Cornelia Funke: Drachenreiter 2. Die Feder eines Greifs

Ben, der Drachenreiter, lebt inzwischen mit der Familie Wiesengrund in Mímameiðr in Norwegen. Es ist ein sehr abgelegener Ort, an dem sie zusammen mit vielen Fabelwesen wohnen, die sie mit ihrer Organisation FREEFAB gerettet haben. Derzeit ist Bens Adoptivmutter Vita mit seiner Schwester Guinever unterwegs, um ein Pegasuspaar aufzuspüren, das derzeit sogar Eier ausbrütet. Aber dann stirbt das Weibchen, die beiden bringen sie und den Pegasushengst nach Mímameiðr. Es gibt jedoch ein großes Problem: Damit die Eier wachsen können, sind sie auf einen Stoff angewiesen, den die Mutter produziert – oder die es in der Sonnenfeder eines Greifs gibt. Also machen sich Barnabas Wiesengrund, Ben, der Homunkulus Fliegenbein, die Ratte Lola und der Troll Hothbrodd auf den Weg, die gefährlichen Wesen zu suchen. Doch die Zeit drängt …

Jeder fand hier eine passende Unterkunft. Sie waren so unterschiedlich wie Mímameiðrs Gäste. Höhlen, Nester, Ställe, winzige Wichtelhäuser … am Ufer des nahen Fjords, in den umliegenden Wäldern und auf und unter den Wiesen, die draußen taufrisch die Morgensonne begrüßten.

Ben könnte rundum glücklich sein. Die Wiesengrunds, die er in Band 1 kennengelernt hat (zur Rezension) haben ihn adoptiert, er hat nun auch eine Schwester, mit der er sich gut versteht, lebt mit vielen Fabelwesen zusammen und unternimmt abenteuerliche Reisen. Dennoch ist er oft traurig, weil Lung, der Drache, dessen Reiter er ist, weit entfernt am Saum des Himmels lebt und nur selten zu Besuch kommen kann. Doch für solche düsteren Gedanken hat er gerade wenig Zeit, weil die Suche nach den Greifen wirklich abenteuerlich verläuft und, die Begegnung mit ihnen sehr gefährlich ist. Das Leben der ganzen Reisegesellschaft steht auf dem Spiel. Währenddessen drängt die Zeit, weil die Pegasus-Fohlen in Norwegen zu ersticken drohen, wenn die Eier nicht rechtzeitig zum Wachsen gebracht werden. Und auch Drache Lung spielt am Ende eine wichtige Rolle.

Viele Leute reagierten sehr verwundert darauf, wie viel die Wiesengrunds auf die Meinung ihrer Kinder gaben. „Erstaunlich, nicht wahr?“, hatte Barnabas das einmal kommentiert. „Als ob es nicht offensichtlich ist, dass Alter selten etwas über die Einsicht eines Menschen sagt. Ich möchte sogar behaupten, dass Dummheit und Engstirnigkeit sich in bedauerlich vielen Fällen mit jedem Geburtstag multiplizieren.“

Wie auch im ersten Band ist viel Kritik an der zerstörerischen Lebensweise der Menschen im Buch verpackt, an ihrer Gold- bzw. Geldgier, der Umweltzerstörung und der Art und Weise, wie sie andere Lebewesen behandeln. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie schrecklich es ist, in einem Käfig eingesperrt zu sein.

„Wenigstens wissen wir jetzt, wie sich die Papageien meiner Mutter fühlen, Berulu“, sagte er. „Falls wir hier lebend rauskommen, werde ich sie alle freilassen! Versprochen.“

Obwohl die Wiesengrunds in unserer Welt und keiner Fantasywelt leben, ist ihr Leben absolut ungewöhnlich. Sie sehen Fabelwesen, weil sie gelernt haben, sie zu erkennen. Es spricht sich herum, dass sie sie retten und beschützen. Dieser Ruf hilft ihnen sogar am anderen Ende der Welt weiter. Durch ihre ungewöhnliche Lebensweise sind selbst Beschreibungen ihres Alltagslebens spannend zu lesen. Aber im Verlauf der Geschichte häufen sich aufregende Erlebnisse mit ungewöhnlichen neuen Protagonisten. Auch die schon bekannten Charaktere müssen immer wieder über sich hinauswachsen, um ihren Freunden zu helfen und zu versuchen, ihre Mission zu erfüllen.

Kraa war die Verkörperung von allem, was in dieser Welt jagte und tötete. Er war der Hunger und der Zorn, der Rausch des Angriffs und der eigenen Stärke.

Amüsiert haben mich die Namen der Kollegen der Wiesengrunds. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind sicherlich beabsichtigt, auch wenn Kinder diese Anspielungen wahrscheinlich nicht verstehen werden. Jane Gridall hat beispielsweise eine Zeichensprache erfunden, mit deren Hilfe man sich mit fast jeder Spezies verständigen kann, David Atticsborough ist ein bekannter Naturfilmer.

Zauberzeit. So nannte Guinever sie noch viele Jahre später: die zwei Tage, in denen die silbernen Eier (…) ihr Geheimnis enthüllten und sie ihr Herz an drei winzige geflügelte Fohlen verlor.

Das Einzige, was mich etwas störte, war die enorme Fluggeschwindigkeit der Drachen, die in keinem Vergleich zum ersten Buch stand. Zwar wird darauf hingewiesen, dass Lung viel Übung bekommen hat, aber als er seinen Freund Tattoo mitnimmt, der zum ersten Mal eine große Reise macht, ist der ebenso schnell.

Fazit: Eine Geschichte, die durch viel Action und Spannung überzeugt und durch die Mengen von Fabelwesen immer einen fantastischen Hauch hat. Mir hat die Lektüre sehr viel Spaß gemacht und ich bin mir sicher, dass es den Lesern von 9 bis 12 Jahren ebenso geht.

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Cornelia Funke: Drachenreiter 2. Die Feder eines Greifs. Dressler 2016. 416 Seiten, Euro 18,99, ISBN 978-3-7915-0011-9.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Auf der Drachenreiter-Seite gibt es ein Gewinnspiel, eine Weltkarte mit den Reiserouten und viele weiter Informationen über das Buch.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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