Cornelia Funke: Drachenreiter

Geliebte Urlaubslektüre

Ich erinnere mich genau: Es war ein Urlaub in Südfrankreich, in dem ich meinen beiden Söhnen vor vielen Jahren den Drachenreiter vorlas. Sie sind 4,5 Jahre auseinander, sodass es recht schwierig war, etwas zu finden, was beiden gefiel. Auch wenn der Jüngere vielleicht noch etwas zu klein war und nicht alles verstand, mochten beide das Buch sehr. Auch deswegen wusste ich sofort, dass ich den jetzt erschienenen Nachfolgeband Die Feder eines Greifs unbedingt lesen möchte. Doch als ich das Buch zur Hand nahm, stellte ich schnell fest, dass ich mich doch nicht mehr so gut erinnerte. Also habe ich mir den Drachenreiter im Kinderzimmer aus dem Regal gefischt und noch einmal gelesen.

Flucht vor den Menschen

Seit vielen Jahrhunderten verstecken sich einige Drachen an einem recht unwirtlichen Ort im Norden Europas vor den Menschen. Doch eines Tages erfahren sie, dass die Menschen mit ihren Maschinen näherrücken und ihr Tal in Kürze erreichen werden. Die meisten resignieren und wollen sich einfach in ihren Höhlen verstecken. Doch der silberne Drache Lung beschließt, sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Saum des Himmels zu machen, einem Ort, an dem die Drachen früher angeblich glücklich und ungestört gelebt haben. Viele halten das jedoch nur für eine Sage. Eine Ratte gibt ihm den Tipp, bei einem Verwandten in der nächsten Stadt nachzufragen, der die ganze Welt kennt. Lung macht sich zusammen mit dem Koboldmädchen Schwefelfell auf den Weg. Die weiße Ratte Gilbert hat tatsächlich eine Karte für sie, in der er eine sichere Flugroute einzeichnet.

Als er die Schublade aufmachte, quollen ihm Karten entgegen, Landkarten, kleine und große, alte und neue. Gilbert Grauschwanz brauchte einige Zeit, bis er die richtige herausgefischt hatte.

Außerdem treffen die beiden auf den Waisenjungen Ben, der ihnen hilft, vor den Menschen zu flüchten und dafür mitreisen darf.

„Schleimfüßiger Spitzschirmling!“, raunte Schwefelfell. „Wenn wir nicht bald etwas finden, fangen sie uns und stecken uns in den Zoo.“

Lung, Schwefelfell und Ben erleben eine lange abenteuerliche Reise, auf der sie viele Fabelwesen treffen, zum Beispiel Steinzwerge, einen Humunkulus, einen Basilisken, den Vogel Rock, Feen und einen Dschinn. Sie lernen auch hilfreiche Menschen kennen. Doch sie sind in ständiger Gefahr: Nesselbrand, der Goldene, frisst Drachen und ist auf der Suche nach ihrem Versteck. Auch er wüsste zu gerne, wo der Saum des Himmels ist …

10 Jahre später – immer noch gut

Der Drachenreiter ist 1997 erschienen, ich habe ihn meinen Söhnen vor gut 10 Jahren vorgelesen. Wie damals war ich schnell wieder gefesselt von der spannenden Handlung, den vielen Fantasyelementen, die hervorragend in die reale Welt eingebaut sind und den interessanten Charakteren. Der Leser weiß immer besser Bescheid als die Protagonisten, da das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird. Daher weiß er oft schon, wann und warum Gefahr droht. Obwohl deswegen mancher Überraschungseffekt verloren geht, ist die Geschichte sehr spannend. Besonders gut gefällt mir, dass viele Protagonisten mehrere Ebenen haben. Ben ist zwar der mutige Drachenreiter, aber doch manchmal ängstlich und schüchtern. Schwefelfell ist herrlich motzig, meckert viel herum, weshalb ihre berechtigten Warnungen teilweise übersehen werden, hat aber ein gutes Herz. Fliegenbein entdeckt nach einem langen Leben in Unterdrückung, was Freundschaft bedeutet. Lung ist allerdings von Anfang bis Ende wagemutig und zielstrebig, Nesselbrand, sein Antagonist, abgrundtief schlecht und böse.

Nesselbrand war wütend. Sein stacheliger Schwanz peitschte den Wüstensand, bis Wolken von gelbem Dunst ihn umgaben und Kiesbart hustend zwischen seinen Hörnern kniete.

Die Menschen kommen in dieser Geschichte überwiegend schlecht weg. Die meisten glauben nicht an Fabelwesen, selbst dann nicht, wenn sie sie sehen, und zerstören ihre Umwelt. Nur in Indien sind sie netter, da sie Drachen verehren. Ausnahmen sind Ben und Familie Wiesengrund.

Mir gefällt besonders die Idee, mehrere von Alchemisten erschaffene Wesen auf Fabelwesen und Menschen treffen zu lassen. Das sorgt für Spannung und bringt unvorhersehbare Elemente in die Geschichte.

Fazit: Sympathischer Drache in Begleitung eines Jungen und eines Kobolds sucht einen sicheren Ort für seine Artgenossen und wird dabei von einem üblen Bösewicht verfolgt, der alle Drachen fressen möchte: eine wunderbare Mischung aus Fantasy, Action und Spannung für Kinder ab 9 Jahren – und zum Vorlesen auch gerne schon früher.

cover_funke_drachenreiter

Cornelia Funke: Drachenreiter. Dressler 1997. 448 Seiten, Euro 18,99, ISBN 978-3-7915-0454-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

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