Annika Scheffel: Nelli und der Nebelort

So lange Nelli denken kann, reist sie mit ihrer Mutter Ava in einem bunten Bus von Ort zu Ort, um Nellis Vater zu suchen. Alle Orte liegen am Meer, da Nellis Vater Seemann war. Doch eines Tages haben die beiden einen Unfall, rasen einen Abhang hinunter und landen in einem merkwürdigen Ort mitten in dickem Nebel. Dort ist alles verboten, was Spaß macht, nicht einmal lachen ist erlaubt. Als Nellis Mutter verschwindet, muss Nelli zusehen, wie sie alleine zurechtkommt. Dabei darf sie bloß nicht gegen eine der vielen Regeln verstoßen, sonst könnte sie auch verschwinden. Doch Nelli ist aufmüpfig!

Ich habe eine Weile gebraucht, um wirklich in diese Geschichte einzutauchen, die in einer sehr merkwürdigen und vor allem unsympathischen Welt spielt. Alle Menschen im Ort haben eine wahnsinnige Angst zu verschwinden. Im dicken Wattenebel gehen ihnen nach und nach die Erinnerungen an bessere Zeiten und schöne Dinge verloren. Doch Nelli kann und will sich nicht einfach anpassen, schließlich möchte sie ihre Mutter wiederfinden. Tatsächlich gelingt es ihr, in zwei anderen Kindern Verbündete zu finden. Sie übertreten immer mehr Regeln und kommen schließlich dahinter, wer für all das Elend verantwortlich ist. Die Frage ist nur, ob es drei Kindern gelingen kann, die Bewohner von der grausamen Herrschaft zu befreien.

Am Anfang gibt es einen ziemlich starken Kontrast. Nachdem zunächst das recht freie Leben von Nelli und ihrer Mutter geschildert wurde, landen die beiden von einer Minute auf die andere in einer streng reglementierten Gesellschaft. Allerdings fand ich auch das scheinbar freie Leben recht merkwürdig, weil Nellis Mutter schon Nellis ganzes Leben lang auf der Suche nach deren Vater ist, sodass das Mädchen nie irgendwo heimisch werden oder Freundschaften schließen konnte. Die unheimliche Nebenwelt ist sehr gut geschildert, der Leser bekommt schnell eine Gänsehaut angesichts des freudlosen Lebens dort und freut sich über jede noch so kleine Rebellion, die Nelli anstiftet. Schließlich ahnt man die Ursache des Übels, aber bis die Kinder erfolgreich dagegen vorgehen können, müssen sie einige schwierige Situationen meistern und erleben spannende Momente.

Nelli ist sehr sympathisch, neugierig, wissbegierig und vor allem ist sie nicht bereit, einfach alles hinzunehmen und sich den ihr nicht nachvollziehbaren Regeln einfach unterzuordnen. Ihr Schweinchen bringt ein belebendes Element ins Spiel.

Doch hat die Geschichte auf Dauer etwas Beklemmendes und ich war froh, als der Nebel sich nicht nur vom Nebelort, sondern auch von meiner Seele heben konnte. Das Ende ging ziemlich hopplahopp, sodass man die neue Situation nicht so sehr auskosten konnte, wie es nach all der Düsternis schön gewesen wäre.

Eine düstere Geschichte mit leichtem Gruselfaktor und spannendem Ende für Leserinnen und Leser zwischen 10 und 12 Jahren.

Cover_Scheffel_NelliundderNebelort

Annika Scheffel: Nelli und der Nebelort. Oetinger 2016. 253 Seiten, Euro 12,99, ISBN 978-3-7891-4753-1.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei einer der über 800 beteiligten Buchhandlungen über buchhandel.de – oder direkt in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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