Daniela Böhle: Mein bisher bestes Jahr

Paul, 12, voll verpeilt

Paul ist zwölf Jahre alt und lebt in Berlin, wo die sechste Klasse noch zur Grundschule gehört. Er ist ein ziemlich normaler Junge, der mit seinen Freunden gerne ins Schwimmbad geht, gerade anfängt, sich für Mädchen zu interessieren (nein, nur für ein Mädchen, Sarah), sich mit dem großen Bruder streitet und sich manchmal mit den blöden Typen in seiner Klasse anlegt. Paul führt Tagebuch und hält all seine Erlebnisse fest, die interessanten ebenso wie die peinlichen. Und da passiert ihm so allerlei, denn er ist manchmal ziemlich verpeilt und braucht ein bisschen länger, bis ihm einfällt, was eine gute Antwort gewesen wäre.

Ich dachte, ich bin gestraft mit meinem Bruder, aber heute war ich bei Marco und seitdem weiß ich, was Gestraftsein wirklich bedeutet.
Marco hat zwei kleinere Brüder … Die sind direkt aus der Hölle gekrochen und die Hölle will sie jetzt nicht mehr zurückhaben.

Langweilig wird es mit Paul nicht

Paul ist ein unheimlich liebenswerter Protagonist, der seine Erlebnisse in der Ich-Perspektive erzählt. Er durchlebt einige Höhen und eine Menge Tiefen. Er hilft einem Mobbingopfer, blamiert sich, als er ein Mädchen ansprechen will, gerät beim Zelten in ein Unwetter, will in der Schule übernachten, ist über die ersten Pickel geschockt, muss sich mit Lehrern, Eltern und dem großen Bruder herumärgern und versucht, heimlich in der Schule zu übernachten. Ich fand seine Erlebnisse absolut überzeugend geschildert. Eigentlich sind es nur Alltagserlebnisse, aber gerade das macht das Buch interessant. Paul erlebt keine irrwitzigen Abenteuer, was ihm passiert, könnte jedem anderen Jungen seines Alters so oder so ähnlich auch passieren.

Auch die Sprache ist sehr gut getroffen. Nur an einer Stelle wollte ich meckern, weil Paul nämlich etwas „süß“ findet und das wäre ja das letzte Wort gewesen, das meine Söhne in so einem Zusammenhang in den Mund genommen hätten. Doch dann habe ich eben den Klappentext gelesen und erfahren, dass sich der zwölfjährige Sohn der Autorin die Geschichten ausgedacht hat. Deswegen kommen sie also so überzeugend rüber! Dann muss ich aber auch glauben, dass Jungs in Berlin etwas „süß“ finden. Na gut. 😀

Meine Mutter (…) hat mich Vokabeln abgefragt, bis ich fast geheult hätte; ich weiß nicht, warum Sadistinnen entweder Lehrerinnen oder Mütter werden.
(…)
Und alle, alle Vokabeln werden den Kopf von der Cramer haben und ihr wird Blut aus den Mundwinkeln tropfen und ich werde wissen, dass das mein Blut ist.
Toll. Wie soll ich denn jetzt einschlafen?

Jedenfalls hatte ich richtig viel Spaß bei der Lektüre und denke, dass Pauls Altersgenossen, besonders die Jungs, ihn auch haben werden. Lustige und lebensnahe Schilderungen des Lebens eines Zwölfjährigen für Kinder von 10 bis 13 Jahren.

Cover_Böhle_MeinbisherbestesJahr

Daniela Böhle: Mein bisher bestes Jahr. Wer vorher nachdenkt, verpasst ’ne Menge. Satyr 2016. 240 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3-944035-73-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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