Noelia Blanco: Im Garten der Pusteblumen

Wunschlos glücklich?

Im Tal der Windmühlen lebten Männer, Frauen und Kinder genau wie sonst überall. Bis eines Tages die perfekten Maschinen kamen. Dank der perfekten Maschinen war alles perfekt.

Also vergessen die Menschen das Wünschen. Schließlich schläft sogar der Wind ein und die Windmühlen kommen zum Stillstand. Nur Anna, die Schneiderin, hat es nicht ganz vergessen. Immer, wenn sie kleine Änderungen macht – denn die Kleider kommen nun ja von den perfekten Maschinen –  wünscht sie sich, etwas ganz Besonderes zu nähen: Meeressaum, Sternspitzen, Wolkenumhänge.
Abends lassen die perfekten Maschinen alle Menschen einschlafen. Nur Anna nicht. Und so entdeckt sie den Vogelmann, der auch einen Herzenswunsch hat: Er möchte fliegen. Anna will ihm helfen. Plötzlich erinnert sie sich an einen besonderen Ort: den Pusteblumengarten. Dorthin gingen die Dorfbewohner früher, wenn sie einen Wunsch hatten. Und dort entdeckt Anna etwas, was den eingeschlafenen Wind wieder erweckt und für ein Wunder sorgt …

Die Kraft des Wünschens

Was wäre, wenn wir keine Wünsche hätte? Wenn alles immer perfekt wäre, so wie in Annas Dorf die perfekten Maschinen dafür sorgen, dass jeder Moment perfekt ist, dass jedes Essen wunderbar schmeckt und niemand sich mehr etwas wünschen muss? Das würde ziemlich schnell ziemlich langweilig, denn man hätte ja nichts Besonderes mehr, auf das man sich freuen könnte. Zum Glück hat die sympathische Anna sich die Kraft des Wünschens bewahrt, weil sie ihre Arbeit liebt. Und so schafft sie es schließlich, dass die Wünsche zu den Menschen zurückkehren.

Die Stimmen der Sprecher (toll: Martina Gedeck als Erzählerin), die sanfte Musik, das Knarzen der Windmühlenflügel, das Hintergrundgerede der Menschen, die mechanischen Geräusche der Maschinen, das Rauschen des Windes, dies alles wird zu einer wunderbaren Einheit, die eine leichte, stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt.

Was wäre, wenn? Ist es gut, wenn einem jeder Wunsch auf der Stelle erfüllt wird? Kann man sich noch darüber freuen? Verlernt man das Wünschen womöglich irgendwann? Allerdings ist es für die Kinder etwas schwierig zu begreifen, was daran schlecht sein soll. Die Menschen in der Geschichte scheinen ja, bis auf Anna und den Vogelmann, glücklich mit ihren perfekten Maschinen zu sein. Eigentlich wünschen sie sich ja auch etwas, was ihnen die perfekten Maschinen dann umgehend erfüllen. Und etwas, was ich auch nicht verstanden habe: Wieso hört der Wind auf zu blasen, als die Menschen keine Wünsche mehr haben? Weil die Menschen keine Pusteblumen mehr wegpusten? Trotzdem ist es eine schöne Geschichte mit einer hoffnungsvollen Botschaft: Wenn man sich etwas von ganzem Herzen wünscht, kann es auch in Erfüllung gehen.

Eine hübsche Geschichte, untermalt mit wunderschöner Musik, die einen zum Träumen und Diskutieren verführt. Auch zum Einschlafen ist die CD gut geeignet, weil sie mit einer längeren instrumentalen Passage endet, die dann tatsächlich ins Traumland führt.

Eine leise, berührende Geschichte voller poetischer Kraft für Kinder ab 5 Jahren.

Cover_Blanco_ImGartenderPusteblumen

Noelia Blanco: Im Garten der Pusteblumen. headroom 2016. 1 CD, 25 Minuten, Euro 9,90, ISBN 978-3-942175-53-1.

Sprecher: Martina Gedeck, Luzie Kurth, Julian Horeyseck

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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