Dagmar Chidolue: Millie geht zur Schule

Ich bin ein bekennender Millie-Fan. Vor allem werde ich nie vergessen, wie ich auf dem Weg in den Italien-Urlaub Millie in Italien vorgelesen habe und wir uns schippelig gelacht haben.

Nun also Millie geht zur Schule, das ich noch nicht kannte. Millie, pfiffig wie eh und je, manchmal auch rotzfrech, ist noch im Kindergarten, freut sich aber auf die Schule. Es gibt noch viele Dinge zu erledigen, ihre Mama hat eine ganze Liste. Eins ist doof: Sie hat immer noch alle Milchzähne. Aber es sind ja noch ein paar Tage Zeit. Als es dann endlich so weit ist, steht Millie als Einzige ohne Schultüte da. Dann geht es endlich los mit dem Unterricht. Millie macht das weitgehend Spaß, sie lernt auch, den Schulweg alleine zu gehen, aber dann lässt ein älterer Junge sie einfach nicht rein. Da fühlt sich Millie ganz schlecht. Was nun?

Aber was ist das denn da?
Kucki hat ihre Schultüte mitgebracht! Ihre große rot karierte Zuckertüte!
Wie unvernünftig!
Millie sieht sich um. Mama sieht sich auch um. Der ganze Schulhof ist voll von Kindern mit Schultüten!
Millie muss schlucken. Sie schaut klammheimlich hoch zu Mama. Sie sieht auch ganz bedröppelt aus.

Die Geschichte deckt wirklich eine Menge Dinge ab, die vor der Schuleinführung und in den ersten Schulmonaten passieren können. Millie passieren einige Missgeschicke, die lustig geschildert sind. Sie ist auch sehr clever, beispielsweise merkt sie, dass ihre Mutter ihr anfangs auf dem Schulweg folgt. Sie kann einem aber auch leid tun: Weil ihre Erzieherin erklärt hat, dass man die Schultüte zu Hause lassen und auch keine Süßigkeiten hineinfüllen soll, steht Millie blöd da – ihre Mutter hat sich als Einzige an diese Vorgabe gehalten. Und einen Fotoapparat hat sie auch nicht dabei. Überhaupt passieren Millie einige dumme Sachen und sie kommt mit manchem nicht zurecht, z. B. mit dem Häkeln von Topflappen. Es ist also nicht gerade eine Erfolgsstory, sondern zeigt die Höhen, vor allem aber auch Tiefen in Millies Schülerdasein.

Die Geschichte greift vieles auf, was die Kinder aus eigenem Erleben kennen. Diese Ereignisse werden immer mit einem Augenzwinkern geschildert, was mich häufiger zum Schmunzeln brachte. Zum Beispiel die Schuleinführung: Sie ist besonders lustig geschildert, wie ich finde: Die lange Rede der Schulleiterin, die gelangweilten Kinder, die schließlich anfangen, sich zu unterhalten … Sehr lebensnah!

Einiges hat mich aber geärgert: Als ein Junge Millie nicht in die Schule lässt, sodass sie viel zu spät kommt oder gar nicht mehr hingeht, bekommt Millie als Grund dafür gesagt, dass der Junge in sie verliebt sei. Argh! Dieser Spruch war schon blöd, als ich ein Kind war, und ist seitdem nicht besser geworden. Es ist einfach nicht in Ordnung, wenn Kinder andere Kinder schikanieren oder, wie man heute sagt, mobben. Auch ein paar andere Dinge fand ich komisch. Als es um Musikunterricht geht, sagt Millies Mutter, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass Jungs Flöte spielen. Warum denn nicht? Und Millies Papa kann nicht mit zur Schuleinführung kommen, weil er arbeiten muss. Auch die Lehrerin ist furchtbar altmodisch. Ich habe daraufhin nachgesehen, von wann das Buch ursprünglich ist: von 1998. Hm. Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass es noch älter ist. Das Weltbild, das darin vermittelt wird, ist jedenfalls älter.

Fazit: Insgesamt also eine lustige Lektüre rund um die Vorschulzeit und die ersten Monate in der Schule, an manchen Stellen merkt man aber deutlich, dass das Buch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Das Buch ist für Kinder ab 6 Jahren, ich würde es nicht mit Vorschulkindern zur Vorbereitung auf die Schule lesen, sondern erst mit Kindern, die schon ein paar Schulerfahrungen gesammelt haben.

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Dagmar Chidolue: Millie geht zur Schule. Oetinger 2014. 168 Seiten, Euro 5,99, ISBN 978-3-8415-0083-0.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der nächsten Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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