Mascha Wolfram: Anouk und Herr Bär

Gerüchte versus Wahrheit

Die Leute erzählen von einem großen, bösen, wilden Bär, der im Wald sein Unwesen treiben soll. Angeblich frisst er mit Vorliebe kleine Kinder. Als die kleine Anouk zum ersten Mal mit ihren großen Schwestern zum Pilzesuchen in den Wald darf, geht sie promt verloren. In ihrer Aufregung läuft Anouk immer weiter in den Wald hinein. Als sie schon ganz erschöpft ist, entdeckt sie ein Häuschen. Sie klopft, es wird geöffnet – und vor ihr steht der Bär! Anouk hat panische Angst.

Zum Weglaufen war es zu spät, Anouk saß in der Falle.
„Oh bitte, bitte tu mir nichts! Friss mich nicht auf!“, bettelte sie verzweifelt. „Ich habe mich im Wald verlaufen, bitte friss mich nicht!“

Doch als der Bär mit ihr spricht, hat er eine ganz piepsige Stimme. Er hat auch gar keine scharfen Krallen oder spitzen Zähne. Es stellt sich heraus, dass er sehr traurig und einsam ist. Anouk übernachtet bei ihm, die beiden haben einen schönen Abend. Am nächsten Tag bringt der Bär sie zurück ins Dorf. Alle merken, dass er ganz harmlos ist, fortan lebt er im Dorf und muss nie mehr alleine sein.

Was man nicht kennt …

Offenbar kennt niemand aus dem Dorf den Braunbären wirklich. Vielleicht hat ihn jemand mal von Weitem gesehen. Wahrscheinlich war es so wie oft: Einer erzählte dem anderen von dem Bären und jeder hat ein wenig dazugefügt. So wurde die Geschichte spannender und spannender, bis niemand sich mehr weit in den Wald hineingewagt hat. Da muss erst ein kleines Mädchen in eine Notsituation geraten, sodass es sich trotz der Warnungen mit dem angeblich gefährlichen Wesen beschäftigt und zu der Erkenntnis kommt, dass an den Gerüchten überhaupt nichts dran ist.

Die Gestaltung des Buches ist ungewöhnlich – und auch ungewöhnlich schön. Die meisten Seiten sind in einer Pastellfarbe gehalten, nur wenige Elemente (wie die Personen) stechen in anderen Farben heraus: mintgrün, rosa, hellblau. Der rosafarbene Wald beispielsweise wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, aber doch sehr stimmig, schließlich ist es spät am Abend bzw. früh am Morgen. Die Formen sind ebenfalls sehr einfach gehalten, reduziert und flächig. Die Schrift ist weiß, aber der Kontrast reicht, um sie gut lesen zu können. Der Text ist gut verständlich, die Geschichte beginnt wie ein Märchen und weist viele märchenhafte Elemente auf, inklusive dem guten Ende. Das ist kein Zufall, handelt es sich doch um eine moderne Nacherzählung eines russischen Märchens:

In einem kleinen Dorf weit, weit weg von hier erzählte man sich einst von einem großen Bären, der im nahe gelegenen Wald lebte und dort sein Unwesen trieb.

Fazit: Nicht nur eine spannende, schön erzählte Geschichte mit gutem Ausgang für Kinder von 3 bis 5 Jahren, sondern auch ein Plädoyer, nicht alles zu glauben, was erzählt wird, und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Mascha Wolfram: Anouk und Herr Bär. Edition Pastorplatz 2017. 52 Seiten, Euro 14, ISBN 978-3-943833-18-8.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in jeder Buchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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