig, aber es kommt nicht auf ein halbes Jahr an.

Rechtschreibregeln verstehen

Dieses Kapitel umfasst fast das halbe Buch. Ich finde es sehr wichtig, denn hier werden die Regeln zusammengefasst und erklärt: Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Schreibung mit Bindestrich, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Worttrennung am Zeilenende und Zeichensetzung.

Hier können erst einmal die Eltern ihr Wissen auf den aktuellen Stand bringen, bevor sie an den Texten ihrer Kinder herumfummeln. Kommen Fragen auf, finden sie hier die Erklärungen, die ihr Kind weiterbringen können. Es gibt kurze Zusammenfassungen unter „schnell kapiert“ und ausführliche, detaillierte Erläuterungen. Ich finde diesen Abschnitt übersichtlich und gut aufgebaut. Sollten Fachbegriffe nicht bekannt sein, kein Problem, am Ende gibt es auch ein Glossar. Hier können die Eltern also entweder mit ihrem Kinder mitlernen oder bei Unsicherheit nachschlagen.

Arbeitsblätter und Glossar

Im letzten Abschnitt wird erklärt, wo und wie die Online-Arbeitsblätter erhältlich sind. In einem Glossar werden die Fachbegriffe erläutert.

Fazit

Ein gut aufgebauter Ratgeber, der nicht gleich mit Übungen einsteigt, sondern erst einmal erläutert, was man in welchem Schuljahr überhaupt erwarten kann und wie der Rechtschreiberwerb funktioniert. Viele Strategien und online erhältliche Übungsblätter sorgen dafür, dass jedes Rechtschreibproblem konkret angegangen werden kann. Die ausführliche Erklärung der Regeln hilft Eltern, selber zu verstehen, wie geschrieben werden muss, damit sie das gut an ihre Kinder weitergeben können.

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Kristin Diemer, Friederike Pronold-Günthner, Christian Stang (Hrsg.): Rechtschreibung für Eltern. So unterstützen Sie Ihr Kind. Klett 2015. 208 Seiten, Euro 14,99, ISBN 978-3-12-926092-0.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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