Rafik Schami, Peter Knorr: Der Wunderkasten

Der alte Geschichtenerzähler

Ein Kind aus Damaskus erzählt von dem Geschichtenerzähler mit einem Wunderkasten, der regelmäßig in das Viertel kam. Immer erzählte er die Geschichte vom Hirtenjungen Sami, der in die schöne Leila verliebt ist. Leilas Vater aber möchte, dass seine Tochter einen reichen Mann heiratet, weshalb er dem Paar viele Steine in den Weg legt. Sami muss viele Aufgaben erledigen, die eigentlich unmöglich zu schaffen sind, zum Beispiel 300 Kamele als Aussteuer zahlen. Doch weil er verliebt ist, gelingt ihm letztlich alles und es kommt zu einem glücklichen Ende.
Doch die Bilder im Wunderkasten des Geschichtenerzählers verblassen und er muss sie durch neue Bilder ersetzten, die er in der Werbung findet. So heißt das Mädchen plötzlich Kolgata, Sami ist Kfz-Mechaniker und der Vater des Mädchens wünscht keine Kamele mehr, sondern eine Luxuslimousine. Eines Tages kommt der Geschichtenerzähler gar nicht mehr. Was ist passiert?

Alte Geschichte mit modernen Einsprengseln

Erstmalig erschien diese Geschichte von Rafik Schami 1990. Nun erhielt sie neue, wunderschöne Bilder, die den Leser ebenso in das Damaskus der Rahmenhandlung versetzen wie in die Welt des orientalischen Märchens. Die Art der Geschichte ist bekannt, wir haben sie schon häufig gehört, so meinen wir Leser. Doch dann gibt es eine überraschende Wendung. Das Märchen erhält eine moderne Version. Das ist einerseits sehr lustig, andererseits hat man Mitleid mit dem alten Geschichtenerzähler, der offensichtlich kein Geld hat, sich neue Bilder für seine Bilderrolle zeichnen zu lassen, sodass die Geschichte plötzlich absurde Wendungen nimmt.

Hier ist es sehr gut gelungen, ein Märchen à la 1001 Nacht mit einer Rahmenhandlung zu verbinden. Die Zuhörer werden in ein Damaskus entführt, wie es schon lange nicht mehr existiert. Früher, als es noch keine Fernseher gab, war ein Geschichtenerzähler etwas Besonderes, auch wenn er immer die gleiche Geschichte erzählte. Und wenn er dann noch einen Kasten mit sich trug, in dem die Kinder Bilder dazu anschauen können, verzichteten sie gerne auf Süßigkeiten, sondern gaben ihr Geld lieber fürs Zuschauen aus.

Die Bilder sind wunderschön. Die Illustrationen, die zu dem Märchen gehören, sind aufgrund ihrer tollen Rahmen im Stil arabischer Kunst gut zu erkennen. Bei den Bildern aus der Rahmenhandlung fehlen diese Umrahmungen. Der Text ist recht lang, die zuhörenden Kinder müssen also schon ein wenig Ausdauer haben. Die Geschichte ist aber relativ alterslos, sodass auch ältere Kinder durchaus Spaß daran haben dürften, sie entweder selber zu lesen oder vorgelesen zu bekommen.

Fazit: Wunderschön ausgestattetes Buch mit zauberhafter Geschichte für Kinder zwischen 4 und 8 Jahren.

Rafik Schami, Peter Knorr: Der Wunderkasten. Edition Bracklo 2017. 52 Seiten, Euro 24,80, ISBN 978-3-981743-2-3.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ein Kommentar zu “Rafik Schami, Peter Knorr: Der Wunderkasten

  1. Pingback: Rafik Schamis „Der Wunderkasten“ – Ein orientalischer Schatz für jedes Bücherregal | Tintenhain

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