Martin Baltscheit, Katharina Sieg: Die Nacht des Elefanten

Groß zu sein hilft nicht immer

GROSS wie ein Haus.
STARK wie ein Baum.
FURCHTLOS und stolz.
Das ist der ELEFANT.

Oder zumindest wird er von allen so eingeschätzt. Doch leider, leider hat der Elefant im Dunklen Angst. Große Angst. Er hört komische Geräusche, die ihn dazu bringen, panisch durch den Wald zu rennen und alles kaputt zu machen, was ihm in die Quere kommt. Am nächsten Morgen rätseln die Tiere, was das wohl gewesen ist. Ein Sturm vielleicht, schlägt der Elefant vor. Doch als jede Nacht etwas passiert, bekommen die anderen Tiere Angst und suchen ausgerechnet bei wem Schutz? Beim Elefanten!
Was nun? Nun kann der Elefant nicht mehr weglaufen, also fragt er bei jedem Geräusch nervös, was das ist. So lernt er die Geräusche der Nacht kennen und merkt, wie harmlos sie sind.

„Ich strecke die Beine vor Müdigkeit“, sagt die Grille im Stroh.

Nachdem er diese schreckliche Nacht überstanden hat, kann der Elefant endlich schlafen. Denn nichts stört ihn.

Was bedeuten die Geräusche der Nacht?

Hier ein Knistern, das ein Rascheln, dort ein Klappern: Wenn man nicht sehen kann, wo die Geräusche herkommen, ist es schwierig, sie einzuordnen. Dann fantasiert man sich schnell Schreckliches zusammen, obwohl die Ursache ganz harmlos ist. Und davor ist nicht einmal ein so großer Elefant gefeit, den alle anderen für stark halten. Das ist für Kinder, die Angst im Dunkel haben, ein großer Trost. Wenn das selbst einem so großes Tier passiert, ist es ja nicht schlimm, wenn das einem kleinen Kind genauso ergeht. Vor allem sehen die Kinder aber, dass die Ursachen für die Geräusche harmlos sind. Vielleicht können sie einmal mit ihren Eltern erkunden, was hinter den nächtlichen Geräuschen steckt: die Toilettenspülung einen Stock höher, die Äste eines Baumes, die bei Wind an der Hauswand kratzen, das Geschirr, das aus der Spülmaschine geräumt wird usw.

Der Text ist recht knapp und einfach zu verstehen. Es ist lustig mitzuerleben, was die Angst mit dem Elefanten macht, aber ohne dass der Elefant dabei ins Lächerliche gezogen wird. Seine Handlungen sind allerdings überzogen. Die Kinder, die Angst haben, ziehen ja lediglich die Decke über den Kopf oder suchen Zuflucht bei ihren Eltern, ohne gleich das ganze Haus kurz und klein zu schlagen.

innenseite_baltscheit_dienachtdeselefanten

Die Bilder sind wunderschön. Die Nachtszenen wirken, als ob schwarzer Tonkarton ausgeschnitten, mit farbigem Transparentpapier hinterlegt und angestrahlt wurde. Die Farben leuchten im Kontrast sehr. Die Tagbilder sind Collagen, die ebenfalls wirken, als wäre Transparentpaier übereinandergelegt worden. Sie sind teilweise sehr wimmelig und es gibt viel zu entdecken. Das gilt besonders für die letzte Doppelseite, die ausgeklappt werden kann. Hier sieht man die glücklichen, ausgeschlafenen Elefanten durch den Wald toben, der nun keine Angst mehr macht. Auch das Cover ist toll: dicke, schwarze Pappe, die wie ein Scherenschnitt ausgestanzt ist und durch die man das bunte Bild dahinter sieht.

Meine einzige Kritik: Die schwarze Pappe färb ab, ich hatte nach dem Lesen schwarze Finger.

Fazit: Wunderschön gestaltetes Bilderbuch mit einer heilsamen Botschaft für Kinder ab 3 Jahren.

cover_baltscheit_dienachtdeselefanten

Martin Baltscheit, Katharina Sieg: Die Nacht des Elefanten. Bohem 2017. 56 Seiten, Euro 18,95, ISBN 978-3-95939-038-5.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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