Ulrike Möltgen, Michael Stavarič: Milli Hasenfuß

Spott und Hänseleien

Milli ist ein kleines weißes Häschen. Die anderen jungen Hasen, allesamt schwarz, machen sich über Milli lustig, da sie mit ihrem leuchtenden Fell überall auffällt. Sie sagen ihr, dass jeder Jäger und jeder Fuchs sie entdecken kann. Milli bekommt Angst und sucht nach einem Versteck. Sie versucht es bei den roten Blumen, den gelben Schmetterlingen, den grün-braunen Bäumen und in der bunten Stadt. Doch überall ist jemand, der ihr abrät und sagt, dass sie doch auffällt und es viel zu gefährlich für sie ist.

Milli zittert, schlottert, fiepst: „Wie fies die sind, einem solche Angst einzujagen! Ob ich mich in einem Blumenmeer verstecken kann?“
„Ach Milli“, duften süß die Blüten, „ sind doch rot, kein Hort für dich, hier kann kein weißes Häschen untertauchen, hops lieber mal schnell weiter!“

Schließlich will Milli aufgeben. Doch dann passiert etwas Überraschendes, was alles ändert.

Ein Leben voller Angst

Niemand findet sich, der Milli helfen kann oder will, bis sie schließlich einsam und verzweifelt ist. Wie gemein! Die kleinen Leser und Zuhörer werden sicherlich Mitleid mit ihr haben. Doch dann kommt der Tag, der alles auf den Kopf stellt. Schließlich sind es die schwarzen Häschen, die auffallen und Angst haben müssen. So eine Retourkutsche wäre zwar nicht nett, wenn Milli sie ausgelöst hätte, aber es liegt in der Natur der Dinge, sodass sie zur Abwechslung diejenige ist, die Glück hat. Es kommt im Buch nicht mehr vor, aber man kann die Geschichte herrlich weiterspinnen: Werden die anderen Hasen nun netter zu Milli sein, nachdem sie erlebt haben, wie man sich in ihrer Situation fühlt?

„Keine Hasenpfote kann ich mehr rühren, kein Stückchen hops ich weiter! Nein, ich mag nicht mehr!
Soll mich doch der Adler greifen, soll mich doch der Jäger holen, soll mich doch der Fuchs erwischen!“

Außerdem gibt es viel zum Nachdenken: Wie geht man mit jemandem um, der anders ist? Ist es richtig, dass die Hasen Milli hänseln, ausgrenzen und gemein zu ihr sind? Hätten sie Milli nicht irgendwie helfen können? Und wie? Bestimmt fällt den Kindern dazu etwas ein.

So wichtig  können Farben sein

Die Bilder bestehen aus großflächigen, leuchtenden Collagen, bei denen meist eine Farbe dominant ist, neben Millis Weiß natürlich. Sie unterscheiden sich sehr von den meisten anderen Bilderbüchern. Das Wichtigste erkennt man sofort, aber manches lässt sich erst beim wiederholten Hinsehen entdecken. Millis Angst, in dieser großen, sehr bunten Welt von ihren Feinden gefunden zu werden, wird darin sehr gut vermittelt.

Ein ungewöhnlich gestaltetes Bilderbuch über das Verspotten und seine Folgen für Kinder von 5 bis 7 Jahren.

Cover_Möltgen_MilliHasenfuß

Ulrike Möltgen, Michael Stavarič: Milli Hasenfuß. Kunstanstifter 2016. 24 Seiten, Euro 19,80, ISBN 978-3-9427-79540-1.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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