Frida Nilsson: Hedvig! Der Sommer mit Specki – mit Gewinnspiel

Superlangweilige Sommerferien – oder doch nicht?

Hedvig hat Sommerferien und ihre beste Freundin ist mit ihrer Familie verreist. Wie langweilig! Daher wünscht sie sich, dass ein anderes Kind an diese Straße zieht. Und tatsächlich: Leute aus der Stadt ziehen in das benachbarte Haus, eine Bruchbude, um dort Ferien zu machen. Ein dicker Junge, der seinen Namen nicht mag und es besser findet, Specki genannt zu werden, zusammen mit seinem Vater, der findet, dass man es aushalten sollte, mal ein paar Wochen so zu leben wie die Menschen früher. Praktisch bedeutet das, dass er nicht einmal die Tür aufbekommt, sodass die beiden die ganze Zeit durchs Fenster einsteigen müssen, und auch ein Feuer bekommt er nicht an. Zusammen mit Specki erlebt Hedvig allerhand Abenteuer, zum Beispiel retten sie Kater Bosse vor seinem angeblich drogensüchtigen Besitzer.
Außerdem fährt Hedvig einige Male mit ihren Eltern zu Besuch bei den Großeltern. Hedvigs Oma hatte einen Schlaganfall, weswegen sie alle verwechselt und sich nicht an die einfachsten Dinge erinnern kann. Hedvig macht sich sehr viele Gedanken über diese merkwürdige Krankheit und den Tod. Vor allem will sie aber endlich die Zinnfiguren bekommen, die ihrer Oma eigentlich heilig sind, die sie ihr aber in verwirrtem Zustand versprochen hat.

Hedvigs Oma hat ein Gerinnsel im Kopf. Ein kleiner Klumpen Blut hat sich wie ein Stöpsel in ein Blutgefäß geklemmt, als sie gerade am Bügeln war. Einfach „Puff“ und schon ist sie kerzengerade umgefallen und auf dem Boden liegengeblieben.

Ein neuer Freund und eine kranke Oma

An sich sind die Themen des Hörbuches nicht gerade leichte Kost. Hedvigs Oma ist nach ihren Schlaganfall völlig verändert, was Hedvig verwirrt. Sie muss sehr viel darüber nachdenken, wie ihre Oma vorher war (akkurat, gründlich, sauber, ordentlich) und wie sie nun ist (schlampig angezogen, ungekämmt). Auch kocht sie keine leckere Suppe mehr für Hedvig, ihr Opa muss sich um den Haushalt kümmern. Später stirbt die Oma, was Hedvig gar nicht glauben will. Zusammen mit Specki denkt sie sich eine wilde Geschichte aus, dass ihre Oma den Tod nur vorgetäuscht hat, um endlich auf Reisen gehen zu können. Sie hat unheimlich viel Fantasie und das ist es auch, was der Geschichte trotz des schweren Themas eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Ihre Gedankengänge sind häufig sehr lustig, sodass man beim Zuhören viel zu lachen bekommt.

Auch die Geschichte von Specki ist an sich traurig. Ein Junge, der seinen echten Namen (Klaas) so schlimm findet, dass er es angeblich besser findet, Specki genannt zu werden? Ernsthaft? Auch wenn er es zu überspielen versucht, kommt irgendwann doch heraus, dass er todunglücklich ist. Vor allem, weil er keine Freundin findet. Deswegen möchte er unbedingt, dass Hedvig seine Freundin wird. Dann kann er nach den Ferien erzählen, dass er im Ferienort eine Freundin hat. Hedvig hat allerdings gar keine Lust dazu. Speckis Probleme werden immer wieder thematisiert, aber eher am Rande. Vordergründig verleben die beiden Kinder aufregende Ferien, auch wenn es Missverständnisse und etwas Ärger gibt, haben sie doch meist eine schöne Zeit.

