Sam Usher: Mein Schneetag

Als der Junge aufwacht und aus dem Fenster schaut, ist alles weiß. Es hat geschneit!  Es schneit immer noch! Er will sofort in den Park, wäscht sich, zieht sich an und läuft schnell zu Opa, der noch im Bett liegt. Er will unbedingt der Erste draußen sein, denn der Schnee vor dem Haus ist noch unberührt. Aber Opa muss erst duschen und sich fertig machen. Währenddessen macht erst ein Kind Stapfen in den Schnee, dann laufen alle seine Freunde vorbei. Opa ist immer noch nicht fertig! Schließlich sagt Opa lachend:

Wahrscheinlich ist der halbe Zoo unterwegs!

Der Junge traut seinen Augen kaum. Da läuft gerade ein Affe vorbei. Endlich ist Opa fertig und sie gehen in den Park. Dort treffen sie nicht nur seine Freunde, sondern tatsächlich den ganzen Zoo. Alle spielen und toben und sind glücklich. Doch am wildesten von allen ist Opa!

Mir tat der Junge leid. Mensch, da draußen ist so wundervoller, unberührter Schnee, aber der Arme darf nicht mal alleine vor die Tür. Und sein Opa beeilt sich kein bisschen, sondern vertröstet ihn ein ums andere Mal auf später. Und dann ist die wundervolle Gelegenheit verpasst! Klar, die beiden haben trotzdem noch viel Spaß, vor allem, weil Opas Spruch mit dem Zoo sich bewahrheitet hat, aber trotzdem … Der erste Schnee!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie blöd es war, wenn die Erwachsenen mich immer auf später vertröstet haben. Und ich wette, meinen Kindern ging es genauso (ich frage sie lieber nicht). Sicherlich wird jedes Kind, dem dieses Bilderbuch vorgelesen wird, schon einmal Ähnliches erlebt haben, sich mit dem Jungen identifizieren können und mit ihm mitfiebern. Wird er es irgendwann noch schaffen, in den Schnee zu kommen? Ja, zum Glück.

Am Ende sagt Opa:

Manchmal lohnt sich ein wenig Geduld.

Wieso eigentlich? Die Zootiere hätte der Junge auch erlebt, wenn er schon früher in den unberührten Schnee gedurft hätte. Aber darüber, ob sich das gelohnt hat, lässt es sich ja mit den kleinen Zuhörern diskutieren.

Das Buch hat also zwei Facetten: einmal die Darstellung der Freunden eines wunderschönen Wintertages bzw. dem Glück des ersten Schnees und einmal das Verhalten des Erwachsenen, der Kind immer wieder mit irgendwelchen Sprüchen auf später vertröstet.

Die Bilder gefallen mir sehr gut: Die große, unberührte Schneefläche, hinten klein der erwartungsvolle Junge an der Haustür, der pfiffig aussehende Junge, der ewig lange warm angezogen im Hausflur steht, die Kinder, Opa und die Zootiere beim Spielen. Alles ist bunt, aber nicht grell, große weiß-grau-bläuliche Flächen treffen die Winteratmosphäre gut. Manch ein Detail ist zu entdecken: hier der liegengebliebene Handschuh, dort ein Strauß (oder Emu?) mit Ohrenschützern.

Da wünscht man sich glatt, dass es gleich anfängt zu schneien!

Ein wunderschönes Winter-Bilderbuch für alle von 4 bis 6 Jahren.

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Sam Usher: Mein Schneetag. Aus dem Englischen von Seraina Staub. Atlantis 2015. 40 Seiten, Euro 14,95, ISBN 978-3-7152-0697-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in der nächsten Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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