Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens

Wenn ein Kind spurlos verschwindet

Caspar, Sohn einer Puppenspielerfamilie, ist öfter mal genervt, wenn er auf seinen kleinen Bruder Till aufpassen soll. Trotzdem hat er ihn ziemlich gern. Da wird ihnen eines Tages etwas in den Rucksack gesteckt: merkwürdige Holzteile, die sich als kopflose Marionette entpuppen. Sie machen Caspar Angst, aber faszinieren ihn auch. So tut er etwas, was letztendlich dafür sorgt, dass Till verschwindet. Schuld daran ist ein uralter Vertrag. Caspar will sich weder damit abfinden noch seinen Bruder vergessen. Also begibt er sich direkt in die Höhle des Löwen und versucht, Till zu befreien.

Anatol atmete aus und klappte das schwarz eingebundene Buch zu. „Manchmal ist es leichter zu vergessen, als zu suchen.“ Wieder starrte er an Caspar vorbei.
Was redete der Geselle da?
„Vergessen? Ich werd Till nicht vergessen!“, rief Caspar.

Ein dunkles Familiengeheimnis

Die auf den ersten Blick liebenswerte Puppenspielerfamilie hat eine dunkle Vergangenheit. Viele Generationen haben ein Kind verloren, aber da die Erwachsenen es schnell vergessen, bei den Kindern dauert es etwas länger, forscht niemand nach. Nur die Angehörigen der Puppenschnitzerdynastie Collodi wissen Bescheid und so findet der mutige Caspar die ersten Hinweise. Dass er selbst nicht vergisst, hat er einem ungewöhnlichen Geschenk seiner Schwester zu verdanken.

Hierfür als Zins zu zahlen alle fünfzig Jahr soll das jüngste Kind – Junge oder Mädchen – dem Meister gehören auf ewig.

Die Geschichte der drei Geschwister aus der Puppenspielerfamilie ist originell und sehr gut erzählt. Nicht nur der große Rahmen passt, sondern auch viele Details sind sehr gut überlegt, sodass die Erzählung richtig rund wird. Dass beispielsweise die Holzschnitzer Collodi heißen wie der Pinocchio-Autor ist klasse. Aber auch, wie genau geschildert wird, wie Caspar den Holzkopf schnitzt. Oder manche Momente im Turm, die richtig unter die Haut gehen. Die Erzählung holt den Leser in einer ganz alltäglichen Familiensituation ab und führt ihn dann in eine unheimliche Welt, in der Kinder einfach verschwinden und für merkwürdige, gruselige Zwecke ausgenutzt werden. Ich bin intensiv in diese Welt eingetaucht und habe atemlos das Geschehen verfolgt.

Fazit: Caspar und der Meister des Vergessens ist ein sehr spannendes Buch, dem es gelingt, eine etwas unheimliche, mystische und teilweise auch etwas beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, ohne dabei jedoch zu grausam zu sein. Man kann gar nicht anders, als mit dem Held mitzufiebern. Toll für Kinder von 10 bis 13 Jahren.

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Stefanie Taschinski: Caspar und der Meister des Vergessens. Oetinger 2016. 240 Seiten, Euro 14,90, ISBN 978-3-7891-0426-8.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in der Buchhandlung um die Ecke.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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