Die Gefühlswelt einer Drittklässlerin

Hedvigs Gefühlswelt wird sehr anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Sie ist mit der Krankheit ihrer Oma überfordert. Ihre Eltern erklären ihr zwar, was los ist, aber sie versteht nicht alles und reimt sich dann etwas zusammen. Schon lange hat sie ein Auge auf die wundervollen, angeblich kostbaren Zinnfiguren ihrer Oma geworfen, die diese wie ihren Augapfel hütet. Doch nach dem Schlaganfall sagt Oma, Hedvig dürfe sie haben. Hedvig ist glücklich. Aber beim nächsten Besuch geht es Oma besser, sie ist wieder fast die alte und kann sich nicht mehr an ihr Versprechen erinnern. Hedvig ist stinkesauer und benimmt sich unmöglich. Als ihre Oma kurz darauf einen weiteren Schlaganfall hat, denkt sie, dass ihr Verhalten der Auslöser war. Sie plagt sich mit argen Schuldgefühlen herum, geht damit aber nicht zu ihren Eltern. Bei einem Besuch im Krankenhaus will sie am liebsten gar nicht mit ihrer Oma sprechen, weil sie sich so schämt. Doch zum Glück kommt es noch zu einem klärenden Gespräch.

Auch wenn die Zuhörerinnen und Zuhörer noch nicht mit Krankheit und Tod eines Angehörigen konfrontiert wurden, werden sie sich gut in Hedvig hineinversetzen können. Ich glaube, dass man etwas Verbotenes oder Schlimmes gemacht oder getan hat und dann passiert etwas, an dem man meint, schuld zu sein, hat jedes Kind schon einmal erlebt. Das ist wirklich etwas, wovon man Bauchschmerzen und schlaflose Nächte bekommen kann. Zum Glück hat Hedvig dank Specki viel Ablenkung, dennoch grübelt sie viel und steht teilweise sehr unter Druck, der jedoch immer nach einiger Zeit von ihr genommen wird, sodass man trotz der teilweise traurigen Erlebnisse von einem Happy End sprechen kann.
Mir gefällt es gut, wie hier die Themen Krankheit und Tod behandelt werden: als etwas, was zum Leben dazugehört, was traurig ist, worüber man aber ganz normal sprechen kann wie über andere Dinge auch. Kindern, die gerade einen Todesfall erlebt haben oder bei denen ein Angehöriger krank ist, kann Hedvigs Geschichte sicher helfen. Sie erleben, dass es in Ordnung ist, traurig und durcheinander zu sein, aber trotzdem auch beim Spielen Spaß zu haben und eine Weile nicht daran zu denken.

Nilsson erzählt die Geschichte des nicht ganz durchschnittlichen Mädchens mit viel Humor, aber sie lässt eben auch Hedvigs nachdenkliche Seite nicht zu kurz kommen, was zu einer gelungenen Mischung aus Spaß und Spannung, traurigen Momenten und schönen Erlebnissen führt. Was Hedvig in den Sommerferien alles erlebt, wird von Heike Makatsch wunderbar vorgelesen.

Fazit: Eine tolle Geschichte für Grundschüler – mal traurig, mal lustig, mal spannend, aber immer realitätsnah.

Ich verlose zwei Exemplare des Hörbuchs. Bitte erzählt mir in den Kommentaren ein besonders schönes, aufregendes oder trauriges Ferienerlebnis, das ihr einmal hattet. Ihr habt Zeit bis Dienstag, den 20.12. um 18 Uhr. Dann lose ich aus und wenn die beiden Gewinner sich schnell zurückmelden und mir ihre Adresse mitteilen, sollten die Hörbücher noch rechtzeitig vor Weihnachten ankommen.

cover_nilsson_hedvigsommerspecki

Frida Nilsson: Hedvig! Der Sommer mit Specki. Gelesen von Heike Makatsch. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger. Amor 2016. 3 CDs, ungekürzte Lesung 198 Minuten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-944063-94-2.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – über Buchhandel.de – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensions- und die Verlosungsexemplare.

6 Kommentare zu “Frida Nilsson: Hedvig! Der Sommer mit Specki – mit Gewinnspiel

  1. Pingback: Auslosung: Hedvig! ein Sommer mit Specki – Kinderohren

  2. Ich habe mich sehr über den diesjährigen, ersten Urlaub mit meinen Kindern (5 und 7 Jahre alt) gefreut, als Sie das erste Mal das Meer gesehen haben. Ich hatte Tränen in den Aufen, so rührend war das….🙂

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  3. Ich habe mal im Urlaub einen kleinen Vogel gefunden, der aus dem Nest gefallen war. Ich nahm ihn mit ins Hotelzimmer und habe ihm im Bidet ein Nest gebaut und ihn fast drei Wochen mit Insekten und Würmern gefüttert. Dann hieß es Anschied nehmen. Ich war auf dem Rückflug sehr traurig 😦

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