Kirsten Boie: Thabo – Detektiv & Gentleman. Der Nashorn-Fall

Thabo lebt in einem Wildpark im südlichen Afrika. Sein Onkel, bei dem er lebt, ist Ranger. Thabo darf ihn oft auf dem Touristen-Safaris begleiten. In der nahegelegenen Lodge lebt auch Miss Agatha, die manchmal seine Hilfe braucht und mit der er gelegentlich Miss-Marple-Filme ansehen darf. Thabo möchte entweder ein Gentleman werden oder Detektiv. Bisher mangelte es an Kriminalfällen, doch dann stoßen sie bei einer Foto-Safari auf ein getötetes Nashorn, dessen Horn abgesägt wurde. Thabo ist begeistert, endlich Ermittlungen aufnehmen zu können. Doch dann wird sein Onkel als Wilderer verhaftet. Zusammen mit seinem Freund Sifiso und Emma, der Nichte von Miss Agatha, nimmt er den Fall in die Hand.

Thabo ist ein netter Junge ungewissen Alters (ein Gentleman spricht nicht darüber), der eine interessante Sicht auf die Welt und vor allem auf England hat, was immer wieder in witzigen Bemerkungen mündet. Seine kriminologischen Kenntnisse bezieht er alle aus Miss-Marple-Filmen und sie sind, wie sich herausstellt, in der afrikanischen Wirklichkeit nicht immer hilfreich. Sein elternloser Freund Sifiso würde ihm gerne mehr bei seinen Ermittlungen helfen, muss sich jedoch ständig um seine jüngeren Geschwister kümmern und sie häufiger mitbringen. Die Kleinen nerven, aber am Ende erweist es sich als gut, dass sie da sind. Emma ist manchmal ein wenig hochnäsig, hat aber auch manch eine clevere Idee. Zusammen kommen sie bei den Ermittlungen zunächst gut voran, ziehen aber nicht immer die richtigen Schlüsse und lassen sich ziemlich in die Irre leiten. Am Schluss wird es dann richtig spannend.

Ich habe ein wenig gebraucht, um in das Buch hineinzukommen. Thabo spricht die Leser als „Sehr geehrte Damen und Herren“ an und spricht am Anfang viel über Gentleman, Detektive, Miss Agatha und die Unterschiede zwischen England und dem (namenlosen) Königreich, in dem er lebt. Seine gestelzte Sprache hat mich doch etwas genervt. Doch im Laufe der Zeit habe ich mich an seinen etwas ungewöhnlichen Stil gewöhnt und die humorvollen Bemerkungen genossen, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob Kinder die Anspielungen verstehen. Kennen die Kinder eigentlich Miss Marple? Ich finde die Vergleiche ja lustig, aber bei meinen Söhnen standen olle Schwarz-Weiß-Filme nie hoch im Kurs. Aber auch ohne dieses Wissen versteht man schnell, um was es bei diesen Filmen geht.

Was mir gut gefällt, sind die immer wieder eingeflochtenen afrikanischen Wörter, die hinten in einem Glossar erklärt werden. Leider steht nicht dabei, um welche Sprache es sich handelt, das erfährt man erst in einer Nachbemerkung, die nach der Leseprobe für Band 2 abgedruckt ist. Ob alle so weit lesen? Auch habe ich mich die ganze Zeit gefragt, um welches Land es sich handelt. Eine Suche nach den genannten Orten bestätigte meine Vermutung, dass es sich um Swasiland handelt, allerdings informierte mich die Nachbemerkung dann, dass die Ortsnamen zwar real sind, das Königreich aber der Fantasie entsprungen sei. Hm.

Auch wenn ich als Erwachsene schon recht früh wusste, welchen Verlauf der Kriminalfall nehmen würde, werden die Kinder als noch unerfahrene Krimileser vermutlich nicht so schnell dahinterkommen. Gut gefallen hat mir, dass keine heile Welt geschildert wird, sondern neben der Wilderei auch soziale Not geschildert wird. Thabo wächst bei seinem Onkel auf, der sich um ihn kümmert. Sein Freund Sifiso, der ebenfalls Waise ist, lebt mit seinen drei jüngeren Geschwistern in einer armseligen Hütte mit löcherigem Dach. Auch wenn es humorvoll dargestellt wird, wird doch deutlich, dass die Kinder immerzu Hunger haben, dass Schuhe und ein kaputter Ball Kostbarkeiten für sie sind. Die Umgebung, die Natur, das Wetter werden von Thabo sehr gut (wenn auch etwas umständlich) beschrieben, auch weil er auf die Unterschiede zu Europa hinweist, kann man sich seine Welt gut vorstellen.

Ein origineller Kinderkrimi mit ungewöhlichem Setting und einem sympathischen Erzähler für Kinder von 9 bis 12 Jahren.

Cover_Boie_Thabo_Nashorn

Kirsten Boie: Thabo – Detektiv und Gentleman. Der Nashorn-Fall. Oetinger 2016. 304 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-7891-2033-6.

Noch bis zum 30.04. läuft bei Oetinger ein Gewinnspiel zum Buch, bei dem es unter anderem einen Detektivgeburtstag zu gewinnen gibt.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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