Sunil Mann: Immer dieser Gabriel

Ärger im Engelinternat

Gabriel ist ein kleiner Engel, der sein erstes Jahr im Engelinternat verbringt. Das Aufstehen fällt ihm unheimlich schwer, und als er zum dritten Mal unpünktlich zum Frühstück erscheint, bekommt er großen Ärger mit der Direktorin, Madame Longbec, und muss eine Strafarbeit erledigen. Doch sie wirkt nicht, ihm fällt immer wieder neuer Unfug ein, auf die immer neue Strafarbeiten folgen. So muss er Sterne polieren und die Milchstraße putzen. Als er es eines Tages übertreibt, fliegt er fast von der Schule, doch ein Lehrer setzt sich für ihn ein. Und so kommt er zu der ungewöhnlichen Ehre, schon im ersten Jahr als Schutzengel eingesetzt zu werden.

Missmutig begab sich Gabriel in die Besenkammer und suchte den Wischmopp heraus. Dann schnappte er sich einen großen Eimer und flog bis unter die Wolken. Mit dem Stil des Mopps klopfte er gegen die Wolkenunterseite, und sofort begann es zu regnen. Gabriel wartete, bis der Eimer voll war, dann fügte er ein paar Spritzer Sternenklar-Putzmittel hinzu und schleppte alles zusammen zur Milchstraße.

Gabriel hat nur Unfug im Sinn

Was für eine niedliche Geschichte, die durch viele lustige, fantasievolle Details bezaubert. So sind die Namen der Speisen allerliebst (Donnerrollen, Aprilwettersauce, Federwolkenstampf, gedünstete Sternschnuppen usw.), die Engelchen schlafen in EINEM enorm hohen Stockbett. Einerseits sind die Engel Menschenschülern nicht sehr unähnlich, andererseits haben sie ganz besondere Interessen und Schulfächer wie Flugunterricht und Verkehrskunde (damit die späteren Schutzengel die Verkehrsregeln kennen). Gabriel macht sich viele Gedanken. Bald muss er sich entscheiden, auf was er sich spezialisieren möchte. Puttenengel? Laaaangweilig! Instrumentalengel oder Chorengel? Nicht so sein Ding, außerdem sind ihm die Instrumentalengel zu hochnäsig. Botenengel? Die Menschen starren nur noch in Kästchen und ignorieren die Boten, das ist also eher ein aussterbender Beruf. Er will etwas machen, wo er schnell und viel fliegen darf, also bleibt nur noch Schutzengel. Dass damit auch viel Verantwortung verbunden ist, muss er allerdings erst lernen, denn er lässt sich viel zu gerne ablenken.

Schockiert riss die Direktorin den Mund auf, und als sie zu schreien begann, brüllte sie nur diesen einen Namen: „Gaaaaaaaaaaaaabriel!“

Spaß haben oder Verantwortung übernehmen?

Man kann gar nicht anders, als Gabriel ins Herz zu schließen, obwohl und gerade weil er so viel Unfug im Sinn hat. Seine Streiche bringen die Leser zum Lachen, gemeinsam mit ihm ärgern sie sich über Ungerechtigkeiten und bangen, wenn er seine Pflichten vernachlässigt, weil gerade mal wieder etwas anderes spannender ist. Doch am Ende kann man sich mit dem kleinen Engel freuen, dass er seine Aufgaben ernst nimmt, ohne dabei seinen Schalk zu verlieren. Auch die anderen Protagonisten sind sympathisch: der nicht mehr ganz treffsichere Amor, Gabriels Freundin Aurora und am Ende sogar Madame Longebec, die über ihren Schatten springt und Gabriel ein Geheimnis verrät.

Was sollte er bloß tun? (…) Musste er seinen ersten Einsatz als Schutzengel schon nach wenigen Minuten abbrechen?

Lesespaß mit pfiffigem Engelsnachwuchs

Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen, gelegentliche Schwarz-weiß-Bilder illustrieren die Geschichte und setzen lustige Akzente. So sollte man beispielsweise darauf achten, wo Gabriel seinen Heiligenschein hat, wenn er im Bett liegt.

Fazit: Lustige und turbulente Geschichte rund um ein Engelsinternat für Kinder von 8 bis 10 Jahren oder ab 6 zum Vorlesen.

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Sunil Mann: Immer dieser Gabriel. Orell Füssli 2016. 144 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3280-03532-0.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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