Alexander Hogh, Lukas Kummer: Gotteskrieger. Eine wahre Geschichte aus der Zeit der Reformation

Eine Stadt rebelliert

„Die Welt ist verloren, das jüngste Gericht ist nah. Rette deine Seele!“

1534: In einigen Teilen des Heiligen Römischen Reichs hatte sich der katholische Glauben gehalten, in anderen verbreitete sich der Protestantismus, bei dem sich im Laufe der Zeit verschiedene Strömungen entwickelt hatten, basierend auf den Vorstellungen Luthers, Zwinglis oder Calvins. Aber es gab auch Gruppen, die deren Auslegungen der Bibel nicht richtig fanden, beispielsweise die Täufer. Sie lehnten die Kindertaufe ab und glaubten, Christus werde bald wiederkommen. Sie wurden vielerorts verfolgt und vertrieben. Doch in der ehemals katholischen Bischofsstadt Münster wurden sie geduldet, weshalb Täufer aus vielen Orten Deutschlands und aus Amsterdam dorthin zogen.

Ein einfacher Mann erzählt

Diese Graphic Novel erzählt aus der Sicht des Schreiners Heinrich Gresbeck, was in Münster geschah. Er erlebte die Ereignisse mit, flüchtete später und ließ die Belagerer, ein Bündnis aus katholischen und protestantischen Truppen, in die Stadt. Das Täufertum hatte sich nicht nach seinen Vorstellungen entwickelt, die Anführer der ursprünglich friedlichen Bewegung begannen beispielsweise, Andersgläuige zu töten.

„Wir müssen den Ungläubigen zeigen, dass wir bis zum Letzten entschlossen sind.“
„Was meinst du damit?“
„Der Herr hat uns das Schwert in die Hand gegeben, um Unrecht zu strafen. (…)“

Als die Täufer immer zahlreicher wurden und schließlich alle Sitze im Stadtrat erhielten, sah es zunächst nach einem gedeihlichen Zusammenleben aus. Doch dann vertrieben die Täufer alle, die nicht ihren Glauben annehmen wollte. Zunächst waren alle gleich, doch dann erhoben sich einige über die anderen und erklärten, ein König sei notwendig. Wegen des hohen Frauenüberschusses wurde beschlossen, dass die Männer mehrere Frauen haben durften, um diese zu versorgen. Durch die Belagerung wurde die Ernährungslage immer schlechter. Den einfachen Menschen wurden die Nahrungsmittel weggenommen, sie hungerten. Nach dem Tod seiner Mutter wollte Gresbeck seine Frau retten. Da er bei der Stadtwache arbeitete, kannte er die Verteidigungsanlagen genau. Er schlich sich aus der Stadt und zeigte den Belagerern, wie sie in die Stadt kommen konnten. Damit war das Ende des Täuferreichs von Münster besiegelt.

Das neue Jerusalem

Es gelingt hier hervorragend, Geschichte spannend und gut verständlich aufzubereiten. Ich wusste nichts über die Täuferbewegung und hatte keine Ahnung, dass Münster einmal in ihrem Zentrum stand. Ich habe also bei der Lektüre viel gelernt, wurde dabei aber gleichzeitig gut unterhalten. Durch die Bilder werden die Botschaften sehr eindringlich transportiert. Um das Verständnis zu garantieren, hilft das kurze Vorwort zunächst bei der Einordnung. Im Anschluss an die Geschichte Gresbecks folgt eine Dokumentation, sie stellt

„kurz die Geschichte der Reformation dar und beleuchtet die historischen Hintergründe des Comics.“

Diese ist optisch sehr gut aufbereitet. Viele Bilder, teilweise aus dem Comic, dazu kurze, präzise Texte in Kästchen, das lässt sich sehr gut lesen und verstehen. Im Nachwort wird erklärt, wer Heinrich Gresbeck war und wie sein Leben verlief und auch, was historisch belegt ist und was für den Comic dazuerfunden wurde. Das abschließende Glossar erklärt nicht nur unbekannte Begriffe, sondern auch Konzepte, zum Beispiel worin die Unterschiede zwischen Kindstaufe und Erwachsenentaufe liegen, was der Wahlspruch der Täufer „Das Wort wird Fleisch“ bedeutet oder warum der Papst als Antichrist bezeichnet wurde.

Nicht so gut gefällt mir der Titel. Nicht dass er falsch wäre, das nicht. Aber woran denkt man heute, wenn man das Wort „Gotteskrieger“ hört? Ich denke da an den Daesh (IS) oder die Taliban. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja durchaus gewollt, dass die Leser solche Zusammenhänge herstellen.

Fazit: Eine inhaltlich und optisch sehr ansprechende Graphic Novel für Jugendliche ab 12 Jahren, der es gelingt, ein weniger bekanntes historisches Ereignis spannend aufzubereiten und trotzdem alle nötigen Hintergrundinformationen zu vermitteln.

Alexander Hogh, Lukas Kummer: Gotteskrieger. Eine wahre Geschichte aus der Zeit der Reformation. Tintentrinker 2017. 160 Seiten, Euro 20,00 ISBN 978-3-946401-08-7.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – bei Buch7 – im Onlineshop eurer Buchhandlung – und in eurer Lieblingsbuchhandlung.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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