Sally Perel: Ich war Hitlerjunge Salomon

In der Höhle des Löwen

Der jüdische Junge Salomon (Sally) Perel erlebte eine zunächst unbeschwerte Kindheit in Peine, bevor seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern vor den zunehmenden Repressalien der Nazis nach Lodz flüchteten. Doch auch dort blieben sie nur kurze Zeit unbehelligt. Sllay und sein älterer Burder Isaak fliehen nach Rußland, wo Sally in ein Kinderheim kam, in dem er sich recht wohlfühlte. Doch wieder kamen die Deutschen näher, Sally geriet zwischen die Fronten und wurde schließlich von deutschen Soldaten aufgegriffen. Geistesgegenwärtig behauptete er, Volksdeutscher zu sein, was man ihm aufgrund seiner Sprachkenntnisse glaubte. Eine Weile wurde er als Dolmetscher eingesetzt, dann aber, weil er minderjährig war, „heim ins Reich“ geschickt. Fortan sollte er in einem HJ-Heim leben, mitten unter seinen Feinden.

Ein Leben in ständiger Angst

Die Erlebnisse Sally Perels, der jahrelang als Joseph (Jupp) Perjell mitten unter seinen Feinden lebte und nach außen ihre Ideologie vertreten musste, um den Krieg zu überleben, sind sehr berührend. Er hat sein sehr ungewöhnliches Schicksal erst nach vielen Jahren niedergeschrieben. Die innere Zerrissenheit, unter der er all die Jahre litt, wird dabei sehr deutlich. Einerseits wollte er seine jüdische Identität bewahren, andererseits war es überlebenswichtig, wie ein fleißiger, linientreuer Hitlerjunge zu wirken. Er litt sehr darunter, überlebt zu haben, indem er nach außen ein strammer Nazi war, auch wenn er ständige Angst vor dem Entdecktwerden hatte.

Bewegender Lebensbericht

Ich habe die Verfilmung 1990 gesehen und die Geschichte hatte sich tief in mein Gedächtnis eingegraben, ich habe sie nie mehr vergessen. Möglicherweise habe ich später auch das Buch gelesen, ich bin mir nicht sicher. Diese ungewöhnliche Lebens- und Überlebensgeschichte verdient es auch heute noch, gelesen zu werden. Die Schilderung der inneren Zerrissenheit, die in zwei Persönlichkeiten mündete – Jupp konnte sich über Siege der Deutschen freuen, die Sally verabscheute – das ging mir beim Lesen sehr nahe. Allerdings hatte ich ein wenig Mühe mit dem Stil des Autors, der immer wieder in der Zeit springt. Als beispielsweise Ferien erwähnt werden, erinnert er sich an zahlreiche Urlaube, die er in seiner Kindheit verlebt hat, während er bei der Nennung von Namen gerne erläutert, unter welchen Umständen er die Person nach dem Krieg wieder getroffen hat, wie sie auf seine Offenbarung, ein Jude zu sein, reagiert hat und was aus ihr geworden wurde. Wenn er dann wieder zur eigentlichen Handlung zurückkehrt, brauchte ich manchmal eine Weile, um mich zu erinnern, an welchem Punkt wir waren. Aber damit kann man gut leben, denn es lässt Rückschlüsse darauf zu, wie die Gedanken des Autors mäanderten, während er seine Erinnerungen zu Papier brachte.

Fazit:

Ein wichtiges Buch, das deutlich macht, dass es eine Überlebensstrategie sein kann, sich in die Höhle des Löwen zu begeben – und was das für den Betroffenen bedeutet. Für alle ab 14 Jahren.

Cover_Perel_HitlerjungeSalomon

Sally Perel: Ich war Hitlerjunge Salomon. Aus dem Französischen von Brigitta Restorff. Heyne fliegt 2016. 240 Seiten, Euro 8,99, ISBN 978-3-453-53483.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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