Magdalena Nabb: Das Zauberpferd

Ein Holzpferd als Freund

Irina wächst in einer recht freudlosen Umgebung auf. Ein Bauernhof, abseits der Stadt, ohne Freunde. Als sie vor Weihnachten mit ihren Eltern einkaufen geht, darf sie sich etwas aussuchen – und entscheidet sich für ein dreckiges Holzpferd mit Namen Bella, das sie im Schaufenster eines Antiquitätenhändlers entdeckt. Angeblich rankt sich eine düstere Geschichte um das Pferd. Die Eltern sind gegen den Kauf, doch Irina setzt sich durch. Zu Hause putzt sie das Pferd, legt ihm etwas Heu hin, stellt einen Eimer Wasser daneben und deckt es mit einer warmen Decke zu. Nach einigen Tagen der Pflege hört sie nachts Geräusche wie von einem Pferd. Kann das sein? Tatsächlich – sie reitet auf Bella davon.

Zuerst wusch sie Bellas Mähne und Schweif, wobei sie so sorgfältig wie möglich vorging, damit das Seifenwasser dem Pferd nicht in die Augen kam. Sie wusch und spülte und wusch und spülte, aber das Haar fühlte sich immer noch struppig und fettig an, und sie musste zwei weitere Eimer mit sauberem warmen Wasser holen und noch einmal von vorn beginnen.

Für immer wild und frei

Kann man ein Tier besitzen? Der alte Trödler meint, das geht nicht, aber Irina verliebt sich trotzdem in ihre wundervolle Bella, mit der sie die schönsten Momente ihres Lebens verbringt. Deswegen kann sie ihren Verlust nur schwer verschmerzen. Erst viel später begreift sie, was der alte Mann wirklich meinte, und nimmt ihre neue Chance sehr ernst.

„Bella!“, rief Irina leise.
Das wunderschöne Pferd hielt inne und schüttelte den Kopf. Dann wendete es auf der Hinterhand und trabte dorthin, wo es Irinas Stimme gehört hatte. Direkt unter dem Fenster blieb es stehen und schaute empor, am ganzen Leibe bebend.

Endlich ein Freund

Irina ist ein viel zu ernstes Mädchen, das durch seinen ständigen Umgang mit Erwachsenen auch die Ansichten teilt, die es immer hört. Deswegen hält sie auch nichts von Weihnachten. Sie hat niemanden mit dem sie reden kann, deswegen ist und bleibt ihr Zauberpferd ein großes Geheimnis. Sie geht in seiner Pflege vollkommen auf, endlich einmal hat sie jemanden, der sie liebt und der ihr ganz allein gehört – so bildet sie sich zumindest ein. Die Erkenntnis, dass sie damit falsch lag, ist für sie so schmerzhaft, dass sie sich vollkommen verschließt, damit sie nie wieder verletzt werden kann. Sie braucht lange, um sich wieder zu öffnen, aber dann macht sie eine neue, wunderbare Erfahrung.

Gibt es Wunder?

Ein dünnes Büchlein, rasch gelesen, das eine sehr berührende Geschichte enthält. Sie passt gut zu Weihnachten, erstens weil sie dann beginnt und zweitens, weil ein Wunder passiert oder eigentlich sogar zwei. Und weil die Themen Freundschaft zu einem Tier, lieben und wieder loslassen so gut in diese Zeit passen. Aber ich finde, man kann das Buch genauso gut zu jeder anderen Jahreszeit lesen. Die Geschichte ist spannend, mittendrin wird sie sehr traurig, endet aber voller Hoffnung. Die Leser schließen die verschlossene Irina schnell ins Herz, mir tat das Mädchen leid. Das Wunder, das sie mit ihrem dreckigen Holzpferd erlebt, ist ihr sehr zu gönnen. Dass die Eltern von alldem nie etwas mitbekommen, ist zwar nicht realistisch, aber das ist bestimmt Teil des Wunders …

Fazit: Das Buch ist nicht dick, die Schrift ist noch etwas größer, es gibt einige Schwarz-Weiß-Illustrationen, daher eignet sich gut für Kinder, die die ersten Lesehürden schon überwunden haben, also etwa ab 7 oder 8 Jahren. Es ist aber auch eine wunderschöne Vorlesegeschichte – nicht nur, aber auch an Weihnachten.

nabb_das-zauberpferd

Magdalena Nabb: Das Zauberpferd. Aus dem Englischen von Sybil Gräfin Schönfeld. Coppenrath 2016. 128 Seiten, Euro 8,99, ISBN 978-3-649-62343-4.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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