Die besten Papierschiffe der Welt

Oder: Der Untergang des Schiffsbauers …

Papierschiffe bauen, darauf habe ich mich richtig gefreut. Ich mache so etwas ganz gerne. Zwar bin ich keine Meister-Bastlerin, aber auch nicht völlig ahnungslos. Wenn man sechs Jahre eine Krabbelgruppe leitet und mehrere Jahre eine Kindergruppe für Grundschulkinder, bekommt man im Laufe der Zeit einfach Übung.

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Also nutzte ich einen Sonntagnachmittag, um mich gut gelaunt an das Basteln von fünf verschiedenen Typen von Papierschiffen zu machen. In der Packung sind 15 Bastelbögen aus beschichtetem Papier, jeweils drei pro Modell, aber ganz unterschiedlich bedruckt. Außerdem ein DIN-A4-Heft mit den Schritt-für-Schritt-Bastelanleitungen mit ergänzenden Zeichnungen. Zuerst wird das grundsätzliche Vorgehen erklärt. Die Bastelbögen sind alle mit einem kleinen Symbol bedruckt, um sie dem richtigen Modell zuordnen zu können. Es wird darauf hingewiesen, dass man möglichst akkurat knicken soll. Das weiß ich, also mache ich mich mit Schwung an die Arbeit. Zunächst muss man bei jedem Bastelbogen den weißen Streifen abschneiden. Ich finde zwar, man hätte auch einfach quadratische Bögen liefern können (nur bei einem Modell ist der Bogen rechteckig), aber gut, das ist kein Problem. Ich folge brav der Anleitung und schaffe das erste Schiff, den Klassiker, problemlos. Klar, das hätte ich nämlich auch so geschafft. Bei Schiff 2, dem Katamaran, stellen sich die ersten Probleme ein. Ein Punkt ist schlecht erklärt. Ich hole meinen 20-jährigen Sohn zur Hilfe, der jahrelang begeistert Schiffe und Flugzeuge gefaltet hat. Er kriegt es schließlich hin, weil er sich anschaut, wie das fertige Schiff aussehen soll. Die Segelyacht schaffe ich bis kurz vor Schluss, den entscheidenden Dreh bekomme ich wieder nicht hin. Dann, endlich: Das Schnellboot klappt ohne Probleme. Am Segelschiff verzweifeln wir beinahe beide. Mein Sohn schafft es schließlich dank seiner Erfahrung, nicht wegen der Anleitung. Normales Papier wäre inzwischen wahrscheinlich kaputt gewesen, das beschichtete hält zum Glück einiges aus.

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Die Flotte: hinten der Klassiker, davor die Segelyacht und der Katamaran, ganz vorne das Segelboot, das sich bereits wieder entfaltet, und das Schnellboot

Fazit

Ich bin etwas frustriert. Die bedruckten Schiffe sehen toll aus, aber wenn man keine Vorstellung hat, wie es gehen soll, bekommt man es nicht hin. Solange man nur knicken muss, funktionieren die Anleitungen prima. Wenn man aber das Modell irgendwo eindellen und/oder etwas herausziehen soll, es also komplizierter zu erklären ist, wird es kritisch. Das steht dann beispielsweise: „Gleichzeitig faltest du Punkt 2 und Punkt 3 auf Punkt 1 zusammen.“ In Wirklichkeit wird da aber gar nichts gefaltet. Auf dem Bild sieht man, dass zwei Finger links und rechts ins Boot hineindrücken. Mein Sohn meinte, dass aber nicht klar ist, an welcher Stelle das genau geschehen muss. Ich hätte beim letzten Schiff zu diesem Zeitpunkt schon aufgegeben.

Auf der Verlagsseite steht, dass das Buch ab 8 Jahren geeignet ist. Niemals! Ich hatte mir ja vorgestellt, dass man die Schiffe toll an einem Kindergeburtstag oder mit einer Kindergruppe basteln kann. Das würde ich aber nur machen, wenn vorher ein Erwachsener oder Jugendlicher schon einmal alle Modelle ausprobiert und verstanden hat, damit er ZEIGEN kann, wie es geht. Einfach nur nach Anleitung schaffen jüngere Kinder das nicht, zumal sie nach meiner Erfahrung meist nicht so akkurat falten, was hier aber teilweise sehr wichtig ist. Da die Schiffe hinterher toll aussehen und, dank der Beschichtung, auch nicht so schnell untergehen, könnte man es mit Kindern ab 12 probieren, denke ich. Vielleicht haben wir uns ja auch nur blöd angestellt …

Cover_Papierschiffe

Julia Fröhlich: Die besten Papierschiffe der Welt. Coppenrath 2016. Anleitungsheft,16 Seiten, 15 Bastelbögen, Euro 9,99, EAN 40-500003-92857-9.

Zur Verlagsseite

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Die besten Papierschiffe der Welt

  1. Zuerst habe ich auf eine Übersetzung getippt. 🙂 Aber offensichtlich kann man sich auch auf Originaldeutsch unverständlich ausdrücken oder darauf vertrauen, dass die kleinen Leser schon wissen, wie das gemeint ist. Ähnliche Probleme hatte ich früher (sehr lange her!) bei manchen Origami- oder Strickanleitungen. Manchmal lag es an Druckfehlern oder fehlenden Halbsätzen. Im Wollladen bekam ich dann immer prompte Hilfe.

    Heute finde ich Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf Youtube hilfreich. Der Verlag könnte ja ein, zwei Bastelprojekte aus solchen Büchern dort zeigen und Fragen an die Autorin zulassen? Es gibt auf Youtube zum Beispiel Faltanleitungen für sehr komplizierte Weihnachtssterne.

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