Patricia Schröder: Schneegestöber. Oder: Der Tag, als Oma Grizabella verschwand

Aufregende Abenteuer auf einer kleinen Hallig

Ein Buch, das zwar zur Weihnachtszeit spielt, wo es aber eigentlich nur am Rande um Weihnachten geht, sodass es jederzeit gelesen werden kann, ist Schneegestöber.

Eine Großfamilie reist aus den verschiedensten Ecken Deutschlands an, um endlich einmal wieder einige Tage zusammen zu verbringen und gemeinsam Weihnachten zu feiern. Als Treffpunkt bietet sich die kleine Hallig an, auf der ein Teil der Familie lebt und wo es ohnehin Gästeunterkünfte gibt. Nicht alle sind von der Idee begeistert, aber Onkel Lothar hat darauf gedrängt, weil er allen etwas sagen möchte. Das erzwungene Zusammensein der sehr unterschiedlichen gestrickten Menschen birgt von Anfang an Konfliktpotenzial. Die Geschichte wird von Leonie erzählt, die sich eigentlich auf den Urlaub und das Zusammensein mit ihrer Cousine Sünje freut. Doch dann fühlt sie sich von der Cousine herumkommandiert, die Erwachsenen streiten und schließlich bekommen die beiden Mädchen mit, dass Onkel Lothars zickige neue Freundin fiese Pläne mit Oma, die bei ihnen wohnt, hat. Das versuchen sie zu verhindern, aber da verschwindet Oma …

„Du meinst wohl eher dich“, brummt Sünje. „Dabei glaube ich nicht mal, dass deine Eltern wegen so was Stress machen würden.“
Womit sie wahrscheinlich recht hat.
„Es ist nicht ihretwegen“, sage ich.
Sünje mustert mich stirnrunzelnd. „Sondern?“
„Meinetwegen“, gebe ich ein wenig zerknirscht zu.
„Ich bin eben doch ein Schisser.“

Erzwungenes Beisammensein sorgt für Krach

Erzählerin Leonie , noch wenige Tage 12, beobachtet mit wachem Blick, was um sie herum passiert und denkt sich ihren Teil zum Verhalten der anderen Familienmitglieder. Zusammen mit Sünje will sie herausfinden, was genau Onkel Lothar und seine eingebildete Freundin mit Oma Grizabella vorhaben, aber teilweise ist sie viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt: mit der Cousine, die alles bestimmen will, der Geburt von Lämmern, ihrem Verhältnis zu dem geheimnisvollen Ludvig, ihrem Geburtstag an Heiligabend und den Marotten der anderen Familienmitglieder. Trotz der vielen Klischees, die in der Geschichte bemüht werden, vor allem bei den Charakteren, ist es eine Geschichte mit einigem Tiefgang. Vor allem ist sie aber ziemlich lustig. Da alle so verschieden sind, haben sie ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie für Weihnachten dekoriert werden muss, wie Weihnachten überhaupt gefeiert wird oder was als sauber gelten kann und was nicht. Auch die neun Kinder sind sehr unterschiedlich erzogen, was die einen Eltern für normal halten, hält der Rest der Verwandtschaft für untragbar. Klar, dass dann die Fetzen fliegen. Für die Beteiligten ist das nicht immer schön, für den außenstehenden Leser bietet das aber viel zum Lachen und Schmunzeln.

Plötzlich schlägt eine Tür zu, so heftig, dass die Wände beben. Dann schreit jemand: „Mama, ich will weg von hier. Ich will SOFORT wieder nach Hause!“
Die Stimme klingt grell und unbeherrscht, und ich weiß sofort, wem sie gehört: meiner allerliebsten Lieblingscousine Klarissa!

Was mir nicht so gefällt, ist definitiv der Untertitel. Die Oma verschwindet erst im letzten Drittel des Buches, aber irgendwie wartet man die ganze Zeit darauf und es verrät zu viel. Ansonsten liest sich das Buch locker und hat mir viel Spaß gemacht.

Fazit: Turbulentes Familientreffen, bei dem mehr als eine Person etwas zu verbergen hat und es etliche Überraschungen gibt – für die Beteiligten und die Leser. Nicht nur rund um Weihnachten eine lustige Lektüre für Kinder von 10 bis 13.

cover_schroeder_schneegestoeber

Patricia Schröder: Schneegestöber. Oder: Der Tag an dem Oma Grizabella verschwand. Coppenrath 2015. 240 Seiten, Euro 12,95, ISBN 978-3-649-66782-7.

Bei Amazon – über Buchhandel.de und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